Koalition des Geschäftsmanns gewinnt alle Sitze in Beirut
Ex-Regierungschef Hariri Wahlsieger in Libanon

In Libanon ist der ehemalige Regierungschef Rafik Hariri als Sieger aus der zweiten Runde der Parlamentswahlen hervorgegangen.

afp BEIRUT. Das Lager des Oppositionspolitikers gewann nach ersten offiziellen Ergebnissen vom Montag allein alle 19 Sitze in der Hauptstadt Beirut. Hariri, der vor zwei Jahren wegen Differenzen mit Staatspräsident Emile Lahoud aus dem Amt schied, gilt nun als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten. Seine Anhänger und Verbündeten verfügen nach der Wahl über eine absolute Mehrheit im Parlament. Eine neue Regierung wird jedoch frühestens nach der Eröffnungssitzung im Oktober gebildet. Der derzeitige Regierungschef Salim Hoss sagte, er beuge sich dem Wahlergebnis und ziehe die Konsequenzen. Die Wahlbeteiligung war laut Innenminister Michel Murr sehr gering. In Beirut etwa gingen nur 30 Prozent der Wähler an die Urnen.

Hariri, von der libanesischen Presse "Bulldozer" getauft, hatte einen Wahlkampf nach westlichem Vorbild geführt. Er konnte landesweit seine Anhänger mobilisieren und ging sowohl mit moslemischen als auch christlichen Politikern Allianzen ein - ein Novum in der konfessionell geprägten Geschichte Libanons. Bereits in der in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen im überwiegend von Christen bewohnten Norden des Landes und im Libanongebirge hatten die Hariri verbundene christliche Opposition sowie sein Verbündeter, Drusenführer und Chef der Fortschrittlichen Sozialistischen Partei (PSP) Walid Dschumblatt, eindeutig gesiegt.

Seitdem das Land 1943 die Unabhängigkeit erlangte, ist das Amt des Ministerpräsidenten immer einem sunnitischen Moslem vorbehalten. Hariri bekleidete das Amt bereits von 1992 bis 1998. Im neuen Parlament wird der Milliardär mit einer absoluten Mehrheit rechnen können. Schon jetzt machen seine Anhänger ein Drittel der Abgeordneten aus, hinzu kommen seine jüngst gewonnenen Verbündeten. Auch Parlamentspräsident Nabih Berri, ein Schiite, hatte sich während des Wahlkampfs auf die Seite Hariris geschlagen.

Am Sonntag hatte sich Hariri bereit erklärt, das Land in einer "Kohabitation" mit Lahoud, einem maronitischen Christen, zu regieren, dessen politische Überzeugungen den seinen entgegengesetzt sind. Die Zusammenarbeit könnte jedoch am Präsidenten scheitern, der eine notorische Abneigung gegen Hariri pflegt und ihn 1998 aus dem Amt drängte, um Hoss einzusetzen.

Hoss erkannte seine Niederlage am Montag nur mit Mühe an. "Die Macht des Geldes" habe den Wahlsieg Hariris möglich gemacht, sagte er in Anspielung auf die finanziellen Möglichkeiten seines politischen Gegners, der sein Vermögen im Immobiliengeschäft machte. Im Osten und Süden des Landes lag die Wahlbeteiligung bei etwa 45 Prozent. Im Gegensatz zu Beirut errangen die Allianz der von Syrien und Iran unterstützten Schiitenbewegungen Amal und Hisbollah sämtliche Mandate in Südlibanon und in Baalbeck, zwei pro-syrische Kandidaten siegten überdies in der Bekaa-Ebene.

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