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Klinsmann testet in Japan neues System

Mit Debütant Patrick Owomoyela, einem neuen System und Zweitliga-Bomber Lukas Podolski will Jürgen Klinsmann die erste Herausforderung der Asien-Reise bestehen.

dpa YOKOHAMA. Mit Debütant Patrick Owomoyela, einem neuen System und Zweitliga-Bomber Lukas Podolski will Jürgen Klinsmann die erste Herausforderung der Asien-Reise bestehen.

In einem ungewöhnlich langem Abschlusstraining testete der Bundestrainer in Yokohama die ausgedachten taktischen und personellen Varianten. Vor allem aber erwartet er exakt 900 Tage nach dem verlorenen WM-Finale gegen Brasilien (0:2) bei der Rückkehr ins "International Stadium" von Yokohama eine Top-Einstellung. "Bevor die Spieler in den wohlverdienten Urlaub gehen, wollen wir noch einmal etwas leisten. Die Spieler wissen, dass sie Gas geben müssen", sagte Klinsmann vor dem hoch karätigsten der drei Testspiele auf der Fernostreise gegen Asien-Meister Japan.

Nach viel Freizeit und Schlaf brachte er sein 17-köpfiges Aufgebot in 90 Übungsminuten wieder auf Betriebstemperatur. "Wir haben versucht, sehr, sehr intensiv zu trainieren, damit die Spieler die Spannung hochfahren und kein Trott hereinkommt", erläuterte Assistent Joachim Löw. Nach dem Abschlusstraining blieb eigentlich nur eine Frage offen: Wer spielt hinten links in der Viererkette, nachdem eine Dreierreihe verworfen wurde? Weil Stammkraft Philipp Lahm und seine Stuttgarter Kollegen Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel und Timo Hildebrand erst am Sonntag gegen Südkorea zur Verfügung stehen, ist der Bremer Neuling Christian Schulz der einzig verfügbare Facharbeiter für diese Position.

Der Trainerstab wollte sich 24 Stunden vor dem Anpfiff noch nicht auf den 21-jährigen Schulz festlegen. Der Einsatz von gleich zwei Länderspiel-Debütanten in der Abwehr könnte doch zu riskant sein. Denn auf der rechten Seite ist das Debüt des Bielefelders Owomoyela beschlossene Sache: "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass Patrick spielte", sagte Löw, was einer Einsatzgarantie gleichkam. Zumal Owomoyela nach dem Training auch noch auf der Pressekonferenz des DFB die Vorfreude auf sein erstes Länderspiel persönlich kundtun durfte. "Ich habe mir zum Ziel gesetzt, das Ganze so positiv wie möglich zu gestalten. Ich bin schon jetzt dabei, das Ganze in vollen Zügen zu genießen", sagte der 25-Jährige.

Den Ehrgeiz der "Superlocke", der sich für die DFB-Auswahl und gegen eine internationale Karriere für Nigeria entschieden hat, bekam Thomas Brdaric schmerzhaft zu spüren. Bei einem "harten, aber fairen Zweikampf", wie Owomoyela zutreffend sagte, zog sich der Wolfsburger Stürmer eine Blessur am rechten Fuß zu, konnte aber nach einer Behandlungspause weiter trainieren. Die taktische Systemumstellung von 4-4-2 auf 4-3-3 blieb durch diese Aktion ohnehin ungefährdet. Denn bei seinem Premieren-Versuch mit drei Stürmern will Klinsmann neben dem Bremer Miroslav Klose und dem Schalker Gerald Asamoah den 19-jährigen Lukas Podolski erstmals in die Anfangsformation beordern. Für die pünktliche Mitreise des neunfachen Saison-Torschützen war extra die Zweitliga-Partie des 1. FC Köln gegen den MSV Duisburg um einen Tag vorverlegt worden.

Gegen die personell arg geschwächten Japaner, bei denen drei Europa-Legionäre und fast die gesamte Abwehrreihe ausfallen, soll Offensive Trumpf sein. "Wir haben uns dazu entschlossen, immer schnell zu spielen, immer Tempo-Fußball zu spielen und den Gegner unter Druck zu setzen", betonte Oliver Kahn. Der Keeper, der sein 75. Länderspiel bestreitet, stand beim Torwarttraining mit Andreas Köpke erstmals wieder in dem Tor, in dem ihm im WM-Finale 2002 der folgenschwere Fehler zum 0:1 durch Ronaldo unterlief. Nicht nur für Kahn, auch bei Kapitän Michael Ballack ist das Spiel in der Arena von Yokohama mit schlechten Erinnerungen verbunden. Denn beim WM-Finale musste er wegen Gelb-Sperre tatenlos zusehen. "Da kommen schon Erinnerungen hoch", bemerkte Ballack.

Solche Negativ-Erlebnisse können die Nationalspieler in Zukunft auch mit dem von Klinsmann geholten Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann verarbeiten. In einem 30-minütigen Vortrag gab der 44-Jährige dem Nationalteam erstmals Einblick in seine Arbeit. Auf den Verlauf der Asien-Reise hat Hermanns Wirken aber wohl noch keine Auswirkungen, auch wenn Kahn die Partie zur Kopfsache erklärte: "Hier kann man seine mentale Stärke testen", meinte der Torwart mit Blick auf die Müdigkeit durch Jetlag und eine anstrengende Bundesliga- Vorrunde. Der Ernstfall kommt erst bei der WM, wie Ballack meint: "Es geht - in Anführungszeichen - um nichts bis 2006."

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