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Klinsmann kann mit allen Spielern rechnen

Vor seinem Einstand als Fußball-Bundestrainer ist Jürgen Klinsmann von Absagen verschont geblieben. Alle 19 Auserwählten meldeten sich für das Prestigeduell der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Wien gegen Österreich einsatzbereit.

dpa NEU-ISENBURG. Vor seinem Einstand als Fußball-Bundestrainer ist Jürgen Klinsmann von Absagen verschont geblieben. Alle 19 Auserwählten meldeten sich für das Prestigeduell der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Wien gegen Österreich einsatzbereit.

Den Start in die von Klinsmann prognostizierte neue Ära wollen auch die nicht verpassen, die sich mit kleineren Blessuren herumschlagen. "Mit diesen Tagen beginnt das Projekt 2006. Mein großes Ziel ist es, dies den Spielern zu vermitteln", verkündete Klinsmann, der die Mannschaft im DFB-Stammquartier in Neu-Isenburg erwartet.

Zwar ist der Rahmen ebenso altbekannt wie das ausgewählte Spielerpersonal, doch Klinsmann will mit seinem Assistenten Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff gleich die neuen Sitten festlegen. Er bestellte den umgekrempelten Mitarbeiterstab, in dem der einstige Betreuer Flavio Battisti als Nachfolger des entmachteten DFB-Direktors Bernd Pfaff nun auch Organisations-Chef ist, zur Besprechung. Später soll dann auch die Mannschaft erfahren, wie die neue Führungstroika die von Klinsmann gepredigte "positive Energie" gewinnen will. Bis zum Abpfiff in Wien verhängte der Bundestrainer den Spielern ein Interview-Verbot, lediglich bei den offiziellen Pressekonferenzen und in der Mixed-Zone nach den Trainingseinheiten dürfen sie sich äußern.

Intern dagegen gilt die Maxime: Reden ist Gold. "Es wird in den nächsten Tagen viele Gespräche mit den Spielern geben, um sich menschlich kennen zu lernen und ein Gespür füreinander zu entwickeln", meinte Klinsmann. "Mit dem ein oder anderen muss man sicher mental arbeiten und ihm klarmachen, dass eine neue Ära beginnt", betonte Löw. Es gebe "sicher Spieler mit fehlendem Selbstbewusstsein, die wir in der Nationalmannschaft in die richtige Spur bringen müssen, damit sie wieder an sich glauben", meinte der Assistenzcoach: "Das Österreich-Spiel ist die erste Etappe auf unserem Weg, eine stabile Mannschaft zu erreichen."

Die Leistungsnachweise, die die fast ausschließlich aus dem gestrauchelten EM-Personal rekrutierte DFB-Auswahl erbrachte, gibt hingegen wenig Anlass zur Hoffnung. Klinsmann selbst verfolgte mit Sohn Jonathan (7), gekleidet im neuen Gold-Trikot des FC Bayern, wie sich seine Nationalspieler aus München und Berlin meist glanzlos bemühten oder - wie Bastian Schweinsteiger - gar keine Gelegenheit zum Vorspielen bekamen. Der Stuttgarter Philipp Lahm schmorte beim 1:1 des VfB Stuttgart in Nürnberg 90 Minuten auf der Ersatzbank, während Teamkollege Kevin Kuranyi wenigstens zu einem Kurzeinsatz kam. Andere, wie Jung-Stürmer Lukas Podolski vom Zweitligisten 1. FC Köln, stecken im Leistungstief.

Für Klinsmann sind dies aber nur Momentaufnahmen und im Hinblick auf sein großes WM-Ziel zweitrangig. "Natürlich wollen wir in Wien ein schönes Spiel sehen. Aber letztendlich muss unsere große Zielsetzung die WM 2006 in Deutschland sein, darauf muss alles ausgerichtet sein", sagte der Schwabe, unter dessen Regie alle wieder bei Null anfangen dürfen. "Was in der Vergangenheit passiert ist, gilt nicht für Klinsmann und mich. Jetzt beginnt eine neue Phase", versprach Löw.

Ganz besonders gilt dies für die Torhüter Oliver Kahn und Jens Lehmann, die in der Vergangenheit aus ihrer Antipathie gegeneinander keinen Hehl gemacht hatten, sowie den aufstrebenden Timo Hildebrand. Das Trio steht in den nächsten Tagen unter ganz besonderer Beobachtung. "Ich will spüren, wie die Chemie untereinander ist", meinte Klinsmann. Ob Kapitän Kahn in Wien überhaupt spielen darf, ließ er am Sonntag noch offen.

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