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Kohler fühlt sich nicht als VerliererDPA-Datum: 2004-06-30 14:42:31

Leverkusen (dpa) - Jürgen Kohler fühlt sich nicht als Ausgestoßener. «Nein, ein Verlierer bin ich nicht.» Das abrupte Ende seiner Tätigkeit als Sportdirektor beim Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen soll für den Weltmeister von 1990 ein neuer Anfang sein.

Leverkusen (dpa) - Jürgen Kohler fühlt sich nicht als Ausgestoßener. «Nein, ein Verlierer bin ich nicht.» Das abrupte Ende seiner Tätigkeit als Sportdirektor beim Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen soll für den Weltmeister von 1990 ein neuer Anfang sein.

«Meine Zeit bei Bayer war eine tolle Erfahrung. Ich habe viel gelernt, der Club ist in vielen Strukturen absolut top», betonte Kohler, der ohne Zorn zurückblickt. Zu der verkündeten Trennung «in Übereinstimmung und wechselseitigem Respekt» sei nichts mehr hinzuzufügen. Die Trennungsgespräche mit Bayer seien «gut» gewesen, und auch sein persönliches Wohlbefinden sei «sehr gut», äußerte Kohler in einem dpa-Gespräch.

105 Länderspiele, 398 Bundesliga-Partien (28 Tore), Champions- League- und Weltpokalsieger 1997, Welt- und Europameister, drei Mal deutscher Meister - Kohler ist einer der Großen des deutschen und europäischen Fußballs. Doch in 15 Monaten bei Bayer hat sein Renommee auch gelitten. «Ich werde weiter kämpfen. Das ist mein Naturell.» Kohler hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er am liebsten als Trainer arbeiten würde: «Ich möchte tagtäglich auf dem Platz stehen.»

Nach dem vorzeitigen Ende der bis 2008 vereinbarten Zusammenarbeit mit Bayer will sich «Kokser» nun «ein paar Gedanken machen, wie es weiter geht». Er will bei hochkarätigen Trainern hospitieren, sich weiterbilden («Ich muss über den Tellerrand schauen») und mittelfristig selbst einen Club betreuen. «Das muss kein Top-Verein sein. Wichtig ist nur, dass die Verantwortlichen dort absolut hinter mir stehen.» Land und Liga sollen keine Rolle spielen, «es sollte nur ein Club sein, der die gleiche Philosophie wie ich hat». Seine Berufsauffassung war nie für den Schreibtisch geeignet: «Ich will den Leuten das Gefühl geben, dass ich bereit bin, den Platz umzupflügen.»

Extrem lernfähig, bodenständig und doch erfolgsorientiert - so wurde Kohler in einer Fachzeitschrift beschrieben. Doch wie die nahe Zukunft aussieht, weiß der 38-Jährige nicht: «Ich muss schauen, was mir ins Haus fliegt.» Konkrete Offerten gibt es nicht, eine Rückkehr in den Trainerstab des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei dem er vor seiner Bayer-Zeit «mit sehr viel Spaß» die U21 betreute, kommt nicht in Frage: «Im Moment nicht. Ich möchte im Profibereich arbeiten.»

Aus DFB-Kreisen hieß es, dass Kohlers Chancen auf einen Neuanfang beim Verband «gegen Null» tendieren, obwohl DFB - Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ihn zu Beginn des Engagements noch als «Persönlichkeit mit optimaler Berufsauffassung» und «Vorbild für die Jugendlichen» bezeichnet hatte.

Bei Bayer ist der große personelle - und finanzielle - Schnitt an der Spitze der Fußball GmbH mit der Trennung von Kohler vollzogen. Drei von vier Top-Positionen - Reiner Calmund, Ilja Kaenzig (zu Hannover 96) und Kohler - sind unbesetzt. «Von diesen Namen müssen wir uns lösen», fordert Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Die Struktur werde schlanker. Jugendleiter Michael Reschke wird laut Holzhäuser neuer Sportlicher Leiter und Koordinator der Bayer-Teams.

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