Koalition rechnet intern nur noch mit 1,5 Prozent
Eichel reduziert seine Wachstumsprognose

Die rot-grüne Koalition hat ihren Konjunkturoptimismus intern aufgegeben. Für 2002 rechnet man in Berlin nur noch mit 1,5 Prozent Wachstum. Ursprünglich ging man von 2,25 Prozent aus.

uhl/pbs/wmu BERLIN/DÜSSELDORF. Eine rasche konjunkturelle Erholung in Deutschland ist nicht in Sicht. Dies ist mittlerweile auch die Einschätzung der Bundesregierung. Das Bundesfinanzministerium hat jetzt intern seine Wachstumsprognose auch für das Jahr 2002 deutlich reduziert. Nach Informationen des Handelsblatts rechnen die Experten von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) statt der bisher erwarteten rund 2,25 % nur noch mit etwa 1,5 % Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im kommenden Jahr. Bereits vor den Terroranschlägen in den USA hatte das Ministerium die Wachstumszahl für das laufende Jahr auf rund 1 % halbiert.

Es deute vieles darauf hin, dass sich auch der interministerielle Arbeitskreis "Gesamtwirtschaftliche Vorausschätzungen" in der nächsten Woche auf diese bescheideneren Wachstumsziffern verständige, hieß es in Regierungskreisen. Auch die Prognose des Herbstgutachtens der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute, das am 23. Oktober veröffentlicht wird, werde wohl in diese Richtung gehen.

Jüngste offizielle Prognosen optimistischer

Die jüngsten offiziellen Prognosen für 2002 sind optimistischer; so rechnet etwa der Internationale Währungsfonds mit 1,8 % Wachstum für Deutschland, das Kieler Institut für Weltwirtschaft mit 2,1 %. Beide Prognosen haben aber die Folgen der Anschläge in den USA noch nicht berücksichtigt.

In der Regierung wird darauf verwiesen, dass das Prognose-Geschäft in diesem Jahr besonders schwierig sei. Das Ausmaß des Wachstums 2001 und damit auch die Ausgangsbasis für das kommende Jahr hingen entscheidend von der Entwicklung im vierten Quartal ab. Niemand wisse genau, wie Investoren und Konsumenten in den kommenden Wochen auf die militärischen Ereignisse reagieren würden.

Auf Grund dieser Unsicherheit liegen auch die neuesten Prognosen der Banken weit auseinander. Peter Saacke von Merrill Lynch erwartet, dass das deutsche BIP im dritten und vierten Quartal sogar schrumpft. Das bedeute eine nur geringe Jahreswachstumsrate von 0,5 % (2001) bzw. 1,0 % (2002). Ähnlich pessimistisch ist Michael Hüther von der DGZ-Deka-Bank, der erst für Mitte 2002 mit einer konjunkturellen Trendwende und daher mit nur 0,8 % Wachstum im Jahresschnitt 2002 rechnet. Deutschland sei aber "weit von japanischen Verhältnissen", sprich einer länger anhaltenden Wirtschaftskrise, entfernt. Die Dresdner Bank rechnet mit einer schnelleren Konjunkturerholung und einem Wachstum von 1,8 % in 2002.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beharrte auch am Wochenende darauf, dass die deutsche Wirtschaft "auch in diesem Jahr wachsen" werde. 2002 sei wieder mit einem "ordentlichen Wachstum" zu rechnen. Über mögliche Maßnahmen zur Konjunkturbelebung werde die Koalition Anfang 2002 entscheiden. Dann sei "der richtige Zeitpunkt, die Zahlen zu überprüfen", sagte Schröder dem "Tagesspiegel am Sonntag".

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