Kofler wird Chef des Bezahlfernsehens: Liberty steigt nicht bei Premiere ein

Kofler wird Chef des Bezahlfernsehens
Liberty steigt nicht bei Premiere ein

Der Kabelnetz-Aufkäufer Liberty Media will nicht mehr beim defizitären Bezahlsender Premiere einsteigen. Der US- Konzern von John Malone zog seinen entsprechenden Antrag beim Bundeskartellamt überraschend zurück.

dpa MÜNCHEN/BONN. "Wir haben Kirch aber ein Angebot für eine langfristige Zusammenarbeit unterbreitet", sagte ein Liberty-Sprecher am Mittwoch. Nach Spekulationen in Branchenkreisen könnte das Unternehmen möglicherweise die Übernahme von Vertrieb und Marketing bei Premiere World anstreben. Dem Erwerb von sechs Kabelnetzen der Deutschen Telekom und des Kabelnetzbetreibers TeleColumbus durch Liberty muss das Kartellamt weiter zustimmen. Neuer Chef von Premiere World wird ebenso überraschend der frühere Pro-Sieben-Chef Georg Kofler.

Kofler wollte sich nicht konkret zu den Formen einer möglichen Zusammenarbeit mit Liberty äußern. "Ich bin aber offen für jeden, der Premiere verkaufen will", sagte Kofler der dpa. Er übernimmt am 1. Februar offiziell den Vorsitz bei Premiere World. Er wolle rasch die Ertragslage des verlustreichen Bezahlsenders verbessern und die Abonnentenzahl spürbar steigern. "Ich will innerhalb weniger Wochen Mister Premiere werden, so wie ich früher Mister Pro-Sieben war." Bei operativen Erfolgen werde es auch keine Probleme auf der Gesellschafterseite geben.

Die KirchGruppe wollte die Entscheidung von Liberty nicht kommentieren. In Unternehmenskreisen wurde darauf hingewiesen, dass es noch keine konkreten Verhandlungen mit Liberty über eine Zusammenarbeit bei Premiere gebe.

Ziele verfehlt

Premiere World konnte die Abonnentenzahl 2001 nur um fünf Prozent auf 2,41 Millionen steigern und hat damit seine Ziele verfehlt. Wenn der Bezahlsender bis Herbst nicht bestimmte Ziele erreicht, kann Mitgesellschafter Rupert Murdoch seinen 22-prozentigen Anteil an Kirch zurückzugeben. Kirch müsste dafür rund 1,5 Milliarden Euro (3 Mrd. DM) an Murdoch bezahlen. Liberty Media hatte ohne Rücksprache mit der KirchGruppe einen möglichen Einstieg bei Premiere World beim Kartellamt angemeldet. Der Plan war auf Kritik gestoßen, weil Malone dadurch Netz und Inhalte kontrollieren würde.

Schon gegen die Übernahme der Kabelnetze der Telekom durch Liberty hatten sich die großen deutschen Fernsehveranstalter gewehrt. Auch die Kirch-Gruppe sprach sich für eine Untersagung des Liberty-Telekom - Deals aus. Kirch-Vize Dieter Hahn warf Liberty öffentlich vor, sein Unternehmen aus dem deutschen Medienmarkt drängen zu wollen. Das Kartellamt wird nun voraussichtlich Ende Februar über den Kauf der Kabelnetze entscheiden. Die Behörde will nach Angaben eines Sprechers die Auswirkungen der Liberty-Entscheidung prüfen. Ob sich die Chancen für eine Zustimmung der Wettbewerbshüter zum Kauf der Kabelnetze verbessert hätten, wollte der Sprecher nicht sagen.

Die Kirch-Gruppe versucht seit Jahren, mit Premiere auf einen grünen Zweig zu kommen. An der Spitze des Pay TV-Senders gab es im vergangenen Jahr mehrere Wechsel. Im Dezember hatte der letzte Geschäftsführungs-Sprecher Ferdinand Kayser nach nur wenigen Monaten im Amt seinen Abtritt angekündigt. Kayser war nach dem Rücktritt von Manfred Puffer an die Spitze gerückt, der auch erst seit Januar Chef war.

Der gebürtige Südtiroler Kofler war 1989 mit Pro-Sieben auf Sendung gegangen. Schnell entwickelte sich der Sender zum profitabelsten Spielfilmsender in Deutschland. 1997 ging der von der Kirch-Gruppe dominierte TV-Konzern an die Börse. Seine Rücktrittsankündigung 1999 kam für viele überraschend. In Branchenkreisen wurde über Unstimmigkeiten zwischen Kofler, der immer auf eine gewisse Eigenständigkeit von ProSieben pochte, und der Kirch-Gruppe spekuliert. Kofler betonte nun aber seine gute Beziehung zu Kirch. "Wir telefonieren jede Woche." Auch bei der Einkaufssender-Kette Hot Networks, wo Kofler Vorstandschef ist, arbeite er mit Kirch zusammen.

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