Knauf und Aventis müssen zahlen
EU verhängt zweithöchste Kartellstrafe ihrer Geschichte

Die Europäische Kommission hat gegen vier Hersteller von Gipskartonplatten mit einer halben Milliarde Euro die zweithöchste Kartellstrafe ihrer Geschichte verhängt. Der mit knapp 86 Millionen Euro betroffene unterfränkische Baustoffhersteller Knauf schließt rechtliche Schritte gegen den Entscheid nicht aus.

rtr/vwd BRÜSSEL. "Die Europäische Kommission hat heute gegen die Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke ein Bußgeld festgesetzt", erklärte das unterfränkische Familienunternehmen am Mittwoch in Iphofen. Eine schriftliche Begründung liege bislang nicht vor. "Wir werden die Begründung in den nächsten Wochen sorgfältig prüfen und danach entscheiden, ob Rechtsmittel gegen die Entscheidung eingelegt werden." Darüber hinaus gehende Angaben machte ein Knauf-Sprecher nicht.

Die EU-Kommission hatte zuvor mitgeteilt, sie habe wegen Preisabsprachen eine Strafe von insgesamt 478 Millionen Euro - die zweithöchste Kartellstrafe in ihrer Geschichte - gegen vier Hersteller von Gipskarton-Platten verhängt. Knauf sei mit einem Bußgeld von 85,8 Millionen Euro betroffen, hieß es. Bei den anderen Unternehmen handele es sich um die französische Lafarge, um BPB aus Großbritannien sowie die belgische Firma Gyproc. Der Kommission zufolge hatte das Kartell 80 Prozent des EU-Marktes beeinflusst. Lediglich eine Strafe gegen ein Vitamin-Kartell hatte mit gut 855 Millionen Euro bislang ein höheres Volumen erreicht.

Das 1932 gegründete, nicht börsennotierte Unternehmen Knauf sieht sich mit einer Kapazität von über 800 Millionen Quadratmetern Gipsplatten als einer der weltweit größten Anbieter. Die rund 16 000 Mitarbeiter erwirtschaften den Angaben zufolge in der Gruppe jährlich einen Umsatz von gut 2,5 Milliarden Euro.

Neben Knauf nahmen die Kartellwächter Aventis ins Visier. Das Straßburger Unternehmen muss eine Geldbuße von 2,85 Millionen Euro zahlen, weil es ebenfalls gegen EU-Kartellrecht verstoßen haben soll. Die Europäische Kommission entschied, dass Aventis und deren Tochter Rhone-Poulenc Biochemie sich zusammen mit der Merck KGaA über Preise und Marktanteile zwischen 1990 und 1999 bei dem chemischen Stoff Methylglucamin abgesprochen hätten. Die drei Unternehmen kontrollieren die gesamte Produktion des für Röntgenanalyse verwendeten Stoffes. Merck ging nach weiteren Angaben der Kommission straffrei aus, weil das Unternehmen von sich aus die EU-Behörde auf das Kartell aufmerksam gemacht habe.

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