Knappheit von Blutserum treibt Konsolidierung der Branche voran: Bayer und Aventis verhandeln über Allianz

Knappheit von Blutserum treibt Konsolidierung der Branche voran
Bayer und Aventis verhandeln über Allianz

Auf dem Markt für Medikamente aus Blutplasma zeichnet sich ein weiterer Konzentrationsschub ab. Darauf deuten Verhandlungen der Pharmakonzerne Aventis und Bayer hin, die nach Informationen des "Wall Street Journal" ihre Aktivitäten auf dem Gebiet kombinieren wollen.

shf/bef FRANKFURT/M. Beide Konzerne lehnten zunächst eine Stellungnahme ab. Bayer hält derzeit nach Partnern für einzelne Bereiche der künftig eigenständigen Healthcare-Sparte Ausschau. Konzernchef Manfred Schneider hatte am Montag gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, Kooperationsgespräche seien in einem Fall bereits weit fortgeschritten. Möglicherweise will er noch vor dem geplanten Bayer-Börsengang an der Wall Street am 24. Januar einen Partner präsentieren.

Falls Aventis und Bayer sich über die Bündelung ihrer Geschäfte mit Blutpräparaten einigen, entsteht ein neuer Marktführer in dem etwa 6 Mrd. $ großen Teilsegment des Pharmamarktes. Als größter Hersteller gilt bislang der US- Konzern Baxter mit etwa 1,5 Mrd. $ Umsatz. Aventis und Bayer dürften zusammen knapp 2 Mrd. $ Jahresumsatz und damit einen Marktanteil von mehr als 25 % erreichen. Experten erwarten daher kartellrechtliche Probleme bei dem möglichen Joint Venture der Konzerne.

Aventis Behring, die das entsprechende Geschäft bei Aventis repräsentiert, verbuchte in den ersten neun Monaten 2001 einen Umsatz von 851 Mill. Euro (plus 40 %). Bayer setzte in dem Bereich im Vorjahr noch rund 1 Mrd. Euro um, dürfte aber 2001 wegen der Produktionsprobleme beim Hauptprodukt, dem gentechnisch hergestellten Blutgerinnungsmittel Kogenate, deutlich zurückgefallen sein. Der zwischenzeitliche Stopp der Produktion hat bei Bayer den Pharmagewinn im vorigen Jahr deutlich geschmälert. Die Produktion wird erst im ersten Quartal wieder voll laufen.

Zu den großen Herstellern von Medikamenten aus Blutplasma zählen auch die US-amerikanische Alpha Therapeutics sowie die deutsche Biotest AG. Die Nachfrage nach den Produkten ist in den vorigen Jahren solide gewachsen. Sie werden etwa zur Behandlung von Infektionen, Verbrennungen oder Lebererkrankungen eingesetzt.

Während Blutgerinnungsmittel inzwischen meist gentechnisch hergestellt werden, müssen viele andere Plasmaprodukte weiter aus dem Blut von Spendern gewonnen werden. Die Konsolidierung in der Branche wird daher nicht zuletzt vom Motiv geprägt, die Versorgung mit Blutserum zu sichern. Sowohl Baxter als auch Aventis haben in den vergangenen Jahren ihre Versorgungsbasis durch den Zukauf von Blutspende-Zentren verstärkt. Dagegen ist Bayer überwiegend auf externe Quellen angewiesen.

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