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Kollegen trauern um Daniel Pearl

Die schreckliche Tat entsetzt Pearls Kollegen bei Wall Street Journal und Handelsblatt. Der 38-jährige Journalist hinterließ seine Frau Mariane, die im siebten Monat schwanger ist.

wsj/bba NEW YORK. Der US-Journalist Daniel Pearl ist tot. Mit tiefer Betroffenheit hat das Handelsblatt die traurige Nachricht von seinem Tod vernommen. Pearl war Korrespondent unserer New Yorker Schwesterzeitung, des Wall Street Journal. Vor vier Wochen wurde er in Pakistan von einer moslemischen Extremistengruppe entführt und vermutlich bereits kurze Zeit später ermordet.

"Wir sind sehr traurig über seinen Tod", sagten der Wall-Street-Journal-Chefredakteur Paul Steiger und Herausgeber Peter R. Kann in einem Statement. "Nach Berichten des US-Außenministeriums und Polizeivertretern der pakistanischen Provinz Sind wurde Pearl von seinen Entführern getötet. Mit Danny verlieren wir einen ganz besonderen Kollegen und einen herausragenden Reporter, der beim Wall Street Journal viele gute Freunde hatte. Seine Ermordung ist ein barbarischer Akt. Alles, woran die Entführer zu glauben vorgaben, erscheint angesichts dieser Tat wie der reinste Hohn. Sie machten uns weis, pakistanische Nationalisten zu sein. Dabei ist ihre verwerfliche Tat für jeden pakistanischen Patrioten eine Schande."

Der 38-jährige Pearl war am 23. Januar nach Recherchen über islamische Extremisten in der pakistanischen Stadt Karatschi verschwunden. Vier Tage darauf meldete sich eine Gruppe mit dem Namen "Nationale Bewegung für die Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität" bei verschiedenen US-Medien. Sie forderten die Freilassung pakistanischer Gefangene in den USA. Pearl sollen sie vorgeworfen haben, dass er ein Jude sei und die Moslems hasse, und dass er deshalb sterben müsse.

Pearl hat 12 Jahre für das Wall Street Journal in Atlanta, Washington, London, Paris und auf seiner letzten Station in Bombay gearbeitet. Bei seiner journalistischen Arbeit hat er sich intensiv mit der islamischen Welt auseinander gesetzt und versucht, den Lesern des Wall Street Journal ihre Besonderheiten anschaulich zu vermitteln. Dabei hat er immer kritisch Distanz gehalten zur Politik der Vereinigten Staaten, so wie er überhaupt skeptisch gegenüber sämtlichen Institutionen war. Nun ist er islamischen Extremisten zum Opfer gefallen, die sich als Hasser der westlichen Welt ausgaben. Er hinterlässt seine Frau Mariane, die im Mai das erste gemeinsame Kind erwartet.

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