Kölner Gründerbüro
Startup aus dem Hörsaal

Gründer hatten es lange schwer an der Uni Köln. Die traditionsreiche Hochschule schnitt in der Lehre zwar gut ab, doch mit besonders erfolgreichen Start-Up-Gründungen konnten nur wenige Studenten glänzen. Nun soll ein Gründerbüro den Studenten helfen, ins Internetgeschäft einzusteigen.

Lange galten die Universitäten als Elfenbeintürme – viel Theorie, ganz wenig Praxis. Doch inzwischen kommt unternehmerisches Denken auch dort in Mode: Mittlerweile finden Studenten, die ein Unternehmen gründen wollen, an fast jeder Universität praxisnahe Beratungsangebote.

Zum Beispiel an der Kölner Hochschule, die besonderen Nachholbedarf hatte: Im Jahr 2005 war sie in einer Studie zum Thema „Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universität bietet die besten Chancen?“ auf einem blamablen 54. Platz von insgesamt 72 gelandet. Doch seit Anfang des Jahres gibt es für den Ideentransfer vom Hörsaal ins Business das Gründerbüro, eine Beratungsstelle für unternehmungslustige Studenten. Beraten, coachen, beim Erstellen von Businessplänen und bei der Finanzierung helfen – das ist die Mission des Kölner Gründerbüros.

Solche Hilfe können auch Stefan Nann und sein Kommilitone Jonas Krauß gut gebrauchen. Vor zwei Jahren hörten sie eine Wirtschaftsinformatik-Vorlesung über die „Analyse sozialer Netzwerke“ – und ließen sich zu einer Geschäftsidee inspirieren. Weil das automatische Durchforsten und Auswerten von tausenden Blogs und Foren in einem Test an der Uni so gut funktionierte, wollen die beiden Studenten dieses Verfahren nun auf die Prognose von Aktienkursen anwenden. Sie arbeiten an einer Internetsoftware, die Privatanleger, Banken oder Hedgefonds dabei helfen soll, ihr Anlagerisiko einzuschätzen. „Wir glauben, dass unsere Vorhersagen besser sind als die von einzelnen Analysten, die nur Geschäftsberichte wälzen“, sagt Nann zuversichtlich. Die Software der beiden Studenten befindet sich zurzeit in der Testphase – mit der Gründung einer eigenen Firma warten sie noch ein bisschen.

Neben Stefan Nann und Jonas Krauß haben sich inzwischen rund 30 gründungswillige Studenten aus Köln und Umgebung von Kay G. Balster, dem Leiter des Gründerbüros und selbst Betriebswirtschaftler, und seinen vier studentischen Mitarbeitern beraten lassen. Als erstes müssen die Studenten ihre Geschäftsidee schriftlich vorstellen. Kay Balster prüft, ob sie realisier- und finanzierbar ist. „In dieser ersten Zusammenfassung sehe ich sehr schnell, ob die Studenten sich ernsthaft Gedanken gemacht haben und das Projekt eine Chance hat", sagt Balster. Wenn er den Daumen hebt, geht es los: Business-Pläne erarbeiten, Finanzierungskonzepte erstellen, Banken ansprechen.

Weil das junge Gründerbüro selbst noch Hilfe braucht, wird es vom Bundeswirtschaftsministerium für drei Jahre mit 380 000 Euro unterstützt. Die restlichen rund 100 000 Euro des Etats kommen von regionalen Partnern wie Sparkassen und Technologiezentren. In dieser Organisationsform sei das Gründerbüro einzigartig, betont Büroleiter Kay Balster. Wenn die Förderung durch das Wirtschaftsministerium in zwei Jahren ausläuft, so seine Hoffnung, sollen Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft zusammen mit den Kölner Hochschulen das Projekt weiterfinanzieren. „Dafür werden wir aber ganz klar Zahlen nennen müssen, wie viele der von uns beratenen Studenten wirklich erfolgreich gegründet haben.“ Für Stefan Nann und Jonas Krauß sieht es gut aus.

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