Kohlekonzern braucht für Degussa-Übernahme Milliarden
Berlin: Tausch von Ruhrgas gegen Degussa denkbar

Die Bundesregierung hat der Essener RAG AG (früher Ruhrkohle) signalisiert, dass sie einem Tauschgeschäft Ruhrgas gegen Degussa "grundsätzlich positiv gegenübersteht". Das verlautete aus regierungsnahen Kreisen. In den vergangenen Tagen verdichteten sich die Hinweise darauf, dass der Degussa-Mehrheitseigner, die Düsseldorfer Eon AG, bereit ist, sich von ihrer Spezial-Chemietochter zu trennen, um sich so mit den Ruhrgas-Anteilen der RAG die Mehrheit am größten europäischen Ferngaskonzern zu sichern.

BERLIN/DÜSSELDORF. Das Bundeskartellamt hatte die Ruhrgas-Übernahme untersagt, Eon daraufhin eine Ministererlaubnis beantragt. Die Zustimmung zum Tauschgeschäft Eon-RAG sei nicht als Vorentscheidung für die Ministererlaubnis zu werten, hieß es in Berlin.

Die Vorstände von Eon und RAG haben dennoch mit Spannung auf das Signal gewartet. Aus unternehmensnahen Kreisen hieß es: "Wenn es zu einem klaren Bekenntnis aus Berlin zu Gunsten der Degussa-Option kommt, werden wir loslegen und die Angebote konkretisieren."

Die RAG nimmt im Ringen um die Ruhrgas eine Schlüsselstellung ein. RAG-Chef Karl Starzacher hat am vorigen Freitag eine mündliche Zusage für ein Tauschgeschäft mit Eon aus Berlin erhalten: Demnach darf RAG Umschichtungen im Vermögen prüfen. Die Bundesregierung hat seit dem Kohlekompromiss von 1997 ein Mitspracherecht bei der RAG, der "Interministerielle Ausschuss" unter Führung von Wirtschaftsminister Werner Müller muss zustimmen, wenn die RAG Beteiligungen verkaufen will. Das Paket an der Ruhrgas dürfte dabei zwei Mrd. Euro wert sein.

Zwar bekräftigten regierungsnahe Berliner Kreise, dass für das Tauschgeschäft auch andere Eon-Beteiligungen in Frage kämen. Doch eröffne die Degussa-Lösung die besten Perspektiven. Berlin ist an einer Stärkung der RAG interessiert, weil erwartet wird, dass der Eigenbeitrag von 100 Mill. Euro, den die RAG zur Unterstützung der heimischen Steinkohle jährlich zahlt, künftig steigen dürfte.

Starke Unterstützung bekommt das Tauschgeschäft von NRW-Regierungschef Wolfgang Clement und den Vorständen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt und Klaus Südhofer. Allerdings überfordert die Degussa-Übernahme, deren Wert auf knapp 7,5 Mrd. Euro taxiert wird, die finanziellen Möglichkeiten der RAG. Deshalb hat Eon, mit 39 % größter RAG-Aktionär, signalisiert, ihr für die Degussa-Übernahme eine Milliardenhilfe zu "nicht-marktüblichen Konditionen" bereitstellen zu wollen. Denn Eon will Ruhrgas unbedingt haben.

Bliebe als Hindernis noch der Eon-Konkurrent und zweitgrößte RAG-Aktionär, die RWE AG. Bislang hat sich RWE gegen die Ruhrgas-Übernahme durch Eon vehement gewehrt. Das könnte sich ändern, wenn die RAG zur Finanzierung des Degussa-Kaufs weitere Mittel braucht. Möglicher Verkaufskandidat wäre die RAG-Kraftwerkstochter Steag - für RWE eine lukrative Gelegenheit. "Dann könnte RWE kaum mehr widersprechen", meint der Essener Energie-Professor Dieter Schmitt.

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