Köche arbeiten, wenn andere frei haben. Golfen liefert vielen dafür einen idealen Ausgleich.
Ausgekochte Golfspieler

Für Uwe Straub ist Golfen eine Sache des Ballgefühls. "Der Schläger ist nur der verlängerte Arm", sagt der Inhaber und Küchenchef des Restaurants Löwen in Leingarten. "Franz Beckenbauer hat mal vor mir gespielt - der hat Ballgefühl."

Wenn Straub Recht hat, dann hat er sein Ballgefühl gerade bewiesen. Denn der Mann mit den 15 Gault-Millau-Hauben für die Küche und einem Handicap von 11 im Golfspiel hat das Eurotoque-Turnier gewonnen.

Die Europäische Union der Köche richtet in Deutschland seit sechs Jahren diesen Wettbewerb für seine Mitglieder und deren Gäste aus. Zum zweiten Mal ging es im Hotel "Die Wutzschleife" in Rötz-Hillstedt aufs Green. Die hoteleigene 18-Loch-Anlage zieht sich hügelan und hügelab rund um das Dorf Hillstedt. "Bergig finden es die Flachländer", amüsiert sich Wutzschleife- Chefin Monika Hauer. Doch weil nicht alle Köche gut genug zu Fuß waren, wurden Golf-Carts organisiert.

Sieger Uwe Straub hat dem Wanderpokal aus Glas in seinem "Löwen" sofort einen würdigen Platz gegeben - obwohl er seinen Namen noch eingravieren lassen muss. Er hält Golfen für den idealen Ausgleichssport gerade für Köche: "Da bin ich in der freien Natur, fern aller Küchenwärme."

Seine Frau Petra, die im Löwen den Service leitet und ebenfalls prämiert wurde beim Eurotoque-Ballwettbewerb, legt diesen "wunderbaren Abschalthebel" manchmal energisch um: "Sie schickt mich auf den Golfplatz, wenn ich morgens mit dem falschen Fuß aufstehe, und sagt, dann sei ich abends wieder ein normaler Mensch."

Nicht nur die Natur mit ihren Farben und Gerüchen bringt die Köche auf den Rasen, sondern auch ihr Tagesrhythmus. "Wir haben morgens frei und arbeiten, wenn andere Sport treiben", sagt der 42-jährige Küchenchef, der in Leingarten neben dem noblen Löwen noch den einfacheren Dorfkrug besitzt und für die Weinvilla in Heilbronn das Catering macht. "Aber Golfen macht auch alleine Spaß."

Doris Hessler, immer noch Deutschlands einzige Sterne-Köchin, hat es von ihrem Restaurant Hessler in Maintal gerade mal fünf Minuten bis zum Golfclub in Hanau. "Alleine konzentriere ich mich aufs Spiel und treffe dann auch sicherer", sagt die Küchenchefin. Hessler hat ihr Handicap gerade auf 30 verbessert.

Wie viele Kollegen hatte sie es früher mit Tennis probiert, "weil man ja irgendetwas Sportliches machen muss". Aber der Mangel an Partnern und die Rennerei haben ihr den harten Schlag verleidet. Vor 12 Jahren stieg sie auf den eleganten Schwung mit dem Golfschläger um. Allerdings fühlt sich Hessler nach 18 Löchern und sechs bis acht Stunden Zickzack-Lauf auf dem Green nicht besonders entspannt. "Da bin ich eher kaputt, und mir tun alle Knochen weh, vielleicht, weil ich mich falsch bewege beim Abschlag."

Deshalb - und weil sie nach zwei bis drei Stunden doch wieder den Golfschläger gegen den Kochlöffel tauschen muss - spielt sie meistens nur einige Löcher und nicht die ganze Runde. Und das auch nur, wenn?s nicht regnet. "Anfangs habe ich bei jedem Wetter gespielt, jetzt höre ich auf, wenn ein Schauer kommt", sagt die Spaß-Spielerin. "Und unter zehn Grad Celsius gehe ich gar nicht mehr golfen."

Eurotoque-Präsident Ernst-Ulrich Schassberger findet, dass gute Küche und Golfspiel noch aus anderen Gründen gut zusammenpassen: "Die Etikette ist wichtig, und es wird miteinander geredet." Auch übers Kochen, über Internet-Auftritte, über die Eurotoque-Geschmacksschule oder das Kinderkochfestival. Organisator Schassberger, mit einem Handicap von 52 selbst ein eher bemühter als guter Golfer, kommt es darauf an, dass sich ein Gruppengefühl unter den Mitgliedern breit macht: "Die müssen sich halt öfter treffen, nicht nur zu ernsten Tagungen, auch zum Vergnügen."

Deshalb sucht der Vereinsmensch, der sein Hotel Schassberger in Ebnisee gerade an die nächste Generation abgegeben hat, für sich und seine Kollegen weitere Gemeinsamkeiten: Eine Rally der Porsche - Fahrer kann sich der Sportwagenfan und Jäger ebenso vorstellen wie einen Jagd-Ausflug. Da wird der Toque, Kopfbedeckung der Köche, eben gegen eine flotte Kappe oder den Trachtenhut eingetauscht.

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