Klub-Manager Pander schließt weitere Verpflichtungen nicht aus
Der Tiger kämpft mit den Wölfen

Der VfL Wolfsburg hat mit einem spektakulären Transfer für einen echten Paukenschlag in der noch jungen Bundesliga-Saison gesorgt. Stefan Effenberg wird nach der vergeblichen Suche nach einem Engagement im Ausland nun doch in der Heimat bleiben und mit den Wölfen um Punkte in der hiesigen Elite-Liga kämpfen. Er unterschrieb am Freitag einen Einjahresvertrag beim Klub aus der Volkswagen-Stadt.

WOLFSBURG/DÜSSELDORF. Nachdem die Niedersachsen erst vor einer Woche an der Verpflichtung von Ciriaco Sforza gescheitert waren, lief der Effenberg-Deal unter dem Motto "top secret" ab. Der bis zur Sommerpause für den Rekordmeister FC Bayern München spielende Mittelfeldspieler und seine Lebensgefährtin Claudia Strunz standen nach Angaben des Vereins, der Effenberg als seinen "Wunschspieler" bezeichnete, bereits seit längerem mit VfL-Manager Peter Pander in Kontakt - ohne dass etwas durchsickerte. "Wir haben ein deutliches Zeichen gesetzt, dass wir auch außergewöhnliche Transfers durchziehen können", frohlockte Manager Peter Pander über den spektakulärsten Deal der Vereinsgeschichte. "Effenberg wollte eine Herausforderung, die können wir ihm geben."

Die Entscheidung Effenbergs für einen Wechsel in die Provinz fiel nach Vereinsangaben bereits Mitte dieser Woche. "Das Konzept und die Ideen des Vereins haben mich überzeugt. Es ist für mich eine große sportliche Herausforderung, der ich mich gerne stellen möchte", ließ der "Tiger" über seinen neuen Verein mitteilen. Sein Salär bleibt zunächst das Geheimnis der Beteiligten. Beim FC Bayern soll der Blondschopf zuletzt rund 4,5 Mill. ? verdient haben.

"Wir sind sehr froh darüber, dass wir unseren Fans einen der herausragenden Spieler der letzten Jahre präsentieren können. Stefan Effenberg ist für uns eine riesige Verstärkung", ergänzte Pander. Das Spiel des VfL gegen Effenbergs alten Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach am Sonntag kommt für den 34-Jährigen indes noch zu früh. Der Mittelfeldstratege soll am Montag offiziell vorgestellt werden und wird dann wohl im nächsten Auswärtsspiel des VfL bei Arminia Bielefeld (24. August) seine Premiere im VfL-Trikot feiern.

Der VfL hat große Pläne

Der Deal passt zu den hochfliegenden Plänen der Wolfsburger. "Der VfL muss in die Champions League", hat Volkswagen-Konzernchef Bernd Pischetsrieder gefordert. Der Automobil-Konzern ist seit vergangenem Jahr Mehrheitsgesellschafter der VfL Wolfsburg-Fußball Bei einer erstmaligen Sitzung des Konzern-Vorstandes mit den Fußball- Geschäftsführern ist vor einigen Wochen die langfristige Strategie festgelegt worden.

In einer VW-Stellungnahme hieß es, dass das Unternehmen sich "eine sportliche Stärkung der Mannschaft auf dem Weg zum europäischen Spitzenfußball erwartet". Weitere Transfers wollte Pander nicht ausschließen. "Es gibt die eine oder andere Überlegung. Wir sind aber nicht unter Zugzwang, bis zum Ende der Wechselfrist etwas zu unternehmen."

Am Morgen bei Austria Wien abgesagt

Noch wenige Stunden zuvor hatte alles auf ein Karriereende des exzentrischen Mittelfeldspielers hingedeutet. Am Morgen noch hatte der ehemalige Kapitän des FC Bayern München das Angebot von Austria Wien über einen Einjahres-Vertrag abgelehnt. "Aus persönlichen Gründen", bestätigte der Manager des österreichischen Fußball-Bundesligisten, Peter Svetits, den Verzicht des 35-maligen Nationalspielers auf ein Engagement bei den "Veilchen". Danach wurde spekuliert, der Mittelfeld-Regisseur plane offenbar, mit seiner neuen Lebensgefährtin Claudia Strunz nach Florida auszuwandern, wo die Kinder aus seiner Ehe mit Martina Effenberg derzeit leben.

Effenbergs Absage in Wien habe "absolut nichts mit Austria Wien zu tun. Er hat sich zudem noch für das gute Gespräch bedankt", sagte Svetits der österreichischen Nachrichten-Agentur (APA) am Freitag. Der Spielmacher hatte nach Verhandlungen mit Svetits noch einen Tag Bedenkzeit erbeten. Dem Vernehmen nach hatte der Hauptstadt-Club "Effe" einen stark leistungsbezogenen Vertrag über zwölf Monate angeboten, bei dem der mittlerweile 34 Jahre alte Profi erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf hätte nehmen müssen. Die Rede war ein Kontrakt für zwölf Monate über 1,5 Mill. ?.

Spektakuäre Wende in der Karriere des Stefan E.

Effenberg hatte bislang immer einen Wechsel in der Bundesliga ausgeschlossen, hatte lediglich seinen Stammverein Mönchengladbach ausgenommen. Dem war er aber zu teuer. Jetzt die spektakuläre Wende.

Drei Mal (1999/2000/2001) wurde "Effe" mit dem FC Bayern Deutscher Meister, 2000 auch DFB-Pokalsieger sowie 2001 als "Kopf" des Bayern-Teams Champions-League-Sieger. 35 Mal spielte er für Deutschland und erzielte dabei fünf Tore.

Unrühmlicher Höhepunkt war die so genannte "Stinkefinger-Aktion", als er 1994 im Südkorea-Spiel den zur Weltmeisterschaft in die USA mitgereisten deutschen Fans den Mittelfinger zeigte und der damalige Bundestrainer Berti Vogts den Mittelfeldakteur vorzeitig nach Hause schickte.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
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