„Können Wasser nicht einfach produzieren“
Aus dem Kampf um Wasser kann auch Krieg werden

Wasser ist Leben. Und Wasser ist Zerstörung und Tod. Bis zu 4 Millionen Menschen sterben jährlich wegen schmutzigen Wassers. Und mehr als 3 Milliarden Menschen werden wegen verseuchten Wassers von Krankheiten befallen, die nicht selten tückisch sind. 1,3 Milliarden Menschen sind von sauberem Trinkwasser völlig abgeschnitten.

GENF. "Aber nicht allein diese Zahlen zeigen die menschliche Tragödien", sagt Klaus Töpfer, Chef des Uno-Umweltprogramms Unep. "Der Wassermangel hält die Menschen von einem produktiven Leben ab, untergräbt die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung."

Der Wassermangel - eine Zeitbombe, die schon längst explodiert ist. Morgen sollen deshalb die Experten auf dem Gipfel in Johannesburg nach Möglichkeiten suchen, um das Problem irgendwann einmal zu lösen.

Unep-Chef Töpfer bringt das Dilemma auf den Punkt: "Wir können Wasser nicht einfach produzieren." Konsequenzen: Immer mehr Regionen werden von Trockenheit heimgesucht, besonders in den ohnehin unterentwickelten Ländern Westasiens und Nordafrikas. Die Uno vermutet, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten der gesamte Wasserverbrauch um 40 % steigen wird. Bis zum Jahr 2025 würden zwei Drittel der Weltbevölkerung in Ländern mit mittlerer oder großer Wasserknappheit leben.

Eine Ursache der aktuellen Not ist Schlamperei: Mehr als zwei Drittel des Wassers verbraucht die Landwirtschaft - beispielsweise führen Lecks in ihren Bewässerungssystemen zu einer enormen Verschwendung. Was muss getan werden? Allein um das Uno-Ziel zu erreichen, die Zahl der Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen bis 2015 zu halbieren, braucht es Investitionen von jährlich 23 Mrd. $. Pro Jahr fehlen derzeit 7 Mrd. $. Die Folge spüren zumal die Bewohner der Entwicklungsländer: Dort wird fast das gesamte Abwasser und mehr als zwei Drittel der Industrieausflüsse ungeklärt in Flüsse und Meer gepumpt.

Doch es gibt auch andere Nachrichten. So erhielten in den Entwicklungsländern in den 90er Jahren 835 Millionen Menschen Zugang zu besserem Trinkwasser, fast ebenso viele nutzen erstmals in ihrem Leben sanitäre Einrichtungen. Eine Linderung des Mangels gibt es vor allem dort, wo die Betroffenen aktiv in den Kampf für eine bessere Zukunft eingebunden werden. So gab die Weltbank Ende der 90er Jahre mehr als 5 Mill. $ für ein Projekt in einem Slum der bolivianischen Hauptstadt La Paz aus. Der lokale private Wasserversorger verpflichtete sich, mehr als 4 Mill. $ über drei Jahrzehnte aufzubringen. Nach drei Jahren hatten in dem Elendsquartier bereits 10 000 Familien sauberes Wasser, Toiletten und Waschgelegenheiten. Die Erfolgsgeschichte hat viele Väter, aber "vor allem haben die Einwohner ihr Schicksal in die Hand genommen", schreibt die Weltgesundheitsorganisation.

Doch bei allem punktuellen Fortschritt - noch fehlt eine globale Strategie, um die rapide wachsende Erdbevölkerung mit Wasser zu versorgen. Und es existiert keine leistungsfähige Institution, die fähig wäre, eine Agenda umzusetzen. Falls die Verantwortlichen das universale Drama Wassermangel nicht in den Griff bekommen, droht Krieg. "Lange bewaffnete Konflikte dürften dann das 21. Jahrhundert prägen", warnt die Uno-Universität in Tokio. Waffengänge könnten an den rund 300 Flüssen und Seen der Welt ausgefochten werden, die das Gebiet von mindestens zwei Ländern berühren. Nur die wenigsten Anrainer haben den Zugriff zu der begehrten Ressource vertraglich geregelt. So scheint eine Auseinandersetzung zwischen Ägypten, Sudan und Äthiopien bereits unausweichlich: Der Pegel des Nils soll in diesem Jahrhundert um mehr als zehn Prozent sinken.

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