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Klinsmann knallhart: Jetzt warnt er die Spieler

Auf die „Rote Karte“ für Sepp Maier folgte die deutliche Warnung an die Spieler. Nicht nur Oliver Kahn und Jens Lehmann müssen die Grundregel des neuen Kurses von Jürgen Klinsmann in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ohne Murren akzeptieren.

dpa BERLIN. Auf die "Rote Karte" für Sepp Maier folgte die deutliche Warnung an die Spieler. Nicht nur Oliver Kahn und Jens Lehmann müssen die Grundregel des neuen Kurses von Jürgen Klinsmann in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ohne Murren akzeptieren.

"Es wird vor dem nächsten Länderspiel eine kurze und klare Ansprache geben, dass sich alle Spieler an gewisse Prinzipien zu halten haben. Wer es nicht befolgt, der wird es auch zu spüren bekommen", erklärte Team-Manager Oliver Bierhoff der dpa.

Wer sich öffentlich über Mitspieler äußere und Forderungen stelle, für den sei kein Platz in der Gemeinschaft Nationalmannschaft, machte die neue sportliche Führung klar. Auch Kahn und Lehmann dürfte spätestens nach dem Aus für den 74er Weltmeister Maier klar sein, dass Klinsmann auch vor großen Namen keinen Halt macht. "Respekt und alles in den Dienst der Mannschaft zu stellen", nannte Bierhoff als Grundvoraussetzung für das Miteinander in den kommenden Monaten. Maier wünschte der Mannschaft und seinem designierten Nachfolger Andreas Köpke "alles Gute" und sagte nur: "Ich hätte gerne noch meine neunte Weltmeisterschaft gemacht."

Kahn selbst wollte sich zur Trennung von Maier nicht äußern. "Ich werde das nicht kommentieren und ich werde auch in Zukunft keine Kommentare zu diesen Dingen abgeben", sagte Kahn auf dem Trainingsgelände des FC Bayern München.

Keiner darf das große Ziel WM-Sieg 2006 gefährden. So ist auch das Aus für Maier zu bewerten. "Menschlich war es eine schwere Entscheidung, aber wir haben ein Problem gelöst, deshalb ist auch eine gewisse Erleichterung dabei", meinte Bierhoff. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder erklärte zur Trennung von Kahn-Lobbyist Maier: "Ich kann das verstehen. Wenn ein Torwart-Trainer auch gleichzeitig Heimtrainer ist, ist das nicht ganz so einfach." Auch der designierte geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger äußerte im SWR: "Richtig so."

Zwar mache er sich in Sachen Disziplin "eigentlich keine Sorgen bei der Mannschaft", betonte Bierhoff. Dennoch werden die Nationalspieler im Vorfeld des nächsten Länderspiels am 17. November in Leipzig gegen Kamerun die Verhaltensnormen auch in Form eines Pflichtenheftes schriftlich bekommen. "Achtung und Respekt sind die gemeinsame Basis", erklärte Klinsmann, der schon mit den Degradierungen von DFB-Direktor Bernd Pfaff, Ex-Bundestrainer Michael Skibbe und des ehemaligen U 21-Coaches Ulli Stielike seine knallharte Linie demonstriert hatte.

In Köpke wird nun neben Klinsmann, Bierhoff und U 21-Coach Dieter Eilts wahrscheinlich eine weiterer Europameister von 1996 in den engeren Führungszirkel rücken. Es stand bereits ein Telefonat von DFB-Präsident Mayer-Vorfelder mit Köpke auf dem Programm, dem soll sich schnell ein Meeting mit Bierhoff anschließen. Die abschließenden Verhandlungen wird neben dem DFB-Chef auch Generalsekretär Horst R. Schmidt führen. "Das hängt nicht von einem Tag ab. Aber es wäre schön, wenn wir bis zum DFB-Bundestag einen Abschluss präsentieren können", umriss Bierhoff den Zeitplan.

Der 42-jährige Köpke, der 59 Mal im Nationalteam, 346 Mal in der Bundesliga und 68 Mal für Marseille im Tor stand, umriss bereits seine Vorstellungen über das mögliche Arbeitsgebiet beim DFB. "Es wird wesentlich komplexer werden, als es Sepp Maier gemacht hat", sagte der designierte Maier-Nachfolger. So könnte er sich eine Mitverantwortung in der U 21 und im Team 2006 vorstellen.

Köpke, der früher selbst mit Kahn um die Nummer 1 im Tor konkurriert hatte, müsste bei seinem Amtsantritt wohl lange mit dem Kampf Kahn kontra Lehmann leben, auch wenn Ex-Teamchef Franz Beckenbauer bis 2005 eine Entscheidung einfordert, "damit spätestens dann Ruhe herrscht". Mit Sepp Maiers Abschied sei das Problem nicht gelöst. Wenn Klinsmann den Konkurrenzkampf bis 2006 weiterführen wolle, "sollte er zumindest fairer geführt werden. Doch da habe ich meine Zweifel", schrieb der Präsident des Organisations-Komitees für die Weltmeisterschaft 2006 in seiner "Bild"-Kolumne.

Auch Hertha-Manager Dieter Hoeneß hält eine schnellere Lösung von Klinsmann für unabdingbar. "Wenn er das nicht macht, dann knallt es noch zwei Jahre lang", meinte Hoeneß in der "BZ". Die Ergebnisse und das Auftreten der Nationalelf würden eindeutig für Klinsmann sprechen: "Er hat alle wach gerüttelt, auch den Letzten aufgeweckt." Er habe ein klares Konzept und das verfolge er auch mit aller Konsequenz. "Aber Jürgen muss aufpassen, dass er nicht in dieses Killer-Klischee rein gepresst wird", ergänzte Hoeneß.

Bruder Uli Hoeneß beurteilt die voraussichtliche Berufung von Köpke skeptisch: "Das hat halt so ein Gschmäckle. Man muss aufpassen, dass da jetzt keine Vetternwirtschaft entsteht", sagte der Bayern-Manager in der Münchner "Abendzeitung". "Ich kann nur hoffen, dass Kahn dadurch keine Nachteile entstehen."

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