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Köhler würdigt «Patrioten» vom 20. Juli 1944DPA-Datum: 2004-07-19 21:07:35

Berlin (dpa) - 60 Jahre nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler gedenkt die Bundesregierung an diesem Dienstag mit Feierstunde, Kranzniederlegung und feierlichem Gelöbnis des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur.

Berlin (dpa) - 60 Jahre nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler gedenkt die Bundesregierung an diesem Dienstag mit Feierstunde, Kranzniederlegung und feierlichem Gelöbnis des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur.

An historischen Schauplätzen der Hauptstadt wird an die Attentäter erinnert, die den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 mit ihrem Leben bezahlten. Bundespräsident Horst Köhler bekundete im Namen aller Deutschen Respekt und Dankbarkeit. Bei einem Empfang für die Angehörigen der Männer und Frauen des Widerstands im Berliner Schloss Charlottenburg bezeichnete Köhler am Montagabend laut einem vorab verbreiteten Redemanuskript die Verschwörer als «Patrioten» und den Tag des Anschlags als «Ehrendatum deutscher Geschichte». Das Zeugnis des Widerstands würde die Deutschen verpflichten, sich überall - gemäß der Aufforderung der Nationalhymne - für Recht und Freiheit einzusetzen.

Zuvor war im Auswärtigen Amt die Ausstellung «In der Wahrheit leben» eröffnet worden. Gemeinsam mit der polnischen Botschaft will das Außenministerium des Widerstandes gegen die Nazi-Herrschaft gedenken und die Opposition gegen totalitäre Diktaturen in den ehemals kommunistisch regierten osteuropäischen Ländern würdigen.

Politiker von Union und FDP sprachen sich für einen nationalen Feier- oder Gedenktag aus. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt schlug vor, den 20. Juli zum Tag des Gedenkens an den Widerstand gegen das verbrecherische Hitler-Regime zu erklären. Der Attentatsversuch stehe symbolhaft für den Widerstand vieler in Deutschland, sagte Gerhardt dem Berliner «Tagesspiegel» (Dienstag). Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel plädierte dafür, «den 20. Juli als Tag des Gewissens zu einem Feiertag zu machen, der nicht arbeitsfrei ist».

In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Berliner Bendlerblock - vor 60 Jahren wichtigste Schaltzentrale des Umsturzversuches - wurde eine Sonderausstellung mit Porträts und persönlichen Zeugnissen der Beteiligten am Umsturzversuch eröffnet. Zum Auftakt erinnerte Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) an die Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten, die schon lange vor dem Krieg gegen die Hitler-Diktatur gekämpft hatten.

Auch in Leipzig wurde an den Widerstand gegen das Nazi-Regime erinnert. Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte am Montag, das Gedenken sei nötig, weil es heute noch Momente gebe, in denen der Nationalsozialismus verherrlicht werde. Neonazis hatten in Leipzig wiederholt Aufzüge veranstaltet.

Am Dienstag, dem Jahrestag des Attentats, stehen die Feierstunde der Bundesregierung und ein öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr im Bendlerblock im Mittelpunkt. Dort waren der Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg und drei seiner Mitverschwörer noch am Abend der Tat hingerichtet worden. Die Feiern werden von rund 1000 Polizisten weiträumig gegen Störungen geschützt. Gegner des Bundeswehr-Gelöbnisses haben eine Kundgebung und eine Demonstration angemeldet.

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