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Klinsmann nicht allein: Junge Auswahl-Trainer im Trend

Frankfurt/Main (dpa) - Jürgen Klinsmann befindet sich in bester Gesellschaft: Immer mehr europäische Fußball-Verbände setzen auf junge und eher unerfahrene Ex-Nationalspieler als Auswahltrainer.

Frankfurt/Main (dpa) - Jürgen Klinsmann befindet sich in bester Gesellschaft: Immer mehr europäische Fußball-Verbände setzen auf junge und eher unerfahrene Ex-Nationalspieler als Auswahltrainer.

In den Niederlanden ist der 39-jährige Marco van Basten verpflichtet worden, in Bulgarien hat der ein Jahr jüngere Hristow Stoitschkow jüngst seine Arbeit aufgenommen und in Wales formt der 40 Jahre alte Ex-Bayern-Profi Mark Hughes an einem WM-Team. Die Tage der alten Trainer-Füchse sind nach einer gewissen Zeit gezählt. «Spitzentrainer haben, wie verderbliches Gut in Supermärkten, ein Ablaufdatum», meint der Technische Direktor des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), Andy Roxburgh.

Lediglich in Spanien und Italien wollten die Verbände kein Risiko eingehen und beriefen nach dem vorzeitigen EM-Aus zwei Routiniers. Bei den Iberern soll Luis Aragones, 66 Jahre alt und mit 757 Spielen der erfahrenste Trainer der Primera Division, den Erfolg zurück bringen, nachdem Inaki Saez vorzeitig das Handtuch geworfen hatte. In Italien schwingt nach Giovanni Trapattoni der 56 Jahre alte und mit Vereinserfolgen dekorierte Marcello Lippi das Zepter. In Griechenland regiert nach seinem EM-Triumph weiterhin der am 9. August 66 Jahre alte werdende «König Otto» Rehhagel, in England der erfahrene, 56 Jahre alte Sven-Göran Eriksson.

Doch der Trend sieht eher anders aus. In Deutschland zwar nur zwangsläufig, nachdem in Ottmar Hitzfeld (55) und Rehhagel zwei Trainer der alten Garde abgesagt hatten. In anderen Ländern von vornherein aber mit Bedacht. Mit nur 38 Jahren soll Stoitschkow den Bulgaren wieder zu Ruhm verhelfen. Beim WM-Dritten von 1998, Kroatien, trägt der elfmalige Ex-Nationalspieler Slatko Kranicar (47) als Nachfolger des 72-jährigen Otto Baric die Verantwortung.

In Schweden ersetzt Ex-Nationalspieler Roland Andersson an der Seite von Trainer Lars Lagerbäck den in den Juniorenbereich gewechselten Tommy Söderberg. «Jeder spürt, dass frisches Blut nötig ist», meint Lagerbäck. Ebenfalls als Co-Trainer soll der 37 Jahre alte ehemalige Profi vom Hamburger SV, Valdas Ivanauskas, Litauen wieder auf die Erfolgsspur bringen. Der ehemalige Welt- und Europameister Frankreich vertraut indes dem ehemaligen Junioren- Auswahl-Coach Raymond Domenech (52).

Einige Verbände bedienen sich fremder Hilfe. So wie Ungarn, das auf die Dienste des 43 Jahre alten deutschen Rekordnationalspielers Lothar Matthäus zählt. Oder Albanien, wo Ex-Auswahlverteidiger Hans- Peter Briegel (49) seinen Kontrakt kürzlich um weitere zwei Jahre bis zur WM verlängerte. Moldawien will mit dem 43 Jahre alten russischen Vize-Europameister von 1988, Wiktor Paschulko, angreifen.

Neue Ideen, neue Wege, neue Hoffnungen - die Vorteile eines Neuanfangs mit einem Neuling liegen auf der Hand. Die möglichen Nachteile allerdings ebenso. An erster Stelle steht die mangelnde Routine. «Die Erfahrung kommt mit der Arbeit», meint allerdings Gero Bisanz, ehemaliger Chef-Ausbilder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei dem Klinsmann im Schnellverfahren vor vier Jahren seinen Trainerschein machte. Solche Spieler wüssten auch, wie man mit Stars umzugehen habe. Und der Erfolg könne sich bei manchen Trainern sehr schnell einstellen, «die überhaupt keine Ausbildung haben».

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