Kollektiv gegen Superstars
Völler verspricht Brasilien heißen Kampf

Eine letzte Kampfansage an den großen Favoriten, eine letzte Geheimniskrämerei um die eigene Final-Elf - dabei liegt Rudi Völlers Titel-Strategie längst offen. "Der individuellen Klasse der Brasilianer müssen wir unser Kollektiv entgegen setzen", betonte der Teamchef am Tag vor dem Endspiel der 17. Weltmeisterschaft in Yokohama.

dpa YOKOHAMA. Beim Griff nach den Sternen sind für den "Vater" der deutschen Überraschungs-Mannschaft Namen und Personen zweitrangig. Auch der drohende Ausfall des grippekranken Carsten Jancker war für ihn kein Thema. "Wenn wir in den meisten Zweikämpfen als Sieger vom Platz gehen, haben wir die Chance, das Finale zu gewinnen", erklärte Völler beim letzten öffentlichen Auftritt vor dem Aufeinandertreffen der beiden erfolgreichsten Fußball-Nationen.

"Ich kann versprechen, dass wir den Brasilianern alles abverlangen werden. Wir werden versuchen, die paar Schwächen zu nutzen, die sie haben", ergänzte Völler, der nochmals die Vorzüge der deutschen Überraschungs-Elf pries. Kampfkraft, Disziplin und ein unbändiger Wille sollen an diesem Sonntag (13.00 Uhr MESZ/ZDF und Premiere live) im Yokohama International Stadium die spielerischen Vorteile des Rekord-Weltmeisters nicht nur kompensieren, sondern für die Sensation sorgen. "Wir müssen uns unserer deutschen Tugenden nicht schämen", erklärte Völler, der 32 Stunden vor dem Anpfiff des italienischen Referees Pierluigi Collina noch nicht einmal alle elf Spieler über ihren Final-Einsatz informiert hatte.

Für Marco Bode und Oliver Bierhoff ist das Endspiel gegen den viermaligen Weltmeister zugleich das Ende der Karriere im DFB-Team. Doch auch den Routinier Bode ließ Völler beim Poker um die Start- Formation lange im Unklaren darüber, ob er gegen Brasilien auflaufen darf. Der Bremer hoffte darauf, "in irgendeiner Form" noch zu erfahren, ob er in der Startelf dabei ist oder nicht. "Es ist ganz wichtig, nicht mit dieser Unsicherheit in den Spieltag zu gehen", sagte der 32-Jährige.

"Klar, wir wollen Weltmeister werden", betonte Völler im Hotel "Sheraton Bay Yokohama" nochmals vor der Weltpresse. "Ob es gelingt, liegt nicht nur an uns, sondern auch an den Brasilianern", sagte der Weltmeister von 1990, der die Favoritenrolle im ersten WM-Duell mit Brasilien überhaupt den Südamerikanern zuschob. Doch der 42-Jährige betonte vor seinem dritten WM-Finale, seinem ersten als Trainer, trotz des schwer wiegenden Ausfalls von Michael Ballack (gesperrt) ebenso: "Wir wollen uns auch nicht kleiner machen als wir sind."

Die Stimmung einen Tag vor der "einmaligen Chance" beschrieb Völler als "angenehme und positive Aufgeregtheit". Dieses besondere Gefühl, dieses Kribbeln im Bauch brauche jeder Spieler auch, jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt: "Man darf nicht überziehen und die Spieler überstrapazieren. Sie wissen, worum es geht. Jeder muss über sich hinaus wachsen, jeder muss das Spiel des Lebens machen."

Am Samstagabend beim Abschlusstraining fehlte Jancker. Ein Einsatz des 27-jährigen Münchner Stürmers sei nach Informationen von DFB-Pressechef Gerhard Meier-Röhn "fraglich". Jancker hatte zuletzt seine Position in der Startelf an den Leverkusener Oliver Neuville verloren und war auch für das Finale nicht als erste Wahl vorgesehen.

Der sportliche Chef des dreimaligen Weltmeisters legt gegen die Brasilianer erneut ersten Augenmerk auf eine stabile Defensive. Seinen Kapitän Oliver Kahn stufte Völler dabei einmal mehr als entscheidenden Mann ein: "Wir wissen alle, wenn wir erfolgreich sein wollen, muss Oliver Kahn über sich hinaus wachsen. Nur so geht's."

Der 33-jährige Ausnahme-Athlet Kahn soll den vierten WM-Titel für die Fußball-Nation Deutschland festhalten - WM-Aufsteiger Miroslav Klose vorn endlich wieder treffen. Seit drei Spielen wartet der 24- jährige Lauterer auf sein sechstes WM-Tor, das ihm zum Gleichstand mit Ronaldo an der Spitze der WM-Torjäger-Liste fehlt. "Das kann man nicht als Ladehemmung bezeichnen", verteidigte Völler seinen neuen Tor-Garanten. "Wir sind verwöhnt worden." Allerdings wartet auch der Teamchef ungeduldig auf den nächsten Jubelsalto von Klose: "Wenn er ein Törchen macht, würden wir uns nicht beschweren."

Zuerst aber erwartet Völler von seinem Team, die imponierende Gegentrefferzahl (1) auch gegen Brasilien so lange wie möglich zu sichern und den Gegner "hin und wieder" auch selbst unter Druck zu setzen. Wenn der Favorit Schwächen aufweist, dann in der eigenen Defensive, hat Bode erkannt, der auf der linken Seite mehr als Alternative Christian Ziege für Offensiv-Akzente sorgen könnte. "Wir können nicht den Fehler begehen, Brasilien nur anrennen zu lassen", meinte der 32-jährige Bremer, der wie Bierhoff seine Karriere nach dem Endspiel höchstwahrscheinlich insgesamt beenden wird. Am liebsten natürlich mit dem WM-Pokal in der Hand.

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