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Klinsmann reagiert: Gipfeltreffen zu Torwartstreit

Gleich mehrere „Friedensgipfel“ in Leipzig sollen den Torwartstreit zwischen Branchenführer Bayern München und Bundestrainer Jürgen Klinsmann entschärfen.

dpa MÜNCHEN. Gleich mehrere "Friedensgipfel" in Leipzig sollen den Torwartstreit zwischen Branchenführer Bayern München und Bundestrainer Jürgen Klinsmann entschärfen.

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Klinsmann haben sich für den 17. November am Rande des Länderspiels gegen Kamerun zu einem Gespräch zur Torhüter-Situation vereinbart. Der Bundestrainer seinerseits will Oliver Kahn, Jens Lehmann und Timo Hildebrand gemeinsam mit dem neuen DFB-Torwart-Coach Andreas Köpke an einen Tisch bitten. "Wir werden mit den Torhütern sprechen, um zu erfahren, wie sie das Ganze empfinden", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff.

"Die Diskussion muss beendet werden", forderte Rummenigge nochmals zu einer schnellen Lösung auf. Bierhoff telefonierte nach dem jüngsten Patzer von Oliver Kahn im Champions League-Spiel gegen Juventus Turin und den Vorwürfen von Rummenigge ("Die Ursache für seinen Fehler liegt in der Nationalmannschaft") mit allen Beteiligten. "Die Bayern setzen viele unter Druck. Aber es bedeutet nicht immer, dass es so abläuft, wie sie es wollen", erklärte Bierhoff deutlich in der "Welt am Sonntag".

Auch Klinsmann übermittelte via "Bild am Sonntag", dass er zwar mit den Bayern-Verantwortlichen alle Probleme besprechen und lösen wolle, aber bei seinen Entscheidungen bleibe. "Ich finde es fatal, dass man nun jeden kleinen Fehler unserer Torhüter diskutiert. Wir werden unsere Linie ganz natürlich weiter verfolgen", erklärte der 40-Jährige. Auch die Nationaltorhüter dürften mal Fehler machen, versicherte Bierhoff Kahn. Sicherlich sei es gut, wenn sich die Vereine für ihre Spieler einsetzen, "aber wir lassen uns nicht unter Druck setzen", sagte der Teammanager.

Das Thema sei viel zu hoch gehängt, meinte Bayern-Trainer Felix Magath: "Es gibt wichtigere Dinge als die Torwart-Diskussion." Tatsache sei, "dass sich der Bundestrainer die Entscheidung, welchen Torwart er 2006 einsetzt, offen lässt und damit einen Konkurrenzkampf eröffnet hat. Damit muss Oliver Kahn leben. Ich bin sicher, dass er das auch tut", meinte der Bayern-Trainer. Und auch Auswahl-Kapitän Michael Ballack stufte das Torwartduell als "normalen Zweikampf wie um jede andere Position auch" ein. "Oliver ist am längsten dabei. Er weiß, wie man mit dem Druck umgeht", betonte Ballack.

"Es gibt ein Vakuum in der Nationalmannschaft. Jürgen Klinsmann wollte einen Zweikampf schüren zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann. Wir müssen aufpassen, dass nicht beide am Ende verlieren", warnte dagegen Rummenigge nochmals in "Premiere". Das sei ein Dauerthema in den Medien, und es könne nicht jede Woche heißen: "Vorteil Kahn oder Vorteil Lehmann." Der Bayern-Chef wurde deutlich: "Die Dinge sind entgleist. Ich bitte im Interesse aller Beteiligten, dass dieses Vakuum geschlossen wird."

Klinsmann misst einzelnen "Hängern" seiner WM-Kandidaten derzeit noch keine Bedeutung bei. "Krisen kommen immer mal vor. Es ist wichtig, dass Oliver das Gefühl hat, wenn es mal nicht so rund läuft, dass wir da sind und auf ihn bauen", äußerte der Bundestrainer im Kölner "Express". Beim WM-Turnier 2006 würde das Selbstvertrauen schließlich eine entscheidende Rolle spielen. "Die Konstellation ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Aber wir ändern nichts an unserem Plan", meinte Klinsmann. Der Wettstreit werde vernünftig ablaufen.

Sorgen macht sich Rummenigge auch über das Klima im Bayern-Team, nachdem Kahn nach dem Spiel gegen Turin seinen Mitspielern Vorwürfe gemacht hatte. "Das ist eben die Gefahr, dass ein Graben entsteht", erklärte der 49-Jährige, "wir müssen daran arbeiten, dass dieser Graben gar nicht erst entsteht. Die Einheit ist das Wichtigste eines Clubs." Einen Seitenhieb auf Kahn verteilte Rummenigge aber doch: "Ich glaube auch, dass einem Oliver Kahn kein Zacken aus der Krone fällt, wenn er einen Fehler macht und diesen Fehler in der Öffentlichkeit zugibt."

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