Kölner Affaire um Tod eines Randalierers
Nach Prügelvorwurf gegen Polizisten laufen Prüfungen an

In der Kölner Affäre um Prügel-Vorwürfe gegen Polizisten und den Tod eines Randalierers soll grundsätzlich das Verhalten zahlreicher Beamter auf den Prüfstand kommen. Sechs Polizisten stehen unter Verdacht, den Mann krankenhausreif geschlagen zu haben.

dpa KÖLN. Er werde den polizeilichen Umgangston und die Biografien der Polizisten genau unter die Lupe nehmen, kündigte der neue Leiter der Polizeiinspektion Innenstadt in Köln, Udo Behrendes, an. In "aufgeheizter und aggressiver Stimmung", so ein Polizeisprecher, demonstrierten am Samstag rund 500 Menschen vor der Kölner Wache Eigelstein. Dort sollen sechs Beamte vor zwei Wochen einen 31-jährigen Randalierer krankenhausreif geschlagen haben. Der Mann war am Freitag gestorben.

Zwei der sechs beschuldigten Polizisten waren am Freitagabend wegen drohender Verdunkelungsgefahr verhaftet worden, kamen jedoch nach der Anhörung beim Haftrichter zunächst wieder auf freien Fuß. "Das ändert nichts an dem dringenden Tatverdacht", sagte die Kölner Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt. Die Haftbefehle wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt seien wahrscheinlich nur unter Auflagen außer Vollzug gesetzt worden.

"Wir müssen uns sehr selbstkritisch fragen, wo sind Strukturen, die solche Vorfälle begünstigen könnten", sagte Behrendes am Samstag. Der Polizeidirektor wies darauf hin, dass an dem fraglichen Zwischenfall Beamte aus drei verschiedenen Innenstadt-Wachen beteiligt waren. "Das Problem ist größer als Eigelstein".

Die Demonstranten forderten am Samstag die lückenlose Aufklärung des Falles. Der Protest der 500 Menschen vor der Wache Eigelstein richtete sich aber auch gegen die Art des Auftretens der Polizei in dem Revier im Kölner Süden, teilte ein Sprecher der Veranstalter mit. Die Wache Eigelstein in einem Viertel mit Rotlicht- und Drogenszene ist nicht zum ersten Mal im Brennpunkt der Kritik. Seit 1999 richteten sich laut Staatsanwaltschaft 37 Verfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen Beamte der Wache.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten (BAG) prangerte unterdessen Korpsgeist bei der Polizei und verheerende Mängel der Dienstaufsicht an. Effiziente Kontrolle laufe nicht über vorhandene Dienstaufsichtsregularien und Staatsanwaltschaften. Auch dort herrsche häufig Korpsgeist, sagte BAG-Bundessprecher Thomas Wüppesahl im Radiosender NDR4 Info. Kontrollen funktionierten nur durch externe und professionelle Stellen. Wüppesahl forderte Polizeibeauftragte als Ansprechpartner für Beschwerden von Bürgern und Beamten.

Die Obduktion der Leiche hatte laut Staatsanwaltschaft noch keine näheren Erkenntnisse über mögliche Verletzungen ergeben. "Wir warten nun auf die feingeweblichen Untersuchungen", sagte Appenrodt am Samstag der dpa. Sie sollen Aufschlüsse über die Ursache des Herzstillstandes geben, der bei dem 31-Jährigen zu einem tödlichen Hirnödem geführt hatte.

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