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Klinsmann versichert Kahn Fairness

„Gelbe Karte“ für Timo Hildebrand, aufmunternde Worte für Oliver Kahn: Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat dem Bayern-Kapitän nach dem Aus für Torwart-Trainer Sepp Maier absolute Fairness und eine Führungsposition im Kampf um die Nummer 1 bei der WM 2006 zugesichert.

dpa MÜNCHEN. "Gelbe Karte" für Timo Hildebrand, aufmunternde Worte für Oliver Kahn: Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat dem Bayern-Kapitän nach dem Aus für Torwart-Trainer Sepp Maier absolute Fairness und eine Führungsposition im Kampf um die Nummer 1 bei der WM 2006 zugesichert.

Erstmals bekam dagegen im Torhüterstreit der Nationalmannschaft auch Timo Hildebrand die kompromisslose Linie der neuen Führung zu spüren. Der Schlussmann des VfB Stuttgart erhält für seine in einem Interview geübte Kritik an Kahn wegen dessen Attacke gegen Miroslav Klose eine "mündliche Abmahnung", so Team-Manager Oliver Bierhoff.

Die Strafankündigung in der "Bild"-Zeitung relativierte Bierhoff nach einem Gespräch mit Hildebrand. "Das ist keine Abmahnung, wie sie sich der normale Arbeitnehmer vorstellt", sagte Bierhoff der dpa: "Wer Timo kennt, weiß, dass seine Aussagen nicht böse gemeint waren. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass er bei dem Thema sensibler sein muss. Das ist ein Lernprozess für die Spieler."

Klinsmann versicherte derweil Kahn, dass der Wechsel auf der Position des Torwarttrainers, die künftig Andreas Köpke einnehmen soll, für den Münchner keine negativen Konsequenzen habe. "Olli Kahn wird in keiner Weise benachteiligt", erklärte der Bundestrainer im "kicker": "Er geht als Nummer 1 in diese Konkurrenz", fügte der 40-Jährige hinzu. Den Konkurrenzkampf zwischen den Rivalen Kahn und Lehmann sowie dem möglichen "lachenden Dritten" Hildebrand wird Klinsmann womöglich früher als ursprünglich geplant entscheiden. Den Vorschlag von Ex-Nationaltorhüter Uli Stein, sich bereits ein halbes Jahr vor WM-Beginn auf die Nummer 1 festzulegen, nahm Klinsmann positiv auf: "Ein guter Hinweis, der bei uns diskutiert wird."

Alle drei Torhüter erhalten in diesem Jahr noch die Chance, sich in Länderspielen zu profilieren. Lehmann wird nach seiner guten Leistung gegen den Iran (2:0) auch am 17. November in Leipzig gegen Kamerun im Tor stehen. Während der Asien-Reise vom 13. bis 22. Dezember, die ohne den bei Arsenal London beschäftigten Lehmann stattfindet, darf Kahn gegen Japan und Südkorea spielen. Hildebrand soll zum Abschluss gegen Thailand zum Einsatz kommen. Dies sei so "langfristig" mit den Torhütern abgesprochen, sagte Klinsmann.

Mit Unverständnis reagierte der Stuttgarter Trainer Matthias Sammer auf die Abmahnung von Hildebrand, der in Bezug auf Kahn gesagt hatte: "Ich will keiner werden, der anderen an die Gurgel geht." Die Äußerungen seines Torwartes seien "völlig harmlos" gewesen, meinte Sammer. "Es ist problematisch, wenn man sich so nicht mehr äußern darf." Der VfB-Coach bewertete Hildebrands Verhalten dagegen als richtig und positiv: "Ich freue mich, dass Timo was gesagt hat. Er ist auf dem Weg, eine Persönlichkeit zu werden."

Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack gab Hildebrand hingegen folgenden Rat: "Timo ist ein junger Spieler, der sich mit Äußerungen über Kahn zurückhalten sollte." Zwischen den beiden würden noch Welten liegen. Der VfB-Torhüter selbst bereut den Inhalt seiner Aussagen nicht. "Ich stehe dazu und kann damit gut leben", sagte Hildebrand dem Deutsches Sportfernsehen (DSF). Allerdings habe er das Interview mit den kritisierten Äußerungen schon vor einer Woche gegeben und die Entwicklung nicht absehen können. Eine Lehre zieht er aus dem Wirbel: "Ich muss einfach mehr aufpassen, was ich sage. Die Worte werden anders gewichtet."

Bierhoff machte Hildebrand deutlich, dass die neue Teamführung Äußerungen mit einem klaren Bezug zu einem Konkurrenten nicht mehr akzeptieren wolle. Auch Kahn-Rivale Lehmann ist bereits verwarnt worden. "Jens darf sich nichts mehr erlauben", bekräftigte Bierhoff in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Unter Umständen wird laut Bierhoff auch vor dem Rauswurf eines Nationalspielers nicht Halt gemacht. "Wir würden auch diesen konsequenten Schritt gehen, wenn wir merken, dass es Unruhe in der Mannschaft gibt, und dass es uns an unserem Ziel, bei der WM 2006 ganz oben zu stehen, hindern würde", sagte er dem DSF.

Klinsmann und Bierhoff wehren sich im übrigen energisch gegen den im Zuge der Maier-Ablösung erhobenen Vorwurf der "Vetternwirtschaft" bei der Neubesetzung von Nationalmannschafts-Posten. "Es ist doch etwas Selbstverständliches, dass sich ein Cheftrainer einen Stab aufbaut", bemerkte Klinsmann. Schließlich stehe er sportlich in der Verantwortung: "Wenn es nicht gut geht, schießen sie mich auf den Mond." Mit der Verpflichtung von Köpke, die nur noch Formsache ist, seien seine Personalplanungen vorerst abgeschlossen: "Der Stab steht jetzt", sagte Klinsmann. Ein Mental- und Schnelligkeitstrainer sollen nicht sofort verpflichtet werden, sind aber weiter geplant.

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