„Königliche“ proben den Aufstand
Beckham-Transfer verärgert Reals Fußballer

Die Verpflichtung des englischen Superstars David Beckham hat bei Real Madrid einen Krach zwischen den Fußballern und der Vereinsführung ausgelöst.

dpa MADRID. Der Rummel um den 35 Mill.? teuren Transfer störe die Profis in ihrer Konzentration auf das entscheidende Punktspiel am Sonntag gegen Athletic Bilbao, beklagte sich der Kapitän Fernando Hierro. "Beckham wird uns nicht helfen, spanischer Meister zu werden. Ich will nicht eine Sekunde darauf verschwenden, an diesen Transfer zu denken. Unser Spiel gegen Bilbao ist wichtiger." Real kann mit einem Sieg gegen das Team von Jupp Heynckes seinen 29. Meistertitel perfekt machen.

Der Wechsel Beckhams von Manchester United nach Madrid heizte beim spanischen Rekordmeister zugleich die Spekulationen um eine mögliche Ablösung von Trainer Vicente del Bosque an. Nach Angaben des Radiosenders Cadena Cope erwägt Real, den Coach des englischen Nationalteams, Sven-Göran Eriksson, unter Vertrag zu nehmen. Der 55- jährige Schwede, dessen Vertrag mit den Engländern noch bis 2004 läuft, habe den Madrilenen bereits seine Zustimmung signalisiert, berichtete der Sender. Eriksson könnte bei Real ein Wiedersehen mit Beckham, dem Kapitän des englischen Nationalteams, feiern, mit dem er sich blendend versteht.

Unter den Real-Fußballern ist vor allem José María Gutiérrez, genannt Guti, über den Beckham-Deal verärgert. Der 26-Jährige wird für den englischen Star wahrscheinlich seinen Platz in der Stammelf räumen müssen. "Ich bin es leid, immer wieder gegen eine Mauer anrennen zu müssen", beschwerte er sich. "Als mir im Mittelfeld der Durchbruch gelungen war, holte Real Zinedine Zidane. Ich wechselte deshalb in den Sturm, aber dann kam Ronaldo. Nun habe ich mir wieder einen Platz im Mittelfeld erkämpft, da setzt man mir Beckham vor die Nase."

Reals Manager Jorge Valdano versuchte vergeblich, die Gemüter der Profis zu beruhigen. Guti schwänzte das Training, angeblich fehlte er wegen einer Verletzung. Torwart Iker Casillas meckerte: "Überall nur Beckham. Bei diesem Rummel kann sich niemand konzentrieren." Valdano musste einräumen: "Der Transfer kam vielleicht nicht zum besten Zeitpunkt." Bei der Verpflichtung von Ronaldo vor einem Jahr hatte es im Real-Kader ähnlichen Ärger gegeben. Damals legte sich sogar Publikumsliebling Raúl mit dem Vorstand an, weil der Club den Nationalstürmer Fernando Morientes abschieben wollte.

Während die Fußballer über das Drum und Dran des Beckham-Transfer schimpfen, feiert die Clubführung den Deal als großen geschäftlichen Erfolg. Real wird die Verträge mit seinen Sponsoren neu aushandeln und Zulagen verlangen. "Mit Beckham ist das Team mehr wert", schreibt "El Mundo". Für eine Asien-Tournee im Sommer, die zehn Mill.? in die Clubkasse bringen sollte, wolle Real nun einen "Beckham- Zuschlag" von zwei Mill. kassieren.

Beckham soll Real dabei helfen, die reichen Märkte in Asien zu erschließen. Da passte es gut, dass der Engländer kurz nach der Transfer-Verkündung mit Ehefrau Victoria eine PR-Tour in Fernost begann. Der Mittelfeldakteur ist unter dem Einfluss des Ex-Spice- Girls immer mehr zu einer Pop-Ikone geworden. Von ihm heißt es, er sei der einzige Kicker, dessen Gesicht höher dotiert sei als die Beine und dessen Dress nicht nach Schweiß riecht, sondern nach Parfüm. Wegen seiner Werbeeinnahmen, die auf 8,5 Mill.?/Jahr beziffert werden, ist der "König Midas des runden Leders" bestbezahlter Fußballer der Welt.

Real hatte sich mit Manchester im Eilverfahren auf eine Ablöse von 35 Mill.? für Beckham geeinigt. Der 28-jährige Star, dessen Kontrakt bei ManU noch bis 2005 lief, erhält einen Vierjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr. Sein Jahres-Gehalt wird auf sechs Mill.? beziffert. Die Madrilenen hatten wochenlang jedes Interesse am "Spice Boy" bestritten. Präsident Florentino Pérez antwortete kürzlich, als englische Reporter ihn auf Beckhams Verpflichtung ansprachen, sieben Mal mit "never". Nun lästert das Sportblatt "As": "Real braucht einen Englisch-Lehrer, der dem Clubchef beibringt, dass never "niemals' und nicht "mal abwarten' bedeutet".

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