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Klinsmann macht die „Abteilung Attacke“ heiß

Der ehemalige Weltklasse-Stürmer Jürgen Klinsmann vertraut trotz des Ausfalls von Kevin Kuranyi beim Gastspiel in Iran voll auf seine „Abteilung Attacke“. Beim blamablen EM-Auftritt unter Rudi Völler noch als Verlierer gescholten, holen sich die Stürmer Kredit zurück.

dpa TEHERAN. Der ehemalige Weltklasse-Stürmer Jürgen Klinsmann vertraut trotz des Ausfalls von Kevin Kuranyi beim Gastspiel in Iran voll auf seine "Abteilung Attacke". Beim blamablen EM-Auftritt unter Rudi Völler noch als Verlierer gescholten, holen sich die Stürmer Kredit zurück.

"Die Stürmer-Entwicklung ist sehr positiv. Wir können trotz des Ausfalls von Kuranyi aus dem Vollen schöpfen", betonte Bundestrainer Klinsmann und meinte dabei vor allem Miroslav Klose und Gerald Asamoah. "Das war alles ein bisschen Kopfsache. Wenn man alles schwarz malt, läuft es nicht", blickte der Neu-Bremer Klose nur noch kurz auf die Leidenszeit der vergangenen Wochen und Monate zurück.

"Jürgen versucht jetzt, alles etwas offensiver anzugehen. Das kommt uns Stürmern entgegen", beschrieb der 26-Jährige den Wandel. Beim 3:1 gegen Österreich und beim 1:1 gegen Brasilien profitierte davon Kuranyi, der alle vier Treffer erzielte. Nun sollen die Bundesliga-Torjäger Klose (6 Saisontreffer) und Asamoah (3) nachlegen. Im Training ballerten sich beide kräftig ein, während Lukas Podolski und Thomas Brdaric kaum positiv auffielen.

Klose will bei Klinsmann einen Stammplatz, auch wenn Kuranyi wieder gesund ist. "Ich fühle mich total fit", sagt auch Asamoah, der sein Comeback im Nationalteam nach 16 Monaten Pause auch Kloses Pech verdankte. Der hatte sich vor dem Spiel in Wien beim Zusammenprall mit Jens Lehmann verletzt, Klinsmann nominierte Asamoah nach. Der Vizeweltmeister hat einige Pfunde verloren, weil er seine Nahrung umgestellt hat. "Wie viel ich abgenommen habe, bleibt mein Geheimnis", wollte Asamoah nicht mehr verraten.

"Man sieht ja, was die Psyche ausmacht. Er ist ein Typ, der Gas gibt, aggressiv auf die Abwehr drauf geht", kommentierte Team-Manager Bierhoff den Aufschwung des Schalkers. "Jetzt gehen eben auch Bälle rein, die zuvor nicht reingegangen sind. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich schon der richtige Torjäger bin. Aber ich hoffe, das dies noch kommt", sagte Asamoah lächelnd. Nachholbedarf im Nationaltrikot ist da, in den bisherigen 20 Länderspielen traf er nur zwei Mal.

Klose weist zwar eine wesentlich bessere Quote (41/16) auf, sein letzter Treffer im Trikot mit dem Bundesadler liegt aber schon acht Monate zurück. Im Februar traf er beim 2:1-Sieg in Kroatien. Es folgten schwere Zeiten in Kaiserslautern, eine Knieverletzung, eine vielleicht zu schnelle Rückkehr bei der EM und der Wechsel zu Werder. "Ich hab' mich nicht verrückt machen lassen", blickt er auf den holprigen Einstieg an der Weser zurück. "Ich wusste, dass es Anfangsschwierigkeiten gibt. Die Fußballer in Bremen sind besser, das Training ist schneller, das Spiel ist schneller. Aber das ist wichtig, es bringt mich weiter", erklärte Klose.

Inzwischen ist die WM-Entdeckung von 2002 wie Kollege Asamoah wieder in der Spur. "Nicht nur die Treffer-Quote spricht dafür, sie haben ihren Rhythmus gefunden, das gibt Selbstvertrauen", beobachtete Bierhoff, einst auch ein erfolgreicher Angreifer, und lobte im Fall Klose die Einführungsphase der Meister-Macher beim SV Werder. "Das haben die Bremer ganz hervorragend gemacht, dafür sind sie ja bekannt", schlug Bierhoff einen versöhnlichen Kurs im leicht angespannten Verhältnis zu den Norddeutschen ein.

"Miro ist ein ruhiger Typ, der nimmt sich alles sehr zu Herzen, spürt eine moralische Verpflichtung gegenüber den Fans und dem Club", charakterisierte der Team-Manager seinen einstigen Sturm-Kollegen. Das zeigt sich auf bei der Aufarbeitung von Oliver Kahns "Finger- Attacke". Klose bleibt unaufregt, auch wenn Kahn ihn lächerlich mache mit solchen Aktionen. "Wir haben gleich nach dem Spiel miteinander gesprochen und die Sache aus der Welt geschafft", sagte Klose und ergänzte zurückhaltend: "Ich will nicht, dass unser Verhältnis leidet."

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