Köhler-Appell zum Überdenken der Positionen
IWF fordert schnell neue Welthandelsgespräche

Der IWF drängt auf eine baldige Wiederaufnahme der Welthandelsgespräche, damit die Armutsbekämpfung vorankommen könne.

HB DUBAI. Insbesondere die Armutsbekämpfung könne nur vorankommen, wenn die Industrie- und Schwellenländer ihre Meinungsverschiedenheiten in Fragen des Agrarhandels ausräumten, mahnte der Währungs- und Finanzausschuss (IMFC) - das höchste IWF-Entscheidungsgremium - am Sonntag anlässlich der Jahrestagung des Fonds in Dubai. IWF-Chef Horst Köhler appellierte an reiche und arme Staaten gleichermaßen, ihre Verhandlungspositionen zu überdenken und über einen neuen Weg zu einem Abkommen nachzudenken.

Die Industrieländer hatten Mitte September in Cancun nicht den von den Entwicklungsländern geforderten Abbau ihrer Agrar-Subventionen zugesagt. Zugleich weigerten sich ärmere Länder, neue Regeln für ausländische Investoren zu akzeptieren. Ihre Vertreter hatten sich zu einer "Gruppe der 21" (G21) zusammen geschlossen und ihre Standpunkte so nachdrücklich wie nie zuvor vertreten.

Köhler: Freier Handel hilft beiden Seiten

IWF und Weltbank würden in Briefen an Staats- und Regierungschefs die Vorteile des Welthandels für Industrie- und Entwicklungsländer aufzeigen, sagte Köhler. "Wir müssen klar machen, was auf dem Spiel steht und dass wirklich beide Seiten von einem freieren Handel profitieren können", sagte Köhler im Anschluss an das halbjährliche Treffen des IMFC, dem Finanzminister und Notenbankchefs angehören.

Der britische Schatzkanzler und IMFC-Vorsitzende Gordon Brown erklärte, der Fokus müsse jetzt auf den "wichtigen Themen" liegen. Dazu zählten der freie Zugang zu offenen Märkten und der Abbau von wettbewerbsverzerrenden Subventionen. Die Hindernisse könnten aus dem Weg geräumt werden, wenn beide Seiten ihren Teil dazu beitrügen.

Der freie Handel ist nach Ansicht von IWF und Weltbank eine Voraussetzung für bessere Wachstumsaussichten und Armutsbekämpfung in den Entwicklungsländern. Selbst wenn in Cancun nur ein teilweiser Abschluss zu Stande gekommen wäre, wären nach Berechnungen der Weltbank 144 Millionen Menschen bis 2015 über die Armutsschwelle gekommen.

IWF-Studie zu Wechselkurspolitik in Asien?

Der niederländische Finanzminister Gerrit Zalm regte eine IWF-Studie über die Auswirkungen veränderter Wechselkurs-Regime in einigen asiatischen Ländern an. Die USA und Europa werfen insbesondere China vor, mit der Kopplung des Yuan an den Dollar die Landeswährung künstlich niedrig zu halten und sich damit einen unfairen Handelsvorteil zu verschaffen. Die Finanzminister und Notenbankchef der sieben führenden Industrienationen (G-7) forderten nach ihrem Treffen in Dubai am Samstag weltweit flexiblere Wechselkurse. China ist gegen eine abrupte Abkehr von der Dollar-Bindung des Yuan, will aber allmählich zu flexibleren Wechselkursen übergehen.

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