Kohle, Stahl und Fußball: Heute vor 100 Jahren wurde der FC Schalke 04 gegründet
Eine Leidenschaft im Revier

"Null Vier", prangt in Großbuchstaben auf einem Spruchband am Musiktheater im Revier von Gelsenkirchen. Geworben wird für ein Musical zu Ehren des FC Schalke 04. Heute vor 100 Jahren wurde der Kultclub gegründet, am Samstag wird groß gefeiert.

GELSENKIRCHEN. Seit über 50 Jahren sind die Blau-Weißen Zweiter in Westfalen hinter den Gelb-Schwarzen von Borussia Dortmund. Aber Schalke ist Legende aus der Urzeit des Revierfußballs, davon geblieben ist die marode Glückauf-Kampfbahn. Der Stadtteil Schalke bezeugt den Niedergang von Kohle und Stahl. Die immer noch so genannten Knappen spielen nicht mehr in Schalke, ihre Arena liegt im Emscherbruch an der Grenze zu Herten.

Vom Musiktheater führt eine linealgerade Straße direkt nach Schalke. Als erstes sieht der Besucher das Wirtshausschild "Vereinslokal Schalker Fan-Club Verband". Es folgt eine historische Wettannahmestelle - Ernst Kuzorra, Schalkes legendärer Spielführer der frühen Jahre, führte hier einen Tabakladen. Auch Reinhard Libuda, Schalkes Held der Sechziger, war Pächter des Geschäfts.

Bis 2001 ragte dahinter noch ein Förderturm der Zeche Consolidation in den Himmel. Als Industrieruine. Die zentrale Heimatzeche, verkürzt Consul genannt, wurde 1993 stillgelegt. Ernst-Kuzorra-Platz heißt die Haltestelle auf dem Weg zur Glückauf-Kampfbahn. Das Vereinslokal von Schalke 04, eine einfache Kneipe, liegt direkt neben den verschlossenen Eingängen der alten Kampfbahn. Das Stadion ist derart marode, dass die Regionalligaelf von Schalke 04 hier nicht spielen durfte. Hier begann der Aufstieg des Klubs, der in den Dreißiger- und Vierzigerjahren seine größte Zeit hatte, mit sechs deutschen Meisterschaften zwischen 1934 und 1942, ein siebter Titel kam 1959 dazu.

In der Geschichte des Klubs gibt es reichlich bunte Fußnoten. Der Westdeutsche Fußballverband etwa verweigerte dem Bergmannsverein einst die Aufnahme. Deshalb schlossen sie sich vorübergehend einem Turnverband an. Im Ersten Weltkrieg führte eine Frau den Verein. In den Räumen der Vorsitzenden, einer Wirtin, zogen sich die Spieler um.

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