„König der Defensiven"
Skepsis für Koenig-und-Bauer-Aktie

Stark aufwärts ging es in den vergangenen Jahren für die Aktie des Würzburger Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer - die Aufnahme in den MDax war schließlich die logische Konsequenz. Doch trotz des niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses sind Analysten nun skeptisch, ob der Aufwärtstrend weiter anhält.

Ulrich Kaffarnik mag es gerne unspektakulär. "Langweilig, aber sehr solide" seien die Aktien, die er für seinen Fonds FI Lux Select aussuche, sagt der Manager der Franken Invest International. Das klingt wenig schmeichelhaft für die Werte, die Kaffarnik für sein Portfolio auserlesen hat. Dass die Aktienkurse dieser Unternehmen jedoch zum Gähnen seien, heißt dies nicht.

Im Gegenteil: Die Aktie des Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer - eine der größten Kaffarnik-Positionen - hat seit Anfang 1998 um 160 % zugelegt. Besonders in den stürmischen Börsenzeiten hat sich das frühere Aschenputtel des Kapitalmarkts zum umjubelten Börsenstar gewandelt. "Rosige Aussichten" für das Unternehmen sahen da die VDI-Nachrichten. Die Telebörse krönte den Wert zum "König der Defensiven". Ende Juli erreichte die Aktie einen weiteren Höhepunkt: Koenig & Bauer stieg in den MDax auf. Doch seit der Aufnahme in die zweite deutsche Börsenliga hat das Papier um fast 12 % an Wert verloren.

Auftragseingang stagniert

"Bei den Anlegern macht sich eine gewisse Furcht vor dem zyklischen Abschwung breit", sagt Erhard Schmitt, Analyst bei Helaba Trust. Denn im Vergleich zum Vorjahr habe der Auftragseingang der Druckmaschinenbranche im ersten Halbjahr 2001 stagniert. Dies liege zwar auch an der weltgrößten Druckmaschinenmesse Drupa im Mai 2000: Denn bei der alle vier Jahre stattfindenden Messe platzierten die Abnehmer immer besonders viele Aufträge. Doch auch der Konjunkturabschwung hinterlasse Spuren - dies zeige sich an den "eher bescheidenen Auftragseingängen" des Koenig & Bauer-Konkurrenten Heidelberger Druck. Das Würzburger Unternehmen legt seine Halbjahreszahlen am 30. August vor. "Der Höhepunkt des Investitionszyklus ist überschritten. Es ist möglich, aber nicht wahrscheinlich, dass sich Koenig & Bauer vom Trend abkoppeln kann", sagt Schmitt. Außerdem belaste der stärkere Euro das Geschäft des im Inland produzierenden Druckmaschinenherstellers. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des erwarteten Gewinns für das Jahr 2002 von rund 8 sei die Aktie "sicherlich nicht überbewertet" und berge auch "keine großen Risiken". Großes Aufwärtspotenzial gebe es jedoch momentan nicht: Laut Schmitt wird sich die Aktie auf Sicht von 6 Monaten schlechter als der Markt entwickeln.

Auch Ralf Dörper von West LB Panmure glaubt, dass "das meiste Potenzial bereits im Kurs enthalten" ist. "Zwei Sondereffekte" hätten die Aktie von Koenig & Bauer nach oben getrieben. Neben der Aufnahme in den M-Dax sei dies die Ankündigung des Unternehmens, die breit gestreuten Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien umzuwandeln. "Dies macht die Aktie für angelsächsische Fonds interessanter. Die meiden oft Vorzugsaktien", sagt Dörper. Durch die Umstellung werden sich künftig 70 % der Stammaktien im Streubesitz befinden statt bisher nur einem Drittel. "Die positiven Effekte davon sind aber bereits eingepreist", sagt Dörper.

Optimistischer bezüglich der Entwicklung der Aktie ist Susanne Schwartze von M.M. Warburg. Sie erklärt die jüngsten Kursverluste mit der "relativ hohen Volatilität" des Werts. Es sei normal, dass die Auftragszahlen im Jahr nach der alle vier Jahre stattfindenden Drupa etwas schwächer ausfielen. Sie hat momentan ein Kursziel von 35 Euro auf Sicht von 12 bis 18 Monaten. Sollten die Auftragseingänge jedoch stark einbrechen, will sie dieses revidieren.

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