Koalitionsausschuss
Der Neue aus Niederbayern

Die Ära Stoiber ist zu Ende, doch für seinen Nachfolger Erwin Huber steht bereits zwei Tage nach seiner Wahl zum neuen CSU-Chef die erste Bewährungsprobe an: Heute Abend findet in Berlin die Sitzung des Koalitionsausschusses statt - der wichtigste Termin des Parteichefs in Berlin. Auf Erwin Huber wartet ein dicker Aktenberg.

BERLIN. Viel Zeit bleibt Erwin Huber nicht, um sich auf den Koalitionsausschuss heute Abend vorzubereiten. Erst einmal, sagt er nach seiner Wahl zum CSU-Chef in München, will er sich ausruhen auf dem Kanapee daheim im niederbayerischen Reisbach - "ein himmlisches Gefühl". Die vergangenen neun Monate haben an seinen Kräften gezehrt, sagt er. Die vor ihm liegenden Monate werden aber kaum weniger anstrengend.

Mit 58 Prozent haben ihn die Parteitagsdelegierten zum CSU-Chef gewählt. Sein Rivale, Bundesagrarminister Horst Seehofer, hat 39 Prozent bekommen - ein Ergebnis, mit dem beide gut leben können. Der wichtigste Termin des Parteichefs in Berlin ist die Sitzung des Koalitionsausschusses. Und die steht bereits zwei Tage nach der Wahl im Terminkalender. Edmund Stoiber habe ihm dafür "einen dicken Berg Akten" ausgehändigt, sagt er. Er sei aus seiner Zeit in der Staatskanzlei gewohnt, solche Akten schnell durchzuarbeiten.

Einschneidende Entscheidungen stehen zwar nicht an. Aber die Pläne des SPD-Vizekanzlers Franz Müntefering, der Problematik der Hartz-IV-Aufstocker mit einem Erwerbstätigenzuschuss zu begegnen, könnte heute Abend für erhitzte Diskussionen sorgen. Ob er dafür ist oder dagegen, will Huber vor der Wahl nicht sagen - und danach auch nicht. Seehofer ist da offenherziger: Erwerbstätigenzuschuss, das sei doch "so etwas wie Kombilohn", sagt er am Vorabend der Wahl auf die Frage, was er davon halte. "Das ist doch in Ordnung."

Andere in der CSU-Landesgruppe finden das aber überhaupt nicht in Ordnung. Sozialexperte Max Straubinger zum Beispiel, selbst ein Niederbayer. Was Müntefering fordere, sei "nicht zustimmungsfähig", viel zu kompliziert und schon dem Grundgedanken nach verfehlt: Für die angeblich massenhafte Lohndrückerei unter Hinweis auf die Möglichkeit, durch Sozialleistungen aufzustocken, gebe es keinen Beweis, sagt der einflussreiche Bundestagsabgeordnete.

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