Kollision ging voraus
Ermittlungen wegen Terrorverdachts nach Tankerexplosion

Französische Behörden haben nach Angaben aus Justizkreisen am Montag Vorermittlungen wegen des Verdachts eines Terroranschlags auf den Tanker "Limburg" vor der Küste Jemens aufgenommen.

Reuters PARIS/SANAA. Spezialisten der Spionageabwehr DST würden nach Jemen reisen, um Besatzungsmitglieder und Zeugen zu befragen, hieß es. Auch Jemens Regierung ordnete Ermittlungen an, ging aber von einem Unfall aus.

Der Chef der Reederei Euronav SA, der die "Limburg" gehört, vermutete hingegen einen Terroranschlag. In London sagte der radikale islamische Geistliche Abu Hamsa el Masri der Nachrichtenagentur Reuters, er glaube Osama bin Ladens El Kaida stecke hinter der Explosion. Zeitweise stiegen die Rohöl-Preise im Zusammenhang mit den Spekulationen über einen Terroranschlag auf über 30 Dollar je Barrel (1 Barrel=159 Liter).

Frankreichs Präsident Jacques Chirac telefonierte mit seinem jemenitischen Kollegen Ali Abdallah Saleh über das weitere Vorgehen. Der Tanker "Limburg" war am Vortag unterwegs zu dem jemenitischen Hafen Mina el Dabbah bei Mukalla, um weiteres Rohöl zu laden, als er explodierte. Nach der Explosion brach ein großes Feuer aus. Über dem Tanker waren dicke schwarze Rauchschwaden zu sehen. 24 der 25 Besatzungsmitglieder aus Frankreich und Bulgarien wurden gerettet. Ein Bulgare galt noch als vermisst.

Ein Vertreter der Reederei Euronav verwies auf Augenzeugenberichte der Mannschaft, wonach sich die Explosion ereignet haben soll, nachdem ein kleines Fischerboot mit dem Tanker kollidiert sei. Die jemenitischen Ermittler gehen hingegen von einer Explosion in einem der Tanks aus. Der Kapitän des Schiffes habe selbst von einem kleinen Feuer an Bord gesprochen, das die Explosion ausgelöst habe, hieß es in Sanaa. Die Schifffahrtsagentur Lloyds berichtete, in die Bordwand der "Limburg" sei ein riesiges Loch gerissen worden. Die Eignerfirma Euronav betonte, der moderne Supertanker habe aus Sicherheitsgründen eine verstärkte, doppelte Bordwand, was auf eine gewaltige Energie schließen lasse, die bei der Explosion freigeworden sein müsse.

Nach Angaben des Charterers, der malaysischen Ölfirma Petronas, hatte die "Limburg" rund 400 000 Barrel (1 Barrel=159 Liter) Rohöl aus Saudi Arabien an Bord. In Jemen sollte sie 1,5 Millionen Tonnen laden. In Schifffahrtskreisen hieß es, der Vorfall könnte Folgen für den Rohöl-Tankermarkt und auf Versicherungsraten haben.

Islamischer Geistlicher spricht von El Kaida

Der radikale islamische geistliche El Masri sagte in London, nach seinen Informationen formierten sich islamische Gruppen in Jemen. Die Explosion sei ein deutliches Signal an die jemenitische Regierung. El Masri steht in Jemen wegen Terrorismus-Verdachts auf der Fahndungsliste. Auch der arabische Journalist Abdel Bari Atwan, dem Kontakte zu Anhängern Bin Ladens nachgesagt werden, vermutet die El Kaida hinter der Explosion. Es könne sich um Vergeltung für die Aktionen der jemenitischen Regierung gegen El-Kaida-Mitglieder handeln, sagte Atwan der Agentur Reuters, und eine Warnung an die Adresse der Regierung.

Die Explosion weckte Erinnerungen an den Terroranschlag im Hafen Aden auf das amerikanische Kriegsschiff "USS Cole" vom Oktober 2000. Damals war ein mit Sprengstoff beladenes Schnellboot auf die "Cole" zugerast. Bei der Explosion wurde die Bordwand aufgerissen, 17 US-Matrosen starben.

Erst kürzlich hatte die US-Marine vor Anschlägen auf Tanker in der Golf-Region durch die El-Kaida-Extremisten gewarnt. In den USA werden die El Kaida und ihr Anführer Bin Laden für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht. Zahlreiche El Kaida-Mitglieder sollen nach der Flucht aus Afghanistan im Jemen Unterschlupf gefunden haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%