Knappe Finanzmittel
3Sat verordnet sich Verjüngungskur

Der Chef des Drei-Länder-Senders Gottfried Langenstein will den Zuschauerdurchschnitt unter 49 Jahre senken und die Quote steigern. Viel Geld darf das aber nicht kosten.

MAINZ. Der Filmemacher Helmut Dietl (Kir Royal, Monaco Franze) schaut nur wenig Fernsehen und dann neben Regionalsendern vor allem 3Sat. "Alles andere langweilt mich unendlich", verriet der Regisseur kürzlich. Dabei ist der 60-jährige Dietl dem Sender eigentlich längst zu alt. Denn der Dreiländer-Sender hat sich eine Verjüngungskur verordnet. "Mein Ziel ist es, unser Publikum auf unter 49 Jahre zu senken", sagte 3Sat-Chef Gottfried Langenstein dem Handelsblatt. Der in Mainz ansässige Kulturkanal, an dem die öffentlich-rechtlichen Sender ZDF, ARD, ORF (Österreich) und die SRG (Schweiz) beteiligt sind, unterbietet schon jetzt mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren deutlich ARD und ZDF.

Der TV-Kanal, der vor allem von den Programmzulieferungen seiner Gesellschafter lebt, reformierte in den letzten Monaten sein Programm. Das Ziel ist klar: Die Quote soll steigen. "Mit Thementagen wie ,Pop around the clock? haben wir unsere Quote bei den 14- bis 49-Jährigen auf rund 3 % steigern können. Wegen des Erfolgs haben wir bereits neue Thementage in Planung", erläutert Langenstein.

Der 3Sat-Chef, der letztes Jahr vergeblich um den Intendantenposten beim benachbarten ZDF kandidierte, hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. "In diesem Jahr steuern wir eine Quote von mehr als ein Prozent an", prognostiziert der gebürtige Bayer. Bereits in der Vergangenheit konnte der Kulturkanal langsam, aber stetig zulegen. Zum Vergleich, der Konkurrent Arte aus Straßburg erzielte hingegen im ersten Halbjahr nur eine Quote von 0,3 %.

Viel Geld darf die Verjüngungskur samt Quotensteigerung aber nicht kosten. "Wegen unserer knappen Finanzmittel können wir keine große Programmoffensive starten. Sogar unser neues Senderlogo haben wir in unserem Haus entwickelt und keine teure Werbeagentur beauftragt", bekennt Langenstein, der im Nebenjob noch als Vizepräsident des europäischen Kulturkanals Arte tätig ist.

Bei 3Sat handelt es sich um einen werbefreien Fernsehsender. Zusätzliche Einnahmequellen lassen sich daher kaum erzielen. "3Sat ist ein Modellfall für sehr preiswertes öffentlich-rechtliches Fernsehen", sagt Langenstein. "Wir sind als schlanker Sender aufgestellt. Unsere Personalkosten für Festangestellte belaufen sich gerade mal auf 5 Mill. Euro, für Freie auf 9,7 Mill. Euro", sagt der Vetraute des früheren ZDF-Intendanten Dieter Stolte. "Im Vergleich zu anderen Sendern haben wir eine niedrige Gehaltsstruktur."

Der Sender, der 220 feste und freie Mitarbeiter beschäftigt und über einen Etat von 42 Mill. Euro verfügt, hofft wie ARD und ZDF trotz seiner offenbar soliden Finanzausstattung auf eine Gebührenerhöhung. Hintergrund des höheren Geldbedarfs sind die Tariferhöhungen für die Mitarbeiter. Der 3Sat-Gesellschafter ZDF fuhr im Sommer bereits großes Geschütz für eine Erhöhung der Rundfunkgebühren auf. Es drohe der Mainzer Sendeanstalt nach den Worten von ZDF-Intendant Markus Schächter eine bilanzielle Überschuldung. Eine von einigen Politikern geforderte Nullrunde für die nächste vierjährige Gebührenperiode, die 2005 beginnt, wird sowohl von Schächter als auch vom ARD-Vorsitzenden Jobst Plog abgelehnt. Langenstein will sich dazu nicht äußern. Über eine Erhöhung der Rundfunkgebühren für ARD und ZDF einschließlich kleinerer Sender wie 3Sat und Arte entscheidet die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) Anfang nächsten Jahres. Die Öffentlich- Rechtlichen fordern eine Erhöhung der monatlichen Rundfunkgebühr ab 2005 auf knapp 18 Euro von derzeit 16,15 Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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