Kofi Annan kritisiert Israel
Nach schweren Angriffen besetzt Israel erstmals Palästinenserland

Die israelische Armee hat am Dienstag zum ersten Mal seit dem Abschluss der Friedensabkommen mit den Palästinensern autonomes palästinensisches Territorium auf unbestimmte Zeit besetzt.

dpa Jerusalem/Gaza/Washington. Nach einer Serie der schwersten Angriffe auf palästinensische Polizeigebäude seit Monaten in der Nacht drangen israelische Truppen bei Bet Chanun im Norden des Gazastreifens mehrere hundert Meter tief auf autonomes Gebiet vor. Zuvor hatte die Armee den Gazastreifen durch Absperrungen in drei Teile geteilt und damit die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.

Angesichts der jüngsten Entwicklung sagten die Palästinenser alle Sicherheitstreffen mit den Israelis auf unbestimmte Zeit ab. Die Arabische Liga will am Samstag in Ägypten auf Antrag Libanons eine Dringlichkeitssitzung abhalten. Das berichteten Beiruter Rundfunksender unter Berufung auf Liga-Quellen in Kairo. Die USA kritisierten am Dienstag Israel und die Palästinenser wegen der Zuspitzung der Lage. In der Erklärung von US-Außenminister Colin Powell, die vom Außenamtssprecher Richard Boucher verlesen wurde, werden beide Seiten zu äußerster Zurückhaltung aufgerufen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan kritisierte den in der Nacht zum Montag erfolgten israelischen Angriff auf eine syrische Radarstation in Libanon in scharfer Form. Die Bombardierung sei eine «klare Verletzung» von Resolutionen des Weltsicherheitsrates, erklärte Annan in New York. Palästinenserpräsident Jassir Arafat brandmarkte am Dienstag die israelischen Angriffe im Gazastreifen als ein «unverzeihliches Verbrechen». Arafat bedauerte in Ramallah, dass der UN-Sicherheitsrat beschlossen habe, keine Schutztruppe in die Palästinensergebiete zu entsenden. Die radikal-islamische Hisbollah konferierte am Dienstag mit ihren politischen Verbündeten, um über Optionen nach dem israelischen Raketenangriff auf die syrische Radarstation zu beraten.

Die militärische Eskalation im Gazastreifen durch Israel folgte einem palästinensischen Mörsergranatenangriff auf die südisraelische Stadt Sderot. Mehrere aus dem Gazastreifen abgefeuerte Granaten schlugen am Rande der Stadt ein, nur wenige Kilometer von der Farm von Ministerpräsident Ariel Scharon. Daraufhin griff die israelische Armee mehrere Gebäude in Gaza und im Flüchtlingslager Dir el Balach an, von denen aus die Elite-Truppe Force 17 operieren soll. Nach palästinensischen Angaben wurden bei der Aktion 1 Polizist getötet, 16 Häuser getroffen, und 27 Menschen verletzt. Die radikal-islamische Hamas-Organisation übernahm die Verantwortung für den Raketenüberfall auf israelisches Gebiet.

Im Gegensatz zur Entwicklung im Gazastreifen, wo am Mittag ein 15- jähriger Palästinenser am Grenzkontrollpunkt Karni erschossen wurde, blieb es im Westjordanland am Dienstag relativ ruhig. In der Stadt Tulkarem wurde jedoch ein 19-jähriger Palästinenser getötet, der offenbar versucht hatte, einen israelischen Soldaten zu erstechen. Palästinensischen berichten zufolge feuerten Truppen daraufhin auf palästinensische Wohngebiete in der Stadt und richteten damit schweren Schaden an.

Einen Tag nach der Zerstörung einer syrischen Radarstation durch die israelische Luftwaffe in Libanon demonstrierten Tausende von Syrern am Dienstag im israelisch-syrischen Grenzgebiet vor den Golan- Höhen gegen den israelischen Angriff. In Beirut kündigte der libanesische Außenminister Machmud Hammud eine internationale Kampagne an, um Israel von weiteren Angriffen gegen Libanon abzuhalten. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak warnte Israel vor weiteren Militärangriffen gegen die arabischen Nachbarn. Derartige Operationen gäben Israel nicht mehr Sicherheit, sondern heizten die Spannungen in der Region nur an.

Die Regierung in Jerusalem hatte die Zerstörung der syrischen Anlage beschlossen, nachdem am Wochenende ein israelischer Soldat an der Grenze zu Libanon von libanesischen Hisbollah-Milizionären getötet worden war. Israel vertritt die Auffassung, dass die schiitische Miliz von Syrien gefordert und auch finanziert wird.

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