Kölner Flughafen bekommt Schlüsselrolle für Billigfluglinien
TUI und Eurowings machen mobil gegen Ryanair

Der Konkurrenzkampf auf dem deutschen Billigflug-Markt spitzt sich zu. Nach der belgischen Virgin Express von Sir Richard Branson kündigte gestern auch die Lufthansa-Beteiligung Eurowings an, noch in diesem Jahr vom Flughafen Köln/Bonn aus mit einer Niedrigpreis-Gesellschaft starten zu wollen.

DÜSSELDORF. Mit der TUI plant zusätzlich ein dritter Anbieter eine Billiglinie, die von Köln aus starten soll. Der Kölner Airport wird damit nach Hahn im Hunsrück zum zweiten Zentrum der Billigflieger in Deutschland. In Hahn hatte der irische Anbieter Ryanair bislang eine Ausnahmestellung im deutschen Billigfluggeschäft.

In Branchenkreisen heißt es, der TUI-Vorstand stehe kurz vor der Entscheidung zu Gunsten einer Low-Cost-Operation in Köln/Bonn. "Das Projekt ist relativ weit", sagte gestern ein TUI-Sprecher. Eine Entscheidung sei im Konzern allerdings noch nicht gefallen. Während der irische Billigflieger Ryanair im Hunsrück die niedrigen Kosten voll ausnutzen kann, setzt die Konkurrenz am Standort Köln/Bonn auf das weitaus größere Kundenpotenzial. Der Flughafen ist attraktiv, weil er im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt und innerhalb einer Autostunde für annähernd 20 Millionen Menschen erreichbar ist.

Ein Eurowings-Sprecher bestätigte gestern, dass bis zum Beginn des Winterflugplans am 25. Oktober zunächst fünf Airbus-Maschinen vom Typ A 319 an den Rhein verlegt werden sollen. Nach Handelsblatt-Informationen will das Duo Lufthansa/Eurowings seine Low-Cost-Operation allerdings schon im nächsten Jahr massiv ausbauen. Der neue Billigflieger soll bereits im Jahr 2003 von Köln aus mehr als eine Million Passagiere befördern, heißt es in Branchenkreisen.

Der Eurowings-Aufsichtsrat, in dem auch der designierte Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber sitzt, soll das Projekt Mitte kommender Woche beschließen. Die Lufthansa, die ihren Anteil an Eurowings bis zum Jahr 2004 auf 49 % erhöhen kann, steht dem Vorhaben der Regionalfluggesellschaft zur Gründung einer Billigfluglinie wohlwollend gegenüber.

Der neue Billig-Carrier soll Branchenkreisen zufolge in erster Linie europäische Metropolen anfliegen. In der Diskussion stehen etwa Strecken nach Barcelona oder Madrid, nicht aber Flüge nach Mallorca. Die Lufthansa will auf jeden Fall vermeiden, dass bei Billigflügen in rein touristische Destinationen das Chartergeschäft ihrer 50-%-Tochter Thomas Cook (Condor) leidet.

Angelockt wird die neue Konkurrenz vom boomenden Billig-Geschäft. "Die Wachstumsaussichten sind wirklich enorm", begründet Martin Borghetto, Analyst von Morgan Stanley, das Interesse. Tatsächlich kann die Luftfahrtkrise den Billigfliegern bisher nichts anhaben. Die irische Ryanair flog trotz der Konjunkturflaute im ersten Quartal einen Rekordgewinn ein. Wachsende Passagierzahlen und niedrige Kosten bescherten Ryanair ein in der Luftfahrt außergewöhnliches Gewinnplus nach Steuern von 68 % auf 39 Mill. Euro.

Quelle: Handelsblatt

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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