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Klinsmann nominiert Aufgebot gegen Kamerun

Jürgen Klinsmann treibt die Verjüngung der Fußball-Nationalmannschaft auch im letzten Heim-Länderspiel des Jahres voran und setzt mit der Berufung von Neuling Moritz Volz zugleich noch stärker auf das neue „englische Element“.

dpa LEIPZIG. Jürgen Klinsmann treibt die Verjüngung der Fußball-Nationalmannschaft auch im letzten Heim-Länderspiel des Jahres voran und setzt mit der Berufung von Neuling Moritz Volz zugleich noch stärker auf das neue "englische Element".

Nach den verheißungsvollen Debüts von Robert Huth (20) und Thomas Hitzlsperger (22) ist der 21 Jahre alte Abwehrspieler vom FC Fulham bereits der dritte Youngster aus der Premier League, den der Bundestrainer für den Aufbau einer schlagkräftigen WM-Elf "entdeckte".

In Torhüter Oliver Kahn (FC Bayern), dem Bremer Mittelfeldspieler Frank Baumann und Stürmer Kevin Kuranyi berief Klinsmann außerdem drei alte Bekannte in seinen 19-köpfigen Kader für das Testspiel gegen Kamerun, die beim 2:0-Sieg gegen den Iran im vergangenen Monat gefehlt hatten. Kahn wird in Leipzig allerdings nur auf der Ersatzbank sitzen, im Tor steht wie zuletzt in Teheran erneut "England-Legionär" Jens Lehmann.

Nachdem Klinsmann nach einem Telefonat mit Stuttgarts Trainer Matthias Sammer VfB-Verteidiger Andreas Hinkel (Muskelfaserriss) endgültig aus seinem Kader streichen musste, war Volz der erste Nachrücker. "Wir beobachten Moritz seit Monaten intensiv. Ich habe auch schon mit seinem Trainer gesprochen, so dass die Berufung eine logische Entscheidung ist", erläuterte Klinsmann.

Gemeinsam mit seinem Assistenten Joachim Löw wird er nach London fliegen, um sich dort die Spiele von Lehmanns Club FC Arsenal bei Tottenham Hotspur und das Duell zwischen Volz' Verein FC Fulham und dem Premier-League-Spitzenreiter FC Chelsea mit Huth anzusehen. Volz und Huth werden danach gemeinsam mit den Trainern zum Treffpunkt der Nationalmannschaft nach Leipzig reisen.

Anders als Huth beim FC Chelsea und Hitzlsperger bei Aston Villa ist der achtmalige U-21-Nationalspieler Volz bei Fulham Stammspieler. 45 Partien hat der Jung-Profi, der als 17-Jähriger vom FC Schalke zu Arsenal London gewechselt war, seit seinem Debüt am 16. August 2003 in der Premier League für den Londoner Club bestritten. Die Chancen, dass Volz gegen Kamerun auf Anhieb der sechste Debütant der Ära Klinsmann werden könnte, stehen nicht einmal schlecht. Denn neben Hinkel fallen auch der Münchner Andreas Görlitz (Kreuzbandriss) und der ebenfalls am Knie verletzte Arne Friedrich (Hertha BSC) für die Position rechts in der Viererkette aus. "Wir werden sehen, wie er sich einführt. Mal sehen, ob er spielen wird", meinte Klinsmann.

Volz wird sich von Sonntag an in insgesamt vier Trainingseinheiten beweisen können. Im Blickpunkt des Interesses werden aber vor allem die Torhüter Kahn und Lehmann sowie der als Nachfolger von Sepp Maier verpflichtete neue Bundestorwarttrainer Andreas Köpke stehen. Eigens zum "Einführungsgespräch" des Europameisters von 1996 muss auch der Stuttgarter Timo Hildebrand am Wochenende nach Leipzig kommen. Nach dem "Torhüter-Gipfel" reist Hildebrand wieder ab.

Klinsmann war bemüht, dem Torwart-Thema die Schärfe zu nehmen. Schon am Morgen hatte er bei einer Veranstaltung in Berlin angekündigt, dass es in Leipzig nicht zum angekündigten Treffen mit Bayern Münchens Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge kommen wird. Nach Informationen der Münchner Abendzeitung soll das Treffen zwischen Rummenigge sowie Klinsmann und Oliver Bierhoff am 18. November stattfinden.

Klinsmann sieht in dem Torhüter-Konflikt kein Problem, das auf das gesamte Team übergreifen könnte: "Die Mannschaft sieht die Torhüterfrage ganz natürlich. Es ist ja auch augenscheinlich, dass die Diskussion in der Öffentlichkeit von allen geführt wird, nur nicht von Olli und Jens." Klinsmann rechtfertigte den von ihm eröffneten Konkurrenzkampf und bescheinigte den Rivalen um den Platz im Tor bei der WM 2006 professionelles Verhalten. "Sie haben die Situation angenommen. Sicherlich ist dieser Wettbewerb um die Nummer eins etwas gewöhnungsbedürftig. Aber wir haben die Pflicht, diesen Konkurrenzkampf einzuläuten. Immerhin ist die WM das bedeutendste Sportereignis in Deutschland auf viele Jahre hinaus. Wir haben aber auch die Pflicht und die Verantwortung, fair mit beiden umzugehen."

Dagegen sieht Kameruns Nationaltrainer Winfried Schäfer in der Torhüterdebatte eine "unnütze Veranstaltung". Der Abendzeitung sagte der Kahn-Entdecker beim Karlsruher SC, dass Klinsmann mit der Torwart-Rotation Kahn entscheidend geschwächt habe. "Wenn ich Kahn aus der Verantwortung nehme, ihn quasi vom Thron stoße, dann schwächt ihn das und er verliert automatisch seinen positiven Einfluss auf die Mannschaft. Das könnte gefährlich werden", sagte Schäfer.

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