Kollegiales Verhältnis
Knipser-Duell im deutschen Sturm

Oliver Bierhoff fühlt sich als Sieger der bisherigen WM-Vorbereitung, doch im "Knipser-Duell" führt noch immer Carsten Jancker.

dpa MIYAZAKI. Beide Mittelstürmer der deutschen Nationalmannschaft kamen nach einer enttäuschenden Saison zu Rudi Völler, beide kämpfen um einen Platz in der WM-Startelf - aber nur einer kann am Samstag gegen Saudi Arabien von Beginn an spielen. "Wie das am Wochenende aussieht, will ich im Moment noch ein bisschen offen halten. Es wäre Blödsinn, heute schon damit rauszurücken", verweigerte Teamchef Völler am Montag noch die öffentliche Entscheidung über den zweiten Stürmer neben Miroslav Klose. Innerlich aber scheint Völlers Wahl längst klar zu sein: Der Münchner Brecher Jancker bleibt erste Wahl.

"Carsten wird kritisch beäugt, weil er nicht der klassische Stürmertyp ist, der immer sein Tor erzielen will", meinte Völler und nahm damit trotz der derzeitigen Probleme den Bayern-Stürmer aus der Kritik. Null Tore in der gesamten Bundesliga-Saison, nur zwei von insgesamt 23 Treffern in den WM-Testspielen, und auch ansonsten wirkt Jancker derzeit eher wie ein stolpernder Riese. Bierhoff dagegen zeigt sich auch im Training locker und treffsicher. Doch Jancker glaubt nicht, dass er der Verlierer des Duells sein wird: "Ich zieh' mein Ding hier durch und werde sehen, wer am 1.6. spielt", wehrte er fünf Tage vor dem ersten Vorrunde-Spiel kritische Fragen ab.

"Beide Sturmreihen haben ihre Sache gut gemacht. Im Prinzip könnte man alle aufstellen, aber es werden am Ende nur zwei sein", hält Völler den Konkurrenzkampf unter allen vier Stürmern am Kochen. Bierhoff und Oliver Neuville trafen am Sonntag beim 10:0 gegen die Miyazaki-Jugend je zwei Mal. Alles deutet jedoch auf die Nominierung des Duos Klose/Jancker hin, das sich schon einige Male bewährt hat. "Carsten gibt mir auch während des Spiels einige Tipps, wie ich mich bewegen soll", berichtet der Lauterer Klose, der gegen Israel und Österreich mit Partner Jancker jeweils drei Mal getroffen hatte. Auch beim entscheidenden 4:1 in der Relegation gegen die Ukraine durfte Jancker (mit Neuville) beginnen.

Der 34 Jahre alte Bierhoff (36 Treffer in 65 Länderspielen) kann gegenüber dem sieben Jahre jüngeren Jancker (7 Tore/26 DFB-Partien) auf die bessere Quote verweisen. Doch offenbar stuft Völler den Münchner als wirkungsvolleren Teil seines Teamgefüges ein. Bierhoff habe zwar stets bewiesen, dass es gefährlich ist, "wenn er zu einem späteren Zeitpunkt ins Spiel reinkommt, wenn wir uns über Außen durchsetzen", so der Teamchef. Gelingt dies aber nicht, würden Team und Bierhoff selbst schlecht aussehen, schloss "Rudi Nationale" an.

Für Völler ist Bierhoff bei dieser WM ein "wichtiger Spieler, daran hat sich nichts geändert". Wichtig zuerst als Joker, auch das Golden-Goal zum EM-Triumph 1996 hatte der gebürtige Karlsruher in dieser Rolle erzielt. "Unabhängig davon, ob der Olli von Anfang an spielt oder auf der Bank beginnt, wird er bei so einem langen Turnier wichtig sein für uns", betonte Völler. Sein Verhältnis zum zwei Zentimeter größeren und um sieben Kilo schwereren Jancker bezeichnete der Ex-Kapitän als kollegial. "Wir gehen mit diesem Konkurrenz-Verhältnis ganz locker um. Jeder weiß natürlich, dass er um seinen Platz kämpft." Doch dieser Fight soll nur auf dem Platz ausgetragen werden, "nicht außerhalb, nicht durch irgendwelche Sticheleien", ergänzte Bierhoff. Fest steht derzeit vor allem eins: Das deutsche "Knipserduell" wird die WM begleiten.

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