”Können an gutem Tag jeden Gegner schlagen”
Oliver Kahn - Kapitän mit dem Prädikat Weltklasse

Er wurde mit Auszeichnungen fast zugeschüttet und mit Superlativen überhäuft: Oliver Kahn ist im vergangenen Jahr zu Deutschlands Fußball-Star Nummer eins aufgestiegen.

sid MÜNCHEN. Fast zwangsläufig ist Bayern Münchens Torwart auch in der deutschen Nationalmannschaft Kapitän und Führungsfigur - und der einzige Akteur der DFB-Auswahl, der das Prädikat Weltklasse verdient hat. Dabei wartet Kahn, der mit den Bayern zuletzt alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab, mit der Nationalelf immer noch auf den großen Erfolg.

Bis zur WM 1998 in Frankreich war der 32-Jährige über Jahre hinweg hinter Bodo Illgner und Andreas Köpke nur die Nummer zwei oder drei im deutschen Tor. Die Euro 2000 mit dem blamablen Aus nach der Vorrunde bedeutete dann nicht nur für Kahn eine herbe Enttäuschung. Doch Kahn wäre nicht Kahn, wenn ihn solche Rückschläge aus der Bahn werfen würden. Denn seitdem verfolgt Deutschlands Fußballer und Welttorhüter des Jahres 2001 seine Ziele noch konsequenter.

Mit Erfolg. Nicht nur, dass Kahn zwischen den Pfosten zur unumstrittenen Nummer eins aufstieg. Auch außerhalb des Spielfeldes gelang es dem Bayern-Keeper, sein Image vom besessenen Individualisten hin zu einer Symbolfigur für die Jugend zu ändern. Zuletzt war der Familienvater sogar mit dem "Goldenen Otto" der Teenie-Zeitschrift Bravo ausgezeichnet worden. Seine inzwischen lässig gestylten blonden Haare und die extravaganten Klamotten mag er für diesen Wandel nicht verantwortlich machen. Vielmehr die Tatsache, dass seine sportliche Leistungen konstant geblieben seien.

Und dies sei kein Zufall, wie Kahn immer wieder betont: "Man darf die Zügel nie schleifen lassen und muss immer konzentriert an sich arbeiten. Mir ist nichts zugeflogen. Das ist alles das Produkt harter Arbeit" Doch hatte Kahn noch vor Jahren das Training oft überzogen, so dosiert er es inzwischen besser und erforscht zudem mehr und mehr die psychische Ebene. Er suche immer neue Wege, um mit den Belastungen umzugehen und wieder Leistung abrufen zu können, beschrieb er seinen Sinneswandel.

Auch das private Umfeld spiele dabei eine entscheidende Rolle: "Das Wichtigste ist die Familie, wo man sich wie in eine Oase zurückziehen, Gespräche führen kann." Fußball ist dabei angeblich Tabuthema. Dabei ist gerade das Jahr 2002 für Kahn von besonderer Bedeutung. In Japan und Südkorea spielt der Bayern-Keeper seine erste WM als Nummer eins. Dabei traut Kahn der DFB-Auswahl trotz des Desasters bei der Euro 2000 einiges zu: "Ich glaube, wir stehen vor ganz guten Zeiten. An einem guten Tag können wir jeden Gegner schlagen. Aus der Erfahrung weiß ich, dass man mit einer konzentrierten Leistung und ein wenig Glück bei einem Turnier sehr weit kommen kann."

Kahn selbst, der im Januar offiziell Oliver Bierhoff als DFB-Kapitän ablöste, ist schon weit gekommen. Bei Teamchef Rudi Völler und beim FC Bayern genießt der 32-Jährige einen Sonderstatus. Wer sonst kann beispielsweise einen Uli Hoeneß nach der Münchner "Scampi-Affäre" öffentlich abwatsch'n, ohne bestraft zu werden? Die Wertschätzung blieb trotzdem die gleiche. Unlängst unterschrieb der Keeper einen Rentenvertrag bei den Bayern bis 2006 mit der Zusicherung von Hoeneß: "Es wird niemals ein Spieler beim FC Bayern mehr verdienen als Oliver Kahn." Zur Zeit sollen es knapp fünf Milllionen Euro im Jahr sein.

Nach 2006 soll Kahn, der derzeit auch als Werbeträger gefragt ist, Hoeneß als Bayern-Manager beerben. Doch soweit will Kahn noch nicht denken. Das ehre ihn, aber er wolle erst noch fünf, sechs Jahre Fußball spielen - am besten bis zur WM 2006 im eigenen Land - und in dieser Zeit noch viele weitere Titel gewinnen. Diesen Erfolgsdruck braucht Kahn. Erst dann blüht der gebürtige Karlsruher so richtig auf und wächst über sich hinaus.

Auch wenn der impulsive Keeper und Perfektionist dabei manchmal Grenzen überschreitet. Als "Kung-Fu-Kahn" flog der Münchner einst Stephane Chapuisat entgegen. Als "Vampir" wollte er Dortmunds Heiko Herrlich in den Hals beißen. Und als "Rausschmeißer" schubste er einst sogar seinen damaligen Mitspieler Andreas Herzog brutal aus dem eigenen Strafraum. "Dieser ständige Kampf im Kopf", hat Kahn einmal gesagt, "das ist das Faszinierende".

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