Körpereigenes Magnetfeld verrät Risiko für Schlaganfall
Berliner Neurophysiker entwickeln Methode zur Messung von Bioströmen

Um Verletzungen an Muskeln und Nerven diagnostizieren zu können, haben Neurophysiker am Berliner Uniklinikum Benjamin Franklin eine Methode entwickelt, mit der man kleinste Bioströme messen kann.

clo BERLIN. Mit Hilfe von Magnetfeldmessungen soll besonders bei Schlaganfällen die Schwere der Erkrankung in einem sehr frühen Stadium genauer beurteilt werden. Denkbar sind auch Untersuchungen bei Migräne, epileptischen Anfällen und Verletzungen des Rückenmarks.

Wenn Nerven verletzt werden, entsteht an ihren elektrisch aufgeladenen Zellwänden ein über Stunden abklingender Verletzungsstrom. Ein Nachweis dieser Magnetfelder ist Indikator einer Verletzung und zugleich Hinweis auf eine weiterlaufende Zerstörung des Gewebes durch die Verletzungsströme, die es zu stoppen gilt.

Seit Jahrzehnten versuchen Forscher, diese Veränderungen beim Menschen messbar zu machen - bislang ohne Erfolg. Derartige Bioströme sind von einem Magnetfeld umgeben. "Es geht dabei um magnetische Felder, die eine Milliarde mal schwächer als das Erdmagnetfeld sind", erklärt Gabriel Curio, Leiter der Arbeitsgruppe Neurophysik am Berliner Uniklinikum Benjamin Franklin.

Sein Team hat nun eine nichtinvasive Methode zum Nachweis von Magnetfeldern entwickelt, die durch die elektrischen Ströme in Nerven und Muskeln erzeugt werden. Wichtiges Hilfsmittel sind hoch empfindliche SQUID-Sensoren (Superconducting Quantum Interference Devices). Diese SQUID werden in flüssiges Helium getaucht, das sie bei minus 269 Grad Celsius supraleitend und damit gegenüber Magnetfeldern äußerst empfindlich macht.

Die Neurologen haben in Zusammenarbeit mit der Physikalisch Bundesanstalt-Technischen ein Verfahren entwickelt, SQUID für die kontaktfreie Messung von Verletzungsströmen im menschlichen Körper einzusetzen. Nach Tierversuchen wird dieses Verfahren nun in klinischen Studien erprobt. Das Forschungsprojekt wird über drei Jahre gefördert, um die Aussagekraft der Magnetfeldmessungen verletzter Nervenzellen auch in der klinischen Praxis zu klären.

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