Kochkunst als Welterbe
Tischvorlage beim EU-Agrarrat: Paella

Spanien will die mediterrane Küche in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes aufnehmen lassen und sucht Schützenhilfe bei den EU-Agrarministern in Brüssel. Absurd ist der Wunsch nicht: Schon zuvor hat die Uno-Organisation immaterielle Kulturgüter wie Tänze oder Wahrsagerei geadelt.

BRÜSSEL. Der Spanier ist auf vieles stolz, ganz besonders aber auf seine Kochkunst. Das hat die Regierung in Madrid jetzt zu einem aus ihrer Sicht längst überfälligen Schritt bewogen: Sie will die Unesco davon überzeugen, dass die mediterrane Küche in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wird.

Am Montag werden sich auf Wunsch Spaniens in Brüssel die EU-Agrarminister mit dem wichtigen Projekt befassen. Denn Madrid hofft auf die Unterstützung seiner europäischen Freunde. Schließlich muss der Antrag bei der Unesco gut vorbereitet sein, damit Paella, Tortillas und Co. die strengen Anforderungen für Weltkulturgüter erfüllen, nämlich "Meisterwerke der menschlichen Schöpferkraft" oder zumindest "außergewöhnliche Zeugnisse einer kulturellen Tradition" zu sein.

Doch wer wollte der mediterranen Küche diese Qualitäten ernsthaft absprechen? Die Italiener, Franzosen, Portugiesen und Griechen sicher nicht. Allenfalls neidische Nordlichter, die sich mit Labskaus und Smörrebröd begnügen müssen, könnten auf den Gedanken kommen, den Spaniern in die Suppe zu spucken.

Landwirtschaftsministerin Elena Espinosa hat deshalb nichts unversucht gelassen, um die Skeptiker in der EU zu überzeugen. Denn die gibt es, wie die perfide Bemerkung eines Brüsseler Diplomaten beweist, es handele sich bei dem spanischen Vorschlag wohl um einen verspäteten Aprilscherz. In Tischvorlage 11645/07 AGRI 224 SAN 150 für die heutige Sitzung des EU-Agrarrats bemüht Espinosa darum den berühmten Ernährungswissenschaftler Ancel Keys, der schon in den sechziger Jahren die segensreiche Wirkung der mediterranen Küche erforscht habe. Fazit: Wer viel Olivenöl sowie Gemüse isst und Wein nur in kleinen Mengen genießt, der erkrankt seltener an Herz und Kreislauf und hat eine höhere Lebenserwartung. Wenn das nicht reicht, um die Unesco zu überzeugen...

Zumal es nicht das erste Mal wäre, dass die Uno-Organisation ein immaterielles Kulturgut adelt. Auch das Tanzritual des Chewa-Volkes in Malawi oder die Ifa-Wahrsagerei der Yoruba in Nigeria sind als Weltkulturerbe anerkannt.

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