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„König Otto“ Rehhagel macht sich unsterblich

Lissabon (dpa) - Hysterisch, historisch, Rehhagel. Durch den erstmaligen Gewinn der Fußball-EM mit dem krassen Außenseiter Griechenland hat dessen deutscher Trainer Otto Rehhagel für eine der größten Sensationen der Sportgeschichte gesorgt und sich als «hellenischer Fußball-Gott» nahezu unsterblich gemacht.

Lissabon (dpa) - Hysterisch, historisch, Rehhagel. Durch den erstmaligen Gewinn der Fußball-EM mit dem krassen Außenseiter Griechenland hat dessen deutscher Trainer Otto Rehhagel für eine der größten Sensationen der Sportgeschichte gesorgt und sich als «hellenischer Fußball-Gott» nahezu unsterblich gemacht.

Eine Welle von Millionen glückseliger Griechen ergoss sich über den ganzen Globus von den Metropolen Berlin, New York oder London bis zu den Urlaubsorten in der Ägäis. «Dieser Sommer mit den Olympischen Spielen und diesem EM-Erfolg ist ein griechischer Sommer», sagte als Augenzeuge des Finales Ministerpräsident Kostas Karamanlis. Griechenlands kickende Fußball-«Götter» haben die Vorfreude auf das olympische Spektakel in gut fünf Wochen geweckt.

Der Titel für die Ewigkeit, der Triumph für die Geschichtsbücher lösten Eruptionen an Emotionen aus. Die am Montag in den Nationalfarben blau und weiß erschienenen griechischen Zeitungen überschlugen sich geradezu in hysterischen Schlagzeilen wie «wenn es ein Traum ist, lasst uns weiter schlafen» («Adesmeftos») oder «Gott, gib mir mehr Tränen, damit ich vor Freude weiter weinen kann.» Der Auslöser der euphorischen Ausbrüche konnte darüber nur schmunzeln. «So sind die Leute in Griechenland eben. In Freude und Trauer übertreiben sie immer ein bisschen. Aber sie werden sich auch wieder beruhigen», meinte Rehhagel.

Aber auch der Initiator des weltweiten Freudentaumels und Vater des griechischen Fußball-Wunders hob nach dem Schlusspfiff des deutschen Final-Schiedsrichters Markus Merk ab. Wie ein junges Füllen tanzte der 65-jährige Otto Rehhagel in wilden «Bocksprüngen» auf dem Rasen des Lissabonner «Stadions des Lichts» herum, küsste jeden ab, der ihm über den Weg lief, und konnte sein Glück kaum fassen.

Als erstem fiel er dem wichtigsten Spieler seines ganz auf Defensive getrimmten Teams, Abwehrchef Traianos Dellas, um den Hals, ehe er sich zunächst allein von den rund 15 000 begeisterten griechischen Fans feiern ließ. Dann ließ er sich auf dem Siegespodest mit seinen Spielern voller Stolz die Goldmedaille vom Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (UEFA), Lennart Johansson, umhängen. Der ehemalige Meistertrainer des SV Werder Bremen und 1. FC Kaiserslautern war endgültig auf dem Gipfel des Olymp angekommen.

«Dem Trainer gebührt der größte Anteil an diesem historischen Sieg. Er hat uns immer stark geredet und an unsere Fähigkeiten geglaubt», sagte Matchwinner Angelos Charisteas, der mit seinem entscheidenden Treffer zum 1:0 über Frankreich schon den Titelverteidiger im Viertelfinale entthront hatte. Der 24-jährige Stürmer vom deutschen Meister und Pokalsieger Werder Bremen stellte in seiner grenzenlosen Euphorie fest: «Wer Portugal zwei Mal geschlagen hat und auch Spanien, Frankreich und Tschechien aus dem Wettbewerb geworfen hat, muss die beste Mannschaft Europas sein.»

Der Architekt des griechischen Märchens machte dagegen in Bescheidenheit, was bei seiner gelegentlich an den Tag gelegten Selbstherrlichkeit nicht selbstverständlich ist. «Ich habe keine Tore geschossen, das haben meine Spieler gemacht. Ich habe ihnen nur Ratschläge gegeben, die sie mit toller Einsatzbereitschaft, Kampfkraft, Spielfreude und vor allem Disziplin vorbildlich in die Tat umgesetzt haben», sagte Rehhagel. Nicht nur Charisteas «hofft, dass er unser Trainer bleibt».

Insistierenden Fragen nach seiner nahen Zukunft blieb der als Nachfolger des zurückgetretenen DFB-Teamchefs Rudi Völler ins Gespräch gebrachte Rehhagel in der Stunde des Triumphs mehrfach jegliche Antwort schuldig. «Es wäre fatal, jetzt über andere Dinge als über mein Jungs zu reden. Sie haben das Recht, dass man sich jetzt nur um sie kümmert», meinte Rehhagel ausweichend.

Eine Verpflichtung des offensichtlich aussichtsreichsten Kandidaten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Vorbereitung auf die WM 2006 in Deutschland könnte indessen schon am Veto des griechischen Fußball-Verbandes scheitern. Dessen Präsident Vasilios Gagatsis sagte der «Bild»-Zeitung: «Wir haben erst kürzlich seinen Vertrag bis 2006 verlängert. Er bleibt bis 2006 griechischer Nationaltrainer. Ende der Diskussion.»

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