Klon-Experimente: Berlin kritisiert Zellen-Versuch in USA

Klon-Experimente
Berlin kritisiert Zellen-Versuch in USA

In Deutschland ist die Nachricht von den Klon-Versuchen des US-Unternehmens ACT auf einhellige Kritik gestoßen.

ink BERLIN. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), die stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Maria Böhmer, Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein Volhard, Gewerkschafter und auch die Ärztekammer sprachen von einem "unverantwortlichen Vorgehen". Gleichzeitig betonten alle, dass das Embryonenschutzgesetz in Deutschland ähnliche Versuche wie in den USA seit langem verbiete. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die auf eine liberalere Politik im Umgang mit bereits vorhandenen embryonalen Stammzellen dringt, distanzierte sich von den Klon-Experimenten. Von einer Doppelmoral der US-Regierung sprach Bulmahn, weil für private und öffentlich geförderte Forschung unterschiedliche Regeln aufgestellt würden.

Weniger einig war man sich allerdings gestern bei der Beantwortung der Frage, inwieweit die Klonversuche in den USA Einfluss auf die deutsche Debatte über den Import embryonaler Stammzellen haben sollte. Zu dieser Frage will der vom Bundeskanzler einberufene Nationale Ethikrat am Donnerstag sein Votum abgeben. Am Wochenende hatten der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement und der Bonner Gen-Forscher Oliver Brüstle gefordert, der Bundestag solle sich anders als die Parlaments-Enquetekommission für den Import und die Forschung an überzähligen Embryonen aussprechen.

Dagegen sieht die Union die Arbeit der US-Forscher als Beleg für die Gefahren der Stammzellforschung mit Embryonen. Ohnehin sei der therapeutische Nutzen ungesichert, die ethisch unbedenkliche Arbeit an erwachsenen (adulten) Stammzellen etwa aus Nabelschnurblut dagegen vielversprechender. "Clement hätte sich besser für die Aufstockung der nur 6 Mill. DM Bundes-Förderung für adulte Stammzellen aussprechen sollen", kritisierte Unions-Fraktionsvize Böhmer. Sie übte gleichzeitig scharfe Kritik an einem Vorschlag Bulmahns, die Arbeiten mit importierten Stammzellen registrieren zu lassen, falls der Bundestag dem Import im Januar 2002 zustimme.

Änderung der Forschungsförderrichtlinien

Bulmahn hat vorgeschlagen, in diesem Falle die Forschungsförderrichtlinien des Bundes so zu ändern, dass bei Projekten nachgewiesen werden muss, dass die Stammzellen nicht zu Forschungszwecken produziert wurden, sondern bei der künstlichen Befruchtung "übrig blieben". Zudem müsse die Spenderin ihr Einverständnis erklärt haben und auch kein Geld für die Ei-Spende genommen haben. Außerdem sollte geprüft werden, ob bei der Forschung wirklich hochrangige Ziele verfolgt würden. Mit der Änderung der Förderrichtlinie würden nach Einschätzung des Ministeriums die meisten einschlägigen Forschungsvorhaben in Deutschland erfasst. Um auch einen Überblick über Arbeiten in Unternehmen zu erhalten, schlägt Bulmahn außerdem eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie vor. Dem Vorsitzenden des Nationalen Ethikrates, Spiros Simitis, geht der Vorschlag jedoch nicht weit genug: Er dringt auf eine gesetzliche Regelung, um Transparenz zu schaffen.

Unterdessen verstärken sich die Bemühungen der EU-Regierungen, sich auf eine gemeinsame Linie in Fragen der Bioethik zu verständigen. Frankreich und Deutschland etwa hatten kürzlich auf dem Gipfeltreffen in Nantes ihre Positionen abgestimmt. Auch die britische Regierung, die auf dem Gebiet der Humangenetik eine sehr liberale Forschungspolitik betreibt, will nun zumindest einige Schranken einbauen: So soll das Parlament in London noch in dieser Woche das Einpflanzen geklonter Embryonen in den Mutterleib verbieten. Das Klonen zu medizinischen Zwecken bleibt hingegen - anders als in den anderen EU-Staaten - erlaubt.

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