Klonen als neue "Form der menschlichen Fortpflanzung"
Letzte Hoffnung für viele Kranke

Parkinson-Kranke erhalten neue Nervenzellen, Herzinfarkt-Patienten gesundes Herzgewebe und Diabetiker funktionstüchtige Zellen der Bauchspeicheldrüse. Für Wissenschaftler sind solche Therapien schon ein greifbares Szenario. Die Entscheidung des britischen Unterhauses, das Klonen von Embryo-Zellen zu erlauben, bedeutet für die Forschung einen großen Schritt nach vorn. Doch moralisch ist das so genannte therapeutische Klonen heftig umstritten.

ap LONDON. Den Schlüssel zur Therapie für viele heute noch unheilbare Krankheiten liefern die Stammzellen des Körpers, aus denen sich verschiedene Typen von Zellen mit unterschiedlichen Funktionen entwickeln können. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung, so schätzt Professor Richard Garner von der Oxford-Universität, könnten von derartigen Behandlungsmethoden profitieren. Allerdings ist das Klonen embryonaler Stammzellen bislang verboten. Großbritannien könnte das erste Land werden, in dem dieses Verbot fällt.

"Das Parlament wird nicht gebeten, heute den Rubikon zu überqueren", betonte die britische Gesundheitsministerin Yvette Cooper vor der Abstimmung im Unterhaus. Das Klonen von Menschen sei illegal und müsse illegal bleiben. Die am Dienstag gebilligte Gesetzesänderung erlaubt es Forschern, Embryonen zu therapeutischen Zwecken zu klonen, um ihnen Stammzellen zu entnehmen, so lange sie nicht älter als als 14 Tage sind. Aus diesen Stammzellen könnten dann beispielsweise gesunde Nervenzellen oder gesundes Gewebe für schwer kranke Patienten produziert werden - ein Schritt der gleichzeitig das Hauptproblem der heutigen Transplantationsmedizin lösen würde, nämlich das Abstoßen körperfremden Gewebes. Denn die im Labor gezüchteten Zellen wären genetisch mit den Zellen des Patienten identisch.

Von der Eizelle zu den Stammzellen

Das Szenario sieht im Groben folgendermaßen aus: Wissenschaftler schaffen den Klon eines kranken Patienten, indem sie aus einer Spender-Eizelle den Zellkern entfernen, der die Erbinformation trägt. Stattdessen wird dieser Eizelle der Kern einer Zelle des Patienten eingepflanzt. Anschließend wird sie zur Zellteilung stimuliert und wächst zu einem Embryo heran. Im Alter von drei bis vier Tagen könnten diesem geklonten Embryo Stammzellen entnommen werden.

Hoffnung für Zigtausende

Während Wissenschaftler und Patientengruppen die Entscheidung des Unterhauses begrüßen, warnen andere vor den moralischen Implikationen der geplanten Gesetzesänderung. "Wollen wir als Gesellschaft wirklich diesen gefährlichen Sprung wagen, ohne viel mehr darüber nachzudenken?" fragt der Erzbischof von Westminster, Cormac Murphy O'Connor. Schließlich sei Klonen, auch zu therapeutischen Zwecken, "eine neue Form der menschlichen Fortpflanzung".

Dagegen argumentieren die Befürworter des therapeutischen Klonens, für Zigtausende Menschen sei dies die einzige Hoffnung auf Heilung. Und es werde ohnehin noch lange dauern, bis die Therapien so weit entwickelt seien, dass sie wirklich zum Einsatz kommen könnten, betont Charles George, der medizinische Direktor der britischen Herzstiftung. "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns."

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