Knappes Rennen erwartet
Der Held im Rathaus ist nicht so leicht zu ersetzen

Ihren Helden "Rudy" dürfen die New Yorker nicht noch einmal wählen. Die Zeit von Bürgermeister Rudoph Giuliani, der seit dem 11. September zur strahlenden Leitfigur der Stadt geworden ist, läuft ab.

afp WASHINGTON/NEW YORK. Am Dienstag haben die New Yorker die Wahl zwischen dem Medienmilliardär Michael Bloomberg von den Republikanern und dem Altlinken Mark Green von den Demokraten. Es wird wohl ein knappes Rennen, denn der Vorsprung Greens in den Umfragen ist zuletzt geschrumpft. Beide Kandidaten wissen, dass sie sich an Giuliani messen lassen müssen - vor allem bei ihrer wichtigsten Aufgabe: der Genesung der Stadt von den Terroranschlägen.

Die Energie, mit der Giuliani seit dem 11. September im Einsatz war, um Hilfe zu organisieren, Trost zu spenden und zum Neubeginn zu motivieren, hat ihn in der traumatisierten Stadt zur Kultfigur werden lassen. Viele New Yorker drängten ihn zum Weitermachen - vergeblich. Der 57-jährige Republikaner erklärte Anfang Oktober seinen Verzicht. Nach acht Jahren im Amt wäre seine erneute Kandidatur auf erhebliche rechtliche und politische Probleme gestoßen. Denn die Amtszeit des Bürgermeisters ist auf zwei Mandate oder acht Jahre begrenzt. Nur durch einen Parlamentsbeschluss hätte diese Begrenzung aufgehoben werden können. Dagegen hatte Green jedoch bereits seinen Widerstand erklärt. Giuliani begründete seinen Rückzug damit, dass er in diesen schweren Zeiten keine Konflikte auslösen wolle.

Die Bewerber um seine Nachfolge sind weniger konfliktscheu. Bloomberg unterstellte seinem Rivalen rücksichtlosen Karrierismus, Green seinem Kontrahenten die Ignoranz des reichen Mannes gegenüber den Problemen der kleinen Leute. Fakt ist, dass der Medienunternehmer einen viel aufwändigeren Wahlkampf betreiben konnte als sein Rivale: Die Rekordsumme von 41 Mill. Dollar steckte Bloomberg in seine Kampagne, während Green mit bescheidenen 10,7 Mill. Dollar auskommen musste.

Bloomberg hatte sich in den Vorwahlen der Republikaner klar durchgesetzt - dabei war er erst vor einem Jahr von den Demokraten übergetreten. Der 59-Jährige will sich als Bürgermeister mit einem Gehalt von einem Dollar pro Tag begnügen. Das dürfte ihm nicht allzu schwer fallen. Sein Vermögen wird auf vier Mrd. Dollar geschätzt. In den vergangenen 20 Jahren hat der aus einer Mittelschichtfamilie stammende Bloomberg ein weltweit operierendes Unternehmen mit mehr als 7000 Beschäftigten aufgebaut. Das Gros seiner Gewinne macht er mit Finanznachrichten und-informationen.

Green konnte sich bei den Demokraten erst im zweiten Wahlgang durchsetzen. Der aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn stammende Jurist hat seine politischen Wurzeln in der linken Szene. Als junger Mann organisierte er den Protest von Kongresspraktikanten gegen den Vietnamkrieg und arbeitete für den Ökologen und Verbraucheranwalt Ralph Nader. Seit über zehn Jahren steht er in den Diensten seiner Heimatstadt. Als Beauftragter für Beschwerden der Bürger attackierte er die harte Linie Giulianis gegen Kriminelle und prangerte Polizeiübergriffe an.

Doch im Wahlkampf versuchte Green, sein linkes Image abzumildern. Er will nun Giulianis Kurs bei der Verbrechensbekämpfung fortsetzen. Für den Wiederaufbau nach den Anschlägen auf das World Trade Center vertreten die Kandidaten unterschiedliche Ansätze: Green will einer unabhängigen Agentur die Kontrolle übertragen, Bloomberg die Aufgabe in den Händen der Stadt lassen.

Bloomberg konnte zuletzt wohl auch deshalb in der Wählergunst aufholen, weil sich Giuliani nach längerer Phase der Zurückhaltung zu seinem Parteikollegen bekannte: "Mike ist der bei Weiten am besten geeignete Kandidat für diesen Job." Dennoch sehen viele Wähler weder in Bloomberg noch in Green einen vollwertigen Ersatz für ihren "Rudy". Immerhin bleibt dieser ihnen vielleicht etwas länger erhalten als ursprünglich vorgesehen. Seine offizielle Amtszeit endet am 1. Januar, doch will Giuliani noch drei Monate länger bleiben, um den Übergang zu erleichtern. Bloomberg und Green sind damit einverstanden.

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