Koalition um USA treibt Afghanistan in Isolation
Nur Pakistan hält Beziehung zu Taliban aufrecht

Die USA haben ihre Anti-Terror-Koalition ausgeweitet und Afghanistan weiter in die Isolation getrieben. Saudi-Arabien brach am Dienstag alle Beziehungen zur radikal-islamischen Taliban-Regierung in Afghanistan mit der Begründung ab, die Taliban gewährten Terroristen Unterschlupf.

Reuters WASHINGTON/DUBAI. Der britische Außenminister Jack Straw kündigte im Iran an, er werde dem Iran Beweise für die Schuld des Islamisten Osama bin Laden vorlegen, den die USA für den Hauptverdächtigen für die Anschläge halten. Mehrere zentralasiatische Staaten räumten den USA Luftkorridore für einen Militärschlag gegen Afghanistan ein.

Saudi-Arabien habe versucht, die Taliban davon abzubringen, Terroristen Unterschlupf zu gewähren, meldete die amtliche saudiarabische Nachrichtenagentur SPA und zitierte aus eine Stellungnahme der Regierung. Die Taliban seien darauf nicht eingegangen. Saudi-Arabien breche daher alle Beziehungen zu ihnen ab. Saudi-Arabien, die Geburtsstätte des Islam, werde weiter an der Seite der Moslems in Afghanistan stehen.

Saudi-Arabien, Pakistan und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) waren die einzigen Länder, die die Taliban- Regierung anerkannten. Die VAE hatten am Wochenende ihre Beziehungen zu Afghanistan abgebrochen. Pakistan zog am Montag mit Verweis auf Sicherheitsgründe vorübergehend sein gesamtes Botschaftspersonal aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ab.

Straw bemüht sich um den Iran

Powell sagte in einem Interview am Montag mit Blick auf Pakistan und Saudi-Arabien: "Es sind nur noch zwei Staaten übrig, die sie (die Taliban) anerkennen - und wer weiß, sie könnten sie bald fallen lassen."

Im Iran bemühte sich Straw, der als erster britischer Außenminister seit der islamischen Revolution 1979 den Iran besucht, um ein Einbeziehen des Landes in das Anti-Terror-Bündnis. Straw sagte, er werde seinem Amtskollegen Kamal Charrasi vertrauliche Beweise vorlegen. "Aber ich denke nicht, dass jemand ernsthafte Zweifel an der Schuld Bin Ladens hat."

Die Taliban drohten jedem Vergeltung an, der Afghanistan angreife oder eine Angriff unterstütze. Der Vertreter des Verteidigungsministeriums, Mullah Noor Ali, sagte im arabischen Satellitenfernsehen El Dschaseera: "Jeder, der angreift oder bei einem Angriff hilft, ist unser Feind, und wir werden ihn angreifen." Am Montag hatten die Taliban die Mobilmachung von 300 000 zusätzlichen Kämpfern mitgeteilt. Bin Laden hatte zum zum Dschihad, zum Heiligen Krieg, gegen die USA aufgerufen.

Russland öffnet Luftraum für Hilfsflüge

Die USA haben die Auslieferung Bin Ladens und der Mitglieder seiner Organisation El Kaida verlangt, was Afghanistan aber ablehnt. Die USA haben allen Staaten mit Angriffen gedroht, die nach ihrer Einschätzung Terroristen unterstützen. In den USA selbst wurden nach Angaben von Justizminister John Ashcroft 352 Personen im Zusammenhang mit den Anschlägen festgenommen.

Russland will den USA seinen Luftraum im Falle eines Angriffs auf Afghanistan für Hilfsflüge öffnen. Russland kündigte auch an, die oppositionelle Nordallianz in Afghanistan mit Waffen in ihrem Kampf gegen die Taliban unterstützen. Den USA werde Russland Erkenntnisse seines Geheimdienstes über Menschen und Organisationen zur Verfügung stellen, die als internationale Terroristen bezeichnet werden.

Das zentralasiatische Kirgisistan hat nach den Worten von Präsident Askar Akajew den USA ebenfalls Luftkorridore eingeräumt. Akajew sagte am Dienstag in Bischkek, die Entscheidung sei nach Beratungen mit fünf anderen früheren Sowjetstaaten, die dem Gemeinsamen Sicherheitspakt angehören, gefällt worden. Akajew machte keine Angaben darüber, ob die Luftkorridore für militärische oder humanitäre Flüge genutzt werden dürfen.

Turmenistan unterstützt US-Luftwaffe

Turkmenistan, das eine Grenze mit Afghanistan hat, teilte mit, es werde Luftkorridore für humanitäre Flüge anbieten. Tadschikistan könne der US-Luftwaffe seinen Flughafen in der Hauptstadt Duschanbe zur Verfügung stellen, sagte der russische Verteidigungsminister Sergei Iwanow.

Die Taliban hatten 1996 die Regierung gestürzt und kontrollieren rund 90 % des Landes. Nur in Nordafghanistan hält sich eine Allianz ehemaliger Regierungsmitglieder im Kampf gegen die Taliban, die einen reinen islamischen Religionsstaat errichten wollen.

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