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"König" Content kommt vom Broker

Für den Online-User bleibt der Inhalt zwar "König", doch bezahlen will er dafür möglichst nicht. Für die Macher von redaktionell anspruchsvollen Web-Sites ein Albtraum. Den rettenden Ausweg bieten immer häufiger Content-Broker per Syndication (der Mehrfachverwertung Inhalten).

HB DÜSSELDORF. Zum Content von Online-Seiten gibt es zwei ebenso bekannte wie scheinbar widersprüchliche Thesen. "Content is King" lautet die eine. "Content wants to be free", die andere. Wenn gut gemachter Inhalt aber (wie die erste These sagt) wirklich so wichtig für den Erfolg von Online-Autritten ist, warum sind dann so wenige User bereit (wie die zweite These belegt), dafür überhaupt etwas zu bezahlen?

Dass nichts wert sein kann, was nichts kostet, ist eine schon zu Vor-Internet-Zeiten bekannte Weisheit des Volksmunds, die derzeit im Internet ad absurdum geführt wird. Redaktionellen Mehrwert in Form von guten Grafiken und Fotos, topaktuellen Textbeiträgen aller Art, Web-Streaming, Sounds, Spiele, Animationen sowie weitere sinnvolle Zusatzleistungen zu verlangen, ist für Internet-Nutzer in den meisten Fällen ebenso selbstverständlich, wie der Anspruch, diese Leistungen gratis zu bekommen.

Für Betreiber von Web-Sites, die diesen Ansprüchen genügen müssen, stellt sich immer häufiger die Frage: Woher sollen diese Inhalte möglichst kostengünstig, aktuell und individuell zugeschnitten herkommen? Eine Frage, auf die es mittlerweile auch im deutschsprachigen Teil des Internet eine Antwort finden lässt. Gab es vor einigen Jahren noch lediglich im Ausland, speziell den USA, Anbieter für die Mehrfachverwertung unterschiedlichster Inhalte (die so genannte Content-Syndication, oder noch genauer: Web-Syndication, angeboten durch iSyndicate oder Screaming Media), so sind mittlerweile auch hierzulande einige derartige Geschäftsmodelle erfolgreich an den Start gegangen.

Im Vergleich zur Konkurrenz, den Direktvermarktern von Inhalten, wie Nachrichtenagenturen, Verlagen oder Fernsehsendern, glauben die Content-Broker ihren Kunden die Ware Inhalt erstens einfacher und zweitens preiswerter beschaffen zu können. Anbieter wie VWD und AFP reagierten allerdings schon auf den Trend und bieten über teilweise neue Internet-Services-Bereiche auf Kundenwunsch "maßgeschneiderte" Online-Module und/oder Meldungs-Pakete.

Beim Content-Broking wird - je nach Anbieter oder Kundenanspruch - zwischen verschiedenen Varianten unterschieden. Es gibt Anbieter, wie die Münchener Tanto AG , die ihre Kunden in puncto Content beraten und individuelle Angebote erstellen. Daneben betreibt Tanto aber auch eine online-Plattform, auf der die Kunden per click-and-pay ihre Content-Probleme wie im Selbstbedienungsladen lösen können. Der thematischen Vielfalt sind dabei keine Grenzen gesetzt, denn Tanto bekommt ein breites Spektrum (von Sport über Börsendienste, Messedaten bis dpa-Nachrichten) von unterschiedlichsten Content-Gebern zugeliefert - und vermittelt diese gegen Provision.

Auf das gleiche Geschäftsprinzip setzt die ebenfalls in München beheimatete Contonomy AG , die erst im Sommer ihren Online-Marktplatz für digitale Inhalte eröffnete. Die Hamburger 4Content AG versteht sich ebenfalls als Content-Broker, hat aber im Gegensatz zur Konkurrenz ihre Geschäftstätigkeit nicht auf eine Netz-Plattform verlegt, sondern betreut jeden Content-Abnehmer individuell.

Ebenso wie bei der Bonner Business Media AG werden erst die Kundenwünsche gesammelt, und dann die Inhalte entsprechend gebündelt. Dass auch der durchschnittliche Content-Marktplatz aus Angebot und Nachfrage besteht, freut wiederum kleinere Anbieter wie Redaktionsbüros, Fotografen und Freie Autoren, die sich direkt an Content-Broker wenden können. Um ihre spezifischen Beiträge gleich mehrfach an Web-Anbietern zu vermarkten. Dass in der Mehrfachverwertung von Inhalten durchaus ein lukratives Geschäft zu realisieren ist, beweist aber nicht nur die gerade im letzen Jahr stark angestiegene Zahl deutschsprachiger Start-ups in diesem Bereich.

Speziell die neuen und teilweise erst angekündigten Aktivitäten der größeren Player im Mediengeschäft bestätigen diese These. So ist die Focus Digital AG mit ihrer Interactive Content Production ebenso auf den Zug aufgesprungen, wie die Gruner + Jahr-Tochter Electronic Media Service, daneben hat die Springer-Tochter Interactive Media ähnliche Aktivitäten angekündigt. Bereits im September hatte Bertelsmann gemeinsam mit US-Marktführer iSyndicate(San Francisco) ein gemeinsames Joint-Venture namens iSyndicate Europe aus der Taufe gehoben. Das in Hamburg beheimatete Unternehmen verknüpft die Aktivitäten des globalen Bertelsmanns Media-Netzwerks mit wenigstens 1100 Content-Providern, um zukünftig deren gesamte Inhalte an europäische Web-Site-Betreiber jeder Art und Größe weiter zu vermarkten.

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