Kohlekraftwerk und Biogasanlage
Alternative Entsorgungsmöglichkeiten von Tiermehl

ap/dpa ESSEN. Die zur Entsorgung anstehenden Mengen an Tiermehl können möglicherweise in Kohlekraftwerken mitverbrannt werden. Die zum Energiekonzern RWE gehörende RWE Power AG teilte am Donnerstag in Essen mit, sie prüfe die Möglichkeit der schadlosen Entsorgung von Tiermehl in ihren Kraftwerken. Neben technischen und ökonomischen Aspekten müssten aber zuvor auch Fragen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes abgeklärt werden. Grundsätzlich sei das Hinzufügen von Tiermehl zur Kraftwerkskohle möglich, hieß es weiter.

Die in den Kohlekraftwerken erzeugten Temperaturen sind nach Angaben des Unternehmens zudem um einige hundert Grad Celsius höher als in normalen Abfallverbrennungsanlagen. Organische Substanzen könnten so völlig zerstört werden. Die dabei entstehenden Abgase würden anschließend über die vorhandenen Rauchgas-Reinigungsanlagen geführt, hieß es in der Mitteilung weiter.

Zuvor hatte laut RWE Power das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am Donnerstag die Industrie um Unterstützung auf Grund des aktuellen Entsorgungsnotstands bei Tiermehl gebeten. Jährlich sollen durch das Verfütterungsverbot mehrere 100 000 Tonnen Tiermehl zur Entsorgung anfallen.

Tierabfälle zu Biogas verarbeiten

Tierkörper könnten künftig in Biogas-Anlagen kostengünstig verwertet werden. "Als schnelle Zwischenlösung eignen sich die Anlagen jedoch nicht", sagte Professor Peter Weiland von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig. Nach einer Studie der FAL könnten aus einer Tonne Tierabfälle mindestens 500 Kubikmeter Biogas gewonnen werden. Die Entsorgungskosten würden damit für eine Tonne Fleisch voraussichtlich bei nur etwa 20 bis 50 DM liegen. Weitere Entsorgungsmöglichkeiten werden derzeit geprüft.

Weiland sagte, die Biogas-Anlagen könnten die Abfälle erst verwerten, wenn die Übertragungswege der Rinderseuche BSE restlos geklärt seien. In Zukunft könnte der Einsatz in Biogas-Anlagen laut Weiland wirtschaftlich wesentlich interessanter sein als die kostenspielige Verbrennung in Heizkraftwerken, Müllverbrennungsanlagen und in Zementfabriken.

Risikoteile wie Gehirn, Rückenmark oder Augen müssten getrennt entsorgt werden. Die übrig bleibenden Reste könnten nach einer zwanzigminütigen Erhitzung auf 130 Grad zur Biogaserzeugung genutzt werden. Die Abfälle müssten nicht zu Tiermehl verarbeitet werden, sondern könnten als Fleischbrei eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil wäre die Nutzung der Gärreste als Dünger. "Damit könnten die wertvollen Nährstoffe, die bei einer Verbrennung vernichtet werden, der Landwirtschaft wieder zugeführt werden", sagte der Professor.

Für eine Verwertung des in Deutschland anfallenden Materials sei die vorhandene Anlagenkapazität ausreichend, wenn nur etwa 10 % des bisherigen Anlageninputs ersetzt würde. Derzeit werden in Deutschland 850 Biogasanlagen betrieben, die jährlich etwa 5 Mill. Tonnen organische Abfälle verwerten.

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