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Klinsmann schwört DFB-Funktionäre auf die WM ein

Zähes Ringen der Funktionäre, frischer Wind durch Jürgen Klinsmann: 24 Stunden vor der Eröffnung des DFB-Bundestages in Osnabrück stellte sich der neue Bundestrainer bei den höchsten Gremien des Deutschen Fußball-Bundes vor.

dpa OSNABRÜCK. Zähes Ringen der Funktionäre, frischer Wind durch Jürgen Klinsmann: 24 Stunden vor der Eröffnung des DFB-Bundestages in Osnabrück stellte sich der neue Bundestrainer bei den höchsten Gremien des Deutschen Fußball-Bundes vor.

Mit einer aufwendigen und auf Emotionen zielenden Video-Präsentation weckte Klinsmann bei den altgedienten Spitzenfunktionären von DFB-Präsidium und-Vorstand die Vorfreude auf die WM 2006 und erntete viel Zustimmung und Applaus. "Das war elegant, ganz toll gemacht", befand DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun. "Klasse", meinte auch DFL-Präsident Werner Hackmann.

"Wir haben ihnen geschildert, wie wir die Sache angehen wollen, dass wir uns im Boot des DFB sehen", sagte Klinsmann: "Die WM ist eine Aufgabe für uns alle, eine nationale Angelegenheit." Gemeinsam mit Assistent Joachim Löw, Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Andreas Köpke, der kurz zuvor noch seinen Vertrag als neuer Bundestorwarttrainer unterschrieb, stellte Klinsmann seine Visionen dar: "Ich habe ihnen unsere Spielphilosophie aufgezeigt."

Der schwelende WM-Quartierstreit wurde allerdings nicht aufgegriffen. Dabei saßen mit dem direkt aus Los Angeles eingeflogenen Bundestrainer sowie der künftigen DFB-Doppelspitze Gerhard Mayer-Vorfelder/Theo Zwanziger und Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser alle Beteiligten im Saal "Westfälischer Friede".

Für die Funktionäre des DFB und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) war der Auftritt eine willkommene Abwechslung zwischen ihrem Streben, tragfähige Kompromisse für die Vollversammlung zu finden. Zwar wurde der neu ausgehandelte Grundlagenvertrag von den Spitzengremien abgesegnet. Ansonsten aber sind DFB und DFL weit entfernt vom Kongressmotto "Kräfte bündeln für 2006".

In der besonders umstrittenen Frage, wie die Regionalligen und der DFB-Pokal reformiert werden sollen, kamen sich Amateurvertreter und Profilager keinen Deut näher. Um die offene Konfrontation zu verhindern, stellte das DFB-Präsidium deshalb den Leitantrag, das Thema beim Kongress erst gar nicht zu behandeln. Ebenfalls keinen Kompromiss gibt es bei der Wahl des Schatzmeisters: Sowohl Bayerns Verbandschef Heinrich Schmidhuber als auch der vom Ligavorstand vorgeschlagene derzeitige DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub bekräftigten ihre Kandidatur. Auf Grund der Stimmenverteilung im Bundestag von 256:92 gilt Amateurvertreter Schmidhuber als klarer Favorit.

Völlig offen ist hingegen, ob es zu der vom Ligaverband beantragten Altersbegrenzung für DFB-Funktionäre von 70 Jahren kommt. Zwar befürwortet auch das DFB-Präsidium mehrheitlich - aber keineswegs einstimmig - die Initiative, die am 1. Juni 2006 in Kraft treten soll. Doch ein beträchtlicher Teil der Delegierten würde sich damit selbst abwählen. "So ruhig wie auf den letzten Bundestagen wird es diesmal nicht", prophezeite Frank Beckenbauer angesichts der im Vorfeld offenkundigen Kontroversen in Sachthemen.

Weitgehende Einigkeit herrscht immerhin darin, dass die Zahl der Nicht-EU-Ausländer in der Bundesliga auf vier und in der 2. Liga auf drei von bislang jeweils fünf begrenzt werden soll. Als sicher gilt auch die Wahl Holzhäusers zum sechsten DFB-Vizepräsidenten, womit die DFL eine Sperrminorität im höchsten Verbandsgremium ausüben könnte.

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