Archiv
Koller will für den Uefa-Cup zum "Wolf" werden

202 cm hoch, 103 kg schwer, Schuhgröße 50 - Jan Koller ist nicht nur optisch eine Ausnahme-Erscheinung auf Europas Fußball-Feldern. Er ist für Borussia Dortmund Torjäger par excellence, aber auch unersetzlicher Mannschafts-Diener.

dpa DORTMUND. "Mir ist es egal, ob er Tore schießt. Er ist auch ohne eigene Tore ein unglaublich wichtiger Spieler für uns", schildert BVB-Trainer Matthias Sammer die Vorzüge des tschechischen Hünen, der sich "in jedem Spiel den Hintern aufreißt" (Sammer).

Dabei gilt Koller in seinem südböhmischen Heimatdorf Lhota als "Klidas", als stiller Mensch. Zuhause nennen sie ihn nicht Jan, sondern "Dino", wegen seiner Körpergröße. Und er selbst sagt von sich, er sei "mal Wolf, mal Lamm". Letzteres bezieht der gelernte Werkzeugmacher auf sein Dasein als Nicht-Fußballer, den Wolf gibt er ausschließlich auf dem Rasen.

Doch das war nicht immer so. Als Koller nach den Stationen Smetanova Lhota (1978 bis 1989) und ZVZ Milevsko (bis 1994) zu Sparta Prag geholt wurde, gehörte er beim damaligen deutschen Cheftrainer Jürgen Sundermann anfangs nur zum Reserve-Team. Seine Fähigkeiten wurden erst im Ausland anerkannt: 1997 wechselte er für kleines Geld (200 000 DM) zum belgischen Erstligisten SC Lokeren, zwei Jahre später für sechs Mill. DM zum RSC Anderlecht.

In Belgien gelang ihm der Durchbruch. Der Stürmer wurde in das tschechische Nationalteam berufen, gehörte bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden auch ohne Torerfolg zu den auffälligsten Spielern. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurden die Elite-Clubs des Kontinents auf den "Langen" aufmerksam, dessen Kindheitstraum immer die englische Premier League war. Doch er entschied sich im Mai 2001 trotzdem gegen den FC Fulham und für den BVB: Rund 21 Mill. DM ließ sich Dortmund den Transfer kosten, "ich komme zu einem hervorragend geführten Verein", sagte Belgiens "Fußballer des Jahres 2000" nach seiner Verpflichtung.

Und die zahlte sich für den BVB schnell aus, nicht nur in Toren, sondern auch im taktisch-spielerischen Bereich. Kollers Aktionen wirken nicht immer grazil, sind aber effektiv. "Er ist immer ein starker Partner in Sachen Kombinationsspiel", schildert Dortmunds Sportmanager Michael Zorc einen der Vorzüge des 28 Jahre alten Tschechen, der hervorragend mit seinem Landsmann Tomas Rosicky harmoniert. Stark im Zweikampf und im Abschirmen des Balles, ein hervorragender Doppelpass-Partner - allein im Dribbling und, kurios genug, im Verwerten von Kopfball-Chancen sehen seine Arbeitgeber in Dortmund noch Steigerungsmöglichkeiten.

Daran will Jan Koller arbeiten, obwohl sich seine Bilanz für den BVB schon jetzt gut liest: In 28 Bundesliga-Spielen brachte er es auf neun Tore, in der Champions League und im UEFA-Pokal war er in elf Partien schon fünf Mal erfolgreich. Doch Koller will mehr, will dafür sorgen, dass sich die letzte Lücke im BVB-Trophäenschrank schließt: Für den Gewinn des UEFA-Pokals will das "Lamm" zum "Wolf" werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%