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Klinsmann verspricht Mut gegen Brasilien

Sebastian Deisler will unbedingt spielen, Jürgen Klinsmann verspricht eine mutige Einstellung gegen Brasilien, und Michael Ballack warnt vor zu vielen Veränderungen.

dpa BERLIN. Sebastian Deisler will unbedingt spielen, Jürgen Klinsmann verspricht eine mutige Einstellung gegen Brasilien, und Michael Ballack warnt vor zu vielen Veränderungen.

Nach zwei Tagen mit ungewöhnlichen Tests und etlichen Gesprächen schwor Neu- Bundestrainer Klinsmann die Spieler in Berlin weiter auf das Duell mit dem fünffachen Fußball-Weltmeister ein: "Das ist jetzt ein ganze anderer Brocken, eine andere Messlatte. Aber wir versuchen, auch gegen Brasilien unser Spiel vorzugeben, aktiv zu sein, einen hohen Rhythmus zu gehen." Eine besondere Rolle kommt dabei Rückkehrer Deisler zu, der erstmals seit dem September 2003 wieder das DFB-Trikot überstreifen wird.

Zwar wollte Klinsmann noch nicht bestätigen, dass der von Depressionen geheilte Deisler in der Startelf stehen wird. Doch der 24-jährige Münchner selbst sieht keinen Grund mehr für eine Schonfrist wie zuletzt beim Spiel in Österreich. "Für mich gilt jetzt, so viele Spiele wie möglich zu machen. Dazu gehört auch die Nationalmannschaft", erklärte Deisler. Es sei für ihn "ein echter Neuanfang", ergänzte der Ex-Berliner und redete offen über seine Gefühle: "Für mich ist jedes Spiel ein echtes Geschenk, es sah ja schon mal ganz anders aus. "

Bei einer taktischen Übungseinheit deutete Klinsmann bereits an, wo Deislers Platz im Team gegen Brasilien sein könnte: Rechts vor seinem Bayern-Kollegen Torsten Frings und neben Michael Ballack. "Wir nehmen seinen Rhythmus auf", sagte der Bundestrainer und machte damit klar, dass er die "große Hoffnung" Deisler aber weiterhin noch als Sonderfall sieht. Im Training wie im Umfeld setzte Klinsmann ansonsten erneut viele neue Reize. "Es passt, gerade auch mit Oliver Bierhoff. Beide kennen die Bedürfnisse der Spieler", meinte der 20-malige Nationalspieler Deisler.

Kapitän Ballack verwies allerdings auch auf das Risiko, das in der gegenwärtigen "Probierphase" steckt. "Wir können etwas verbessern, aber unser Stil wird bleiben. Wir dürfen ihn auch nicht zu sehr verändern. Denn wenn man zu viel verändern will, verlieren wir auch unsere Stärke", meinte der "Chef" mit Hinweis auf die Vize-Weltmeisterschaft 2002. Dort sei gerade die Mentalität ausschlaggebend für den Erfolg gewesen. "Wenn wir mit Glück 1:0 gegen Brasilien gewinnen und die anderen sind eigentlich besser - das ist doch auch etwas Schönes", sagte Ballack.

Der Bremer Fabian Ernst konnte wegen einer Verletzung am rechten Knie nicht mit der Mannschaft trainieren, soll aber rechtzeitig wieder fit werden. Torwart Oliver Kahn kehrte nach überstandenen Halswirbel-Problemen im Amateurstadion von Hertha BSC ins Teamtraining zurück. "Natürlich hat die Partie einen hohen Stellenwert - für die ganze Mannschaft, nicht nur für mich. Danach weiß man, wo man steht", erklärte Kahn.

Bierhoff eröffnete derweil eine Sympathie-Offensive, denn nicht zuletzt die Spiele und die Abschottung bei der EM in Portugal kostete das DFB-Team viele Pluspunkte. "Wir müssen einfach Dinge tun, damit die Leute wieder dieses Wir-Gefühl bekommen", betonte der Teammanager. Als einen ersten Schritt hatte der Teammanager die Olympioniken Robert Bartko (Rad), Patrick Weissinger (Wasserball) und Tibor Weißenborn (Hockey) zu einem gemeinsamen Essen ins Hyatt-Hotel im Herzen der Hauptstadt eingeladen, wo das DFB-Team logiert.

Bierhoff erhofft sich eine "Initialzündung für unsere Spieler" aus den Berichten, wie in anderen Sportarten mit dürftiger Förderung und weit weniger Geld Großes geleistet werden kann. "Ich denke, dass wir uns viel mehr mit dem beschäftigen, was wir tun", meinte Weissinger. "Wir horchen mehr in unseren Körper hinein. Verwunderlich, dass das Fußballer weniger tun", ergänzte der Mann vom Serienmeister Wasserfreunde Spandau.

Klinsmann konfrontierte seine Profis mit ungewohnten Trainings-Methoden: In drei Gruppen mussten sich die 20 Nationalspieler am Wochenende einem 90-minütigen Programm mit Sprint- und Sprungübungen sowie Beweglichkeits- und Geschicklichkeitstests stellen, die von amerikanischen Fitness-Experten von "Athletes Performance" geleitet wurden. Zudem demonstrierten die Spezialisten aus Übersee ein für Fußballer völlig untypisches Aufwärmprogramm mit Gummibändern und Koordinations-Übungen.

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