Köhler will sich in die Politik einmischen und Tacheles reden
Horst Köhler: „Offen will ich sein – notfalls unbequem“

Im Juli tritt Horst Köhler das Amt des Bundespräsidenten an: In einem Buch stellt er sich den Deutschen vor.

DÜSSELDORF. Mit "Horst wer?" fing alles an, und es klang ein wenig, als drängle sich ein Nobody höchstpersönlich ins höchste deutsche Staatsamt. Respektlos. Anmaßend. Tatsächlich katapultierte die "Bild"-Schlagzeile einen bis dahin eher unauffällig wirkenden Staatsdiener in die Sphäre des öffentlichen Diskurses. "Horst wer?" - das war der große Unbekannte im Kampf um das Amt des Bundespräsidenten.

Nun also Horst Köhler. Diplomvolkswirt. Prof. rer. pol. Horst Köhler. Ehemals Finanzstaatssekretär unter Kanzler Kohl. Dann Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Schließlich Chef des Internationalen Währungsfonds, wohnhaft in den USA. Als siebtes von acht Kindern geboren am 22. Februar 1943 im polnischen Skierbieszow. Die Eltern: deutschstämmige Bauern aus dem rumänischen Bessarabien, 1940 infolge des Hitler-Stalin-Pakts in das von der Wehrmacht besetzte Polen umgesiedelt. Ab 1944 immer wieder auf der Flucht, zuerst vor den anrückenden Sowjettruppen nach Markkleeberg bei Leipzig, Ostern 1953 dann in den Westen. Vier Jahre lebte der kleine Köhler in Flüchtlingsheimen, ehe die Familie im schwäbischen Ludwigsburg ein neues Zuhause fand.

"Ich habe das Glück gehabt, dass mein Lebenslauf mit all seinen Schwierigkeiten am Ende ein Aufstieg war, ein Weg der materiellen Verbesserung, des Friedens und auch des familiären Glücks. Dafür bin ich dankbar und fühle mich verpflichtet, dem Land etwas davon zurückzugeben", sagt Köhler jetzt, da er gewählt ist und am 1. Juli sein Amt als Bundespräsident antritt.

Wer aber kommt da auf die Deutschen zu? Ist es tatsächlich eher ein Macher als ein Mahner, wie es der "Stern" formulierte? Geht er mit einem neuen Amtsverständnis ans Werk? Und wird er den Eliten ins Gewissen reden, vielleicht nicht nur ihnen? Kann er die Tagespolitik befruchten und den Ton treffen, um die Gesellschaft auf anstehende Prozesse des ökonomischen und gesellschaftlichen Wandels im Zuge der Globalisierung vorzubereiten?

Seite 1:

Horst Köhler: „Offen will ich sein – notfalls unbequem“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%