Koizumi und Bush
Auf den Spuren von Elvis

Japans Regierungschef Koizumi und US-Präsident Bush demonstrieren Feierlaune: Sie wandern auf Elvis' Spuren in Memphis und loben, wie sich die Allianz zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt in den vergangenen fünf Jahren unter Koizumi in Sicherheitsfragen gestärkt hat.

NAGO. Unter dem Zeltdach mit Blick auf das Meer sitzt Frau Taida und strickt. "Wir sitzen hier so lange. Da muss man etwas tun, um sich die Zeit zu vertreiben", sagt die Mitsechzigerin. Seit zweieinhalb Jahren bewachen Frau Taida und andere dieses Stück Meer im Norden der Okinawa-Hauptinsel. Sie wollen verhindern, dass vor der Küste wie von der US- und japanischen Regierung vor einem Jahrzehnt vereinbart, ein neues Camp für die US-Truppen in Japan als Ausgleich für die Schließung eines anderen entsteht. Bisher ist es ihnen mit Bootblockaden medienträchtig gelungen. Der Bau ist immer wieder verschoben worden.

Jetzt haben Japan und die USA einen neuen Verlegungsplan für die US-Truppen verabschiedet. Er soll die Okinawa Inseln entlasten, wo wegen der strategischen Lage zu Taiwan und China drei Viertel aller US-Militärcamps liegen. Doch während Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi bei seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush diesen Plan als großen Erfolg feiern wird, hat sich der Widerstand auf Okinawa alles andere als gelegt. "Koizumi kann sagen, was er will. Wir lassen hier auf keinen Fall jemanden ein Militärcamp bauen", schimpft Sakae Toyama, Vorsitzender der Bürgervereinigung gegen das geplante Camp.

Über den auf Okinawa schwelenden Bürgerwiderstand werden Koizumi und Bush sich jedoch kaum unterhalten. Das Treffen ist vor allem als Feier geplant. Bush will Koizumis Erfolge in seiner gut fünfjährigen Amtszeit hervorheben - schließlich ist es dessen letzter Amtsbesuch, bevor Koizumi im September aus dem Amt scheidet. Zur Unterstreichung der entspannten Feieratmosphäre verbringen die beiden, die gut miteinander auskommen und das auch gern zeigen, nach dem Arbeitstreffen am Donnerstag amerikanischer Ortszeit den Freitag denn auch in Graceland, der Pilgerstätte für Elvis Presleys in Memphis. Koizumi ist ein großer Elvis-Fan, hat vor einigen Jahren sogar eine Platte mit seinen liebsten Elvis-Songs herausgegeben - und auf Elvis Spuren feiert er sich denn in Graceland auch ein bisschen selbst.

Bevor sie in die Welt des Rock´n Roll-Stars eintauchen, werden die Regierungschefs loben, wie sich die Allianz zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt in den vergangenen fünf Jahren unter Koizumi in Sicherheitsfragen gestärkt hat. Japan hat Truppen in den Irak geschickt, baut gemeinsam mit den USA an einem Raketenabwehrsystem für Asien. Alle bilateralen Reibungspunkte haben beide Länder vor dem Abschiedsbesuch aus dem Weg geräumt. Neben der US-Truppenverlegung das Importverbot für US-Rindfleisch in Japan etwa. US-Produzenten dürfen wieder auf ihren ehemals größten Exportmarkt liefern. Und den Verlegungsplan für die US-Militärs in Japan. Doch ebenso wenig wie den Widerstand auf Okinawa können sie das angespannte Verhältnis Japans zu seinen asiatischen Nachbarn China und Südkorea aus dem Weg räumen.

Auch wenn es öffentlich nicht angesprochen werden wird - die Probleme zwischen Japan und China seien "äußerst ernst", die Spannungen schlimmer als angenommen, heißt es. Mittlerweile ist auch Washington besorgt - und deshalb höchst interessiert, wer im September Koizumis Nachfolger wird, eilt doch dem derzeitigen Favoriten Shinzo Abe der Ruf eines Falken voraus, wenn es um China geht. Letztlich hat eben diese die Debatte um Japans Platz in Asien und das Verdauen seiner Kriegsvergangenheit Koizumi nach Graceland geführt. Gegen eine angedachte Rede vor dem US-Kongress hatte sich wegen Koizumis anhaltender Besuche im Yasukuni-Schrein, in dem auch Kriegsverbrecher verehrt werde, bei Abgeordneten Widerstand geregt.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%