Kohlendioxid sorgt für kühles Klima
Autozulieferer Behr entwickelt umweltfreundliche Klimaanlagen

Das Prozessgas Kohlendioxid soll künftig für angenehme Temperaturen im Auto sorgen. Umweltexperten und-politiker sehen in dem Gas eine Alternative zu den Kältemitteln, die derzeit in Klimaanlagen eingesetzt werden. Autohersteller und Zulieferer arbeiten derzeit daran die Technik marktreif zu machen.

DÜSSELDORF. Um die Umweltverträglichkeit von Autoklimaanlagen zu verbessern, hat die Stuttgarter Behr GmbH gemeinsam mit der Luk Fahrzeughydraulik GmbH einen Kältekreislauf entwickelt, der mit Kohlendioxid (CO2) arbeitet. Derzeit werde das System in enger Zusammenarbeit mit Autoherstellern wie Daimler-Chrysler, Audi, BMW und Volkswagen getestet. In Japan arbeitet Toyota gemeinsam mit der Denso Corp. ebenfalls umweltverträglicheren Klimaanlagen.

In heutigen Klimaanlagen sorgen teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW) für kühle Luft im Auto. Im Vergleich zu den früher verwendeten FCKW gelten diese als umweltschonend, da sie die Ozonschicht nicht schädigen. Für Bundesumweltminister Jürgen Trittin sind jedoch die fluorierten Gase auf lange Sicht keine Lösung. Der Grund: "Die meisten F-Gase wirken als starke Treibhausgase", so Trittin.

Um die im Klimaschutzprotokoll von Kyoto formulierten Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase zu erreichen, plant Trittin eine Reihe von Maßnahmen. "Auch die CO2-Klimaanlage im Auto, könnte einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase leisten", sagt Axel Friedrich, Leiter der Abteilung Umwelt und Verkehr beim Umweltbundesamt. Kohlendioxid habe ein etwa 1 300-fach geringeres Treibhauspotenzial als H-FKW. Da das für Klimaanlagen verwendete CO2 nicht hergestellt werden müsse, sondern aus natürlichen Quellen oder Prozessabgasen stamme, trage es nicht zusätzlich zur globalen Erwärmung bei. "Kohlendioxid ist außerdem preiswert und überall erhältlich", nennt Friedrich weitere Vorzüge des natürlichen Kältemittels. Da es überdies weder giftig noch brennbar ist, werde es zudem den hohen Sicherheitsanforderungen in Fahrzeugen gerecht.

Dennoch können die treibhauswirksamen Kältemittel nicht von heute auf morgen durch CO2 ausgetauscht werden. Der Grund: In einem Kohlendioxid- Kühlkreislauf herrschen Drücke von bis zu 140 bar. In einer mit H-FKW betriebenen Autoklimaanlage liegt der Druck hingegen lediglich bei 20 bis 25 bar. "Es ist daher notwendig, so gut wie alle Komponenten der Anlage an diesen hohen Druck anzupassen - vom Verdichter bis hin zu den Kältemittelleitungen", sagt Dieter Heinle, Leiter der Vorentwicklung im Produktbereich Klimatisierung bei Behr. Dies sei inzwischen jedoch gelungen.

Neben den Vorteilen für die Umwelt sei die CO2-Klimaanlage heutigen Systemen auch beim Wirkungsgrad und der Kälteleistung deutlich überlegen, heißt es bei Behr. Da die Klimaanlage mit einem Wärmetauscher ausgestattet sei, könne sie bei kühler Witterung sogar als Heizung dienen. Weiterer Vorteil: Die Kohlendioxid-Klimaanlage verbrauche 15 bis 20 % weniger Benzin als die herkömmliche Technik. Das sind Vorzüge, die auch den UBA-Experten Friedrich überzeugen: "Neben konstruktiven Maßnahmen, die verhindern, dass sich das Auto stark aufheizt, ist die CO2-Klimaanlage eine echte Alternative zu herkömmlichen Systemen."

Doch die umweltfreundliche Technologie hat ihren Preis. So sind Werkstoffe, die den hohen Drücken standhalten, deutlich teurer als die für H-FKW-Anlagen. Das gelte vor allem für die Kältemittelleitungen, die zurzeit statt aus Kunststoff aus Edelstahl gefertigt werden, so Heinle. Um die Kosten zu reduzieren, sucht Behr derzeit nach billigeren Werkstoffen.

Die Autobauer warten daher zurzeit noch ab. Bis zu einem serienmäßigen Einbau der umweltverträglichen Klimaanlagen werden wohl noch einige Jahre vergehen. Neben dem wesentlich höheren Preis müssen noch neue rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, heißt es. "Wir rechnen aus heutiger Sicht mit drei bis acht Jahren", so Edith Meissner von der Daimler-Chrysler AG, Stuttgart. Das sieht auch BMW so: Erste Fahrzeuge mit CO2-Klimaanlagen seien nicht vor 2006 zu erwarten. Um die Kosten zu senken, schlägt das Münchener Unternehmen eine gemeinsame Markteinführung zumindest aller europäischen Automobilfirmen vor. An die Adresse der Politik richtet sich eine weitere Idee des Autobauers. "In Analogie zur Einführung der Katalysatortechnik sollte die Einführung der CO2-Klimaanlage über einen fiskalischen Anreiz gefördert werden", empfiehlt Pressesprecher Alfred Broede.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%