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Klinsmann: Wir müssen Veränderungen durchsetzen

dpa: Herr Klinsmann, wird bis zum Sonntag geklärt sein, wer die Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft 2006 vorbereitet?

dpa: Herr Klinsmann, wird bis zum Sonntag geklärt sein, wer die Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft 2006 vorbereitet?

Jürgen Klinsmann: «Ich habe kein Zeitlimit und lasse mich nicht unter Druck setzen. Es ist schwer vorstellbar, dass alles bis Sonntag entschieden ist. Ich sitze noch hier in Los Angeles, telefoniere pausenlos. Wann ich nach Deutschland komme, hängt von den Gesprächen in den nächsten Tagen ab».

dpa: Demnach darf man sie noch nicht Cheftrainer, Bundestrainer, Generalmanager oder Manager der Nationalmannschaft nennen?

Klinsmann: «Nein, weder noch. Es wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen, wer welche Funktion ausüben wird. Ich habe mich bereit erklärt, in gewisser Funktion zu helfen, aber es muss natürlich alles stimmen. Personell, von den Leuten, die da mitmachen, von den Erwartungen, die vom DFB kommen. Wenn ich einen Fulltime-Job annehme, muss ich mich so wohlfühlen und müssen die Bedingungen so super sein wie bei den Los Angeles Galaxy.»

dpa: Wie kann die DFB-Auswahl bei der WM 2006 erfolgreich ist?

Klinsmann: «Es muss Stück für Stück eine neue Struktur ums DFB-Team aufgebaut werden. Neben der Schaffung eines Manager-Postens muss es ein Umdenken geben, was das Umfeld betrifft. Es sollte ähnlich sein wie unter amerikanischen Verhältnissen, wo zum Beispiel ein NBA- oder NFL-Team einen erweiterten Expertenstab hat, wo Spezialisten im psychologischen, Schnelligkeits- oder Sprungkraftbereich arbeiten.»

dpa: Kann man wirklich von den Amerikanern etwas lernen?

Klinsmann: «Man kann von jedem etwas lernen. Wir müssen uns ein bisschen öffnen und über die Grenzen schauen, wo es gute Beispiele gibt und das Nützliche herausziehen. Die Franzosen haben es uns vorgemacht, wie man eine Struktur aufbauen kann. Vor allem auch vom Nachwuchs-Fußball her. Die haben Talente entwickelt, die sich sehen lassen können. Es muss sich eine offene Kommunikation entwickeln, bei der auch die Bundesliga-Trainer mit am Tisch sitzen sollen.»

dpa: Sie waren einer der größten Kritiker des DFB. Wie kam es zum Sinneswandel?

Klinsmann: «Konstruktive Kritik ist sehr, sehr wichtig, die werde ich immer üben. Man muss sich die Gedanken ins Gesicht sagen. Jeder muss dabei die gleiche Zielsetzung haben, dem DFB wirklich helfen zu wollen, eine Stimmung aufzubauen, die uns in Deutschland Positives für 2006 bringt. Wir haben das größte Sportereignis der Welt vor Augen. Diese Möglichkeit kommt in den nächsten 30, 40 Jahren nicht wieder. Deshalb müssen sich die Leute, die im Umfeld etwas zu sagen haben, öffnen, offen sein für Kritik, Schlüsse daraus ziehen und Veränderungen durchsetzen».

dpa: Der Ex-Bremer Andreas Herzog bei Los Angeles Galaxy meint, dass Sie als Coach mit der DFB-Elf Weltmeister werden könnten. Doch als Trainer haben Sie doch gar keine Erfahrung?

Klinsmann: «Das ist richtig, ich habe wenig Trainer-Erfahrung. Daher ist wichtig, dass eine Struktur aufgebaut wird mit Leuten, die diese Erfahrung haben. Wir müssen analysieren, wer welche Stärken und Schwächen hat.»

dpa: Mit wem würden Sie gern zusammenarbeiten?

Klinsmann: «Die Namen gebe ich nur intern wider. Wir sollten uns Zeit lassen, um mit verschiedenen Leuten zu sprechen, auch die bisher nicht genannt wurden, um sich ein besseres Bild machen zu können. Man kann nicht von heute auf morgen sagen, wenn wir den und den haben, funktioniert alles wieder. Wohlwissend, dass die Öffentlichkeit in Deutschland erwartet, dass endlich ein Deckel drauf gemacht wird.»

dpa: Können Sie sich vorstellen, dass sie die DFB-Elf mit Oliver Bierhoff und Holger Osieck zum Erfolg führen?

Klinsmann: «Vorstellbar ist alles.»

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